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Ehemalige Kaserne in Hanau : 2020 ziehen die ersten Bewohner auf Pioneer-Gelände ein

Auf dem Areal der ehemaligen Pioneerkaserne in Hanau entsteht ein Stadtteil für 5 000 Menschen. Bild: Axel Häsler

Ein ehemaliger Stützpunkt des amerikanischen Militärs soll zur neuen Heimat für 5000 Menschen in Hanau werden. In das Quartier kommen auch ein Hotel und ein Gesundheitszentrum. Alles ist aber noch nicht verplant.

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          Das „große Königsprojekt“ nennt der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) das geplante Stadtquartier Pioneer-Park, das eine Fläche von 50 Hektar umfasst und in der Zukunft Wohnraum für 5000 Menschen schaffen soll. Die Gesamtinvestitionssumme beläuft sich dabei auf rund 500 Millionen Euro: „Das ist gut angelegtes Geld“, sagt Kaminsky. Während draußen die Bauarbeiten mit Baggern vorangehen, stellt Kaminsky gemeinsam mit Bürgermeister Axel Weiss-Thiel und der federführenden LEG Hessen-Hanau vor, was in dem Viertel „bereits geschehen ist und noch geschehen wird“. Einst von der Wehrmacht gebaut, lebten nach dem Zweiten Weltkrieg rund 30.000 Amerikaner in der früheren Kaserne, die nun für zehn Jahre leer stand. Dies soll bald vorbei sein: Von Ende Mai 2020 an sollen die ersten Wohnungen beziehbar sein.

          Ein wichtiger Fokus soll dabei auf das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit gelegt werden. Dies äußert sich unter anderem durch die verstärkte Ausstattung des Viertels mit Ladestellen für Elektrofahrzeuge. „Wir sind hier nicht ideologisch unterwegs, aber Ökologie und Ökonomie lassen sich durchaus miteinander vereinbaren“, sagt Oberbürgermeister Kaminsky, dessen Stadt mit dem Pioneer-Park der Klimaneutralität nahe kommen will. Der Nutzung von Zweit- und Drittfahrzeugen solle damit entgegengewirkt werden.

          „Man braucht ambitionierte Ziele“

          Den Schwerpunkt auf klimaneutrales Wohnen und Leben gibt es in Hanau nicht nur im Pioneer-Park: Während das Land Hessen bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden will, setzt die Stadt Hanau das Jahr 2040 als Ziel – und damit zehn Jahre früher. „Man braucht ambitionierte Ziele“, sagt Oberbürgermeister Kaminsky. Dass die Marke knapp verfehlt werden könnte, sieht er gelassen: „Und wenn es erst 2041 wird – dann sind wir immer noch neun Jahre früher dran“, sagt Kaminsky. „Man kann ja nicht als Stabhochspringer ansetzen und am Ende als Limbotänzer unten durch gehen.“

          Doch nicht nur in Sachen Mobilität soll das geplante „Quartier der Zukunft“ zu einem ökologischen Musterbeispiel werden. Auch der bereits auf den Namen „Gartenzwerge“ getaufte Kindergarten, der auf einem Campus mit dazugehöriger Grundschule und Turnhalle entstehen wird, soll laut Marc Weinstock, Geschäftsführer von LEG Hessen-Hanau, Kinder in Ganztagsbetreuung an Themen wie Müllvermeidung, Walderfahrung und tiergestützter Pädagogik heranführen. „Nachhaltigkeit auch im Sinne von nachhaltig für die künftige Bildungsbiographie“, ergänzt Weinstock und meint damit den zweiten Schwerpunkt Sprache und Spracherwerb in der Kindertagesstätte.

          Wohneinrichtung für Senioren

          „Vom Wickeltisch bis hin zum Glasfaserkabel“ wie Bürgermeister Axel Weiss-Thiel sagt, wurden rund 21 Millionen Euro in die soziale Infrastruktur investiert. Involviert in das Bauprojekt sind mehrere die von Reihenhäusern über Eigentumswohnungen bis hin zu Villen verschiedenste Bauvorhaben im Quartier umsetzen wollen. Ebenfalls Bestandteil des Quartiers sollen eine Wohneinrichtung für Senioren, ein Ärztehaus und ein Hotel werden. Auch ein Einzelinvestor wird in dem Quartier fündig — und plant ein altes Heizwerk zur Herberge seiner Oldtimer-Sammlung zu machen.

          Während die Vermarktung der Flächen für eines der beteiligten Bauunternehmen beginnt und nahezu alle Flächen bereits vor dem Satzungsbeschluss verkauft wurden, ist die Zukunft von zwei Gebäuden noch offen: jene einer frühere Kirche und des Pförtnerhäuschens. Die gebe es laut den Machern des Pioneer Parks sogar zu verschenken, sofern die neuen Besitzer die Flächen selbst sanierten — und ein überzeugendes Nutzungskonzept lieferten.

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