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Gutes tun : Was Ehrenamtler antreibt

  • -Aktualisiert am

Engagiert: Ehrenamtler vom Technischen Hilfswerk im Gespräch mit Jugendlichen Bild: Caroline Fisseler

Egoismus gilt als wesentlicher Antrieb des Menschen. Doch weshalb engagieren sich dann Millionen Personen hierzulande ehrenamtlich?

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          Der Mensch gilt als Egoist: Diese Annahme begründete Adam Smith für das moderne Wirtschaftssystem, wie etwa der Ökonom Peter Bofinger meint. Doch warum engagieren sich Menschen dann überhaupt ehrenamtlich? Als Jugendbeirätin und ehemalige Schulsanitäterin in Bad Nauheim kenne ich die Verantwortung, aber auch die Freude, die mit einem ehrenamtlichen Engagement einhergehen. Gutsein ist ein entscheidender Teil des Menschseins in unserer sozial verzweigten Gesellschaft. Warum auch ungezählte andere Menschen in Hessen motiviert freiwillig hilfsbereit sind und was das mit Ihnen macht, darum geht es in den folgenden Zeilen.

          Nur den Profit im Blick?

          Das System der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland zeigt: Egoismus und Soziales müssen einander nicht widersprechen. Idealerweise kommt das Soziale jedem zu Gute und wird nicht als Selbstzweck ausgeübt. In Deutschland wird etwa für eine  Krankenversicherungssystem gesorgt. Von ganz grundsätzlichen Nöten und Sorgen und das tägliche Dasein weitgehend befreite Menschen sind zufriedener und haben mehr freie Zeit, um über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren.

          Doch ich frage mich immer noch: Warum stürzt sich ein Feuerwehrmann in ein brennendes Haus, wenn dieser dabei sein eigenes Leben aufs Spiel setzt?

          Es braucht Liebe und Nähe

          Menschen sind soziale Wesen. Das zeigte ein umstrittenes Experiment an Säuglingen 1944 in den Vereinigten Staaten von Amerika - den Babys wurde nur das Nötigste geboten: Wickeln, Waschen, Nahrung und ein Schlafplatz. Wenn sie ohne Weiteres weinten, wurden sie nicht gekuschelt, um sie zu beruhigen. Über die Hälfte der körperlich gesunden Säuglinge verstarb nach Beendigung dieses Experiments. Diese Erkenntnis war eine Überraschung für mich. Denn bis ich erstmals von diesem Experiment hörte, glaubte ich, dass für den Menschen wie für eine Pflanze nur lebenserhaltende Dinge notwendig seien. Der Mensch ist also nicht nur von Wasser und Nahrung abhängig, sondern auch von Liebe und Nähe. Zumindest einfache Zuwendung ist wichtig, um gesund heranwachsen, gar überleben zu können.

          „Wird mir geholfen, wenn ich Hilfe brauche?“

          Viele Philosophen gehen von einem sogenannten Gewissen und einem tief sitzendem Gerechtigkeitssinn aus, welche die Handlungen vieler bestimmen. Diese Handlungen vermitteln uns schnell, was als Ungerechtigkeit gilt, besonders wenn es jemandem deutlich schlechter geht als anderen. Bei den meisten entsteht ein Drang, dieses Defizit auszugleichen und so gut es geht in dem Moment zu handeln. Darum  wird unterlassene Hilfeleistung allgemein als unmoralisch angesehen, gerade weil durch eine einfache Handlung, bspw. eines Passanten, Leben gerettet werden kann. Die American Psychological Association hat sich gefragt: „Wird mir geholfen, wenn ich Hilfe brauche?“. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sie zerstreuen die „weitverbreitete Angst, dass umstehende Personen (in Notsituationen) selten eingreifen“ würden.

          Ehrenamtler verbindet ebenso, mutig an Herausforderungen heranzugehen und selbst im kleinen Rahmen etwas zu bewirken. Die hohe Anerkennung des Ehrenamts kommt nicht von ungefähr: Sie rührt daher, dass es oftmals mit einer gewissen Aufopferung und Selbstlosigkeit in Verbindung gebracht wird. Nicht nur Ehrenamtler, sondern wir alle tragen diese Eigenschaften in uns.

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