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Gutenberg-Museum : Große Literatur, kleines Format

Fäustchen: Auch Goethes Tragödie ist schon platzsparend zum Buch geworden. Bild: Cornelia Sick

Im Magazin des Mainzer Gutenberg-Museums lagern mehr als 7000 Miniaturbücher: verpackt in Ledersäckchen, Blechdosen und Nussschalen.

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          Raum ist in der kleinsten Hütte – das wusste schon Friedrich von Schiller, der in seinem Gedicht „Der Jüngling vom Bache“ allerdings eher an ausreichend Platz „für ein glücklich liebendes Paar“ gedacht hat. Gleichwohl lässt sich diese Erkenntnis auch auf die Liebhaberstücke übertragen, die in einer wenngleich leicht zu übersehenden Ecke des Mainzer Gutenberg-Museums präsentiert werden. Dabei sind die bisher nur in drei Vitrinen im ersten Obergeschoss des Hauses am Liebfrauenplatz ausgestellten Miniaturbücher tatsächlich so klein, dass man eigentlich noch viel mehr davon zeigen könnte. Schließlich schlummern rund 7000 solcher „Spielereien“ im Magazin des Museum, das zum Preis von 60 000 Euro vor geraumer Zeit die Privatsammlung des 2008 verstorbenen Stuttgarters Heinz Müller erworben hat. Seitdem darf man sich im Weltmuseum der Druckkunst darüber freuen, „die weltweit vielfältigste und europaweit größte Miniaturbuch-Sammlung“ zu besitzen, wie die mit Sichtung und Pflege des Bestandes betraute Kunsthistorikerin Ulla Reske weiß.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Selbstverständlich werde daran gedacht, bei Gelegenheit weitere Schätze aus dem Lager in die Ausstellung zu holen. Allerdings sei dies ein Projekt, bei dem es vor allem um eine angemessene Präsentation gehe. Handele es sich doch um Bücher, bei denen die Seiten zum Teil mit der Pinzette umgeschlagen und die Texte mit der Lupe gelesen werden müssten. Andere Werke sind dagegen gänzlich ohne Schrift – etwa dann, wenn sich ein Buchbinder den Spaß gemacht hat, auf diese Art sein handwerkliches Geschick zu beweisen. Entsprechendes Arbeitsgerät wird im Mainzer Museum übrigens ebenfalls gezeigt, wie eine Miniatur-Heftlade, ein kleiner Schneidetisch und Bleilettern, also Drucktypen en miniature.

          „Eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt“

          Was genau ein Miniaturbuch ausmacht, ist festgelegt: Es handelt sich laut Definition dabei um Werke, deren Buchblock ein Format von maximal zehn mal zehn Zentimetern haben darf. Darüber hinaus sollte der Inhalt, in aller Regel, schon lesbar sein. Wenngleich die kleinen Exemplare in früheren Zeiten manchmal durchaus dafür gedacht waren, Geheimnisse aufzubewahren; oder aber von der Obrigkeit verbotene Schriften so unter die Leute zu bringen, dass sie notfalls leicht zu verstecken waren.

          Bisweilen ging es auch nur darum, die liebsten Gedichtbände oder erbauliche Gebetsbücher wie ein Schmuckstück an einer Kette oder im eigens dafür gefertigten Ledersäckchen direkt am Körper tragen zu können; allzumal, wenn der Besitzer zum Beispiel in den Krieg ziehen musste. Noch dazu findet sich in der Mainzer Sammlung jede Menge „große Literatur“, wenngleich im kleinen Format: darunter Faust I und II, in Druckbuchstaben handgeschrieben; wie selbstverständlich für diesen Ort aber auch eine Heilige Schrift von 1769 und eine Fassung des Koran. „Eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt“, sagt Reske und verweist auf eine ganze Reihe von Koch- und Wörterbüchern. Bekannt und weitverbreitet seien bis heute die Pons-Mini-Sprachbücher, die das erlaubte Format allerdings leicht überschreiten; und die in jede Hosentasche passenden Ausgaben der Langenscheidt-Lilliput-Reihe, die mit einer Größe von 57 mal 49 mal 20 Millimeter dagegen die Norm voll erfüllen.

          Kein Wunder, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Werbebranche den trendigen Kleinstartikeln verschrieben hat: Hinter dem „Augsburg Schächtele“ von 2003 verbirgt sich zum Beispiel ein bildreicher Stadtführer im Streichholzpackungsformat; eine Konservendose enthält nicht etwa leicht verderbliche Wurstware, sondern lange haltbaren Comic-Humor; und in einer Nussschale lassen sich, wie könnte es anders sein, Textzeilen aus dem Märchen „Das Nusszweiglein“ herauslösen. Im Gutenberg-Museum selbst, das jährlich rund 120 000 Besucher zählt, setzt man gleichfalls nicht erst seit gestern auf die Anziehungskraft frisch produzierter Minibücher, die zu den beliebtesten Geschenkartikeln im angeschlossenen Shop gehören. Schon zu Zeiten des Oberbürgermeisters Jockel Fuchs (SPD), der bis 1987 und insgesamt 22 Jahre lang Mainzer Rathauschef war, wurden gleich mehrere „kleinste Bücher der Welt“ als Merchandisingprodukte in Auftrag gegeben: darunter „Das Vaterunser“ und „Der Olympische Eid“ in jeweils sieben Sprachen. Seit dem Frühjahr gibt es als neueste Rarität die für 98 Euro angebotene Gutenberg-Bibel mit Goldprägung und im Schuber – als zweibändige Nachdruck des eintausendzweihundertzweiundachtzig Seiten zählenden Original-Shuckburgh-Exemplars.

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