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Patricia Andreae (cp.)

Hoher Zuschussbedarf : Gut investiert in öffentliche Schwimmbäder

In den vergangenen Wochen gut besucht: Opelbad in Wiesbaden Bild: Cornelia Sick

Die öffentliche Hand ist gut beraten, in Bäder zu investieren und den Schwimmunterricht zu fördern. Badegäste müssen im Zweifel bei Öffnungszeiten Abstriche machen. Hauptsache, es werden keine Bäder mehr geschlossen.

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          Was gibt es Schöneres an einem heißen Tag als ein erfrischendes Bad? Da das Rhein-Main-Gebiet nicht eben reich an Seen ist, ist das Freibad der beste Ort dafür. Die wochenlange Hitze hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Bäder für die Städter sind, um sich vor oder nach der Arbeit zu erfrischen oder Ferientage mit den Kindern zu verbringen.

          Entsprechend hoch sind die Besucherzahlen, und auch die Kassen sind etwas voller als in anderen Jahren. Dennoch bleibt es für die Kommunen ein teures Vergnügen. Selbst bei hoher Auslastung sind Schwimmbäder Zuschussbetriebe. Manche Kommune hat darum in den vergangenen Jahren Bäder geschlossen.

          Sechs bis 15 Euro muss die öffentliche Hand in Frankfurt je Freibad-Besuch drauflegen, das summiert sich zu Millionenbeträgen. Und selbst Besucherrekorde verringern den Zuschussbedarf kaum. Das Geld ist aber in jedem Fall gut angelegt. Schließlich ist Schwimmen gesund, gerade für eine Gesellschaft, in der Übergewicht und Bewegungsarmut von Kindern und Jugendlichen zu einem immer größeren Problem werden.

          Große Personalsorgen

          Und Schwimmen ist eine Kulturtechnik. Es reicht nicht zu beklagen, dass es in den Schulen nicht genügend Schwimmunterricht gibt. Das sollte dringend verbessert werden. Es muss darüber hinaus aber auch die Möglichkeit geben, das Erlernte anzuwenden. Wo ginge das besser als im Freibad? Dass dies für Kinder beispielsweise in Frankfurt durch die Ferienkarte oder den Frankfurt-Pass auch bei schmalem Budget erschwinglich ist, ist besonders erfreulich. Und man kann nur hoffen, dass die Möglichkeit eines günstigen Freibad-Besuchs mit der ganzen Familie viele davon abhält, Erfrischung in ungesicherten Gewässern zu suchen. Wie gefährlich das ist, haben in den vergangenen Wochen wieder einige Unglücke gezeigt. Die öffentliche Hand ist auch deshalb gut beraten, in Bäder zu investieren und den Schwimmunterricht zu fördern.

          Große Sorgen bereitet den Betreibern die Suche nach geeignetem Personal. Doch je mehr Jugendliche die Chance haben, schöne Erinnerungen im Freibad zu sammeln, desto mehr sehen dort vielleicht auch eine berufliche Perspektive. Allerdings wünschen sie sich Arbeitsplätze nicht nur für die Sommermonate. Geschicktes Personalmanagement und vielleicht neue Kooperationsmodelle sind da gefragt. Die Badegäste müssen einsehen, dass die Bäder ihre Öffnungszeiten nicht allzu flexibel dem Wetter und der Nachfrage anpassen können, auch wenn das wünschenswert wäre. Hauptsache, es werden keine Bäder mehr geschlossen.

          Rekordsommer sorgt für steigende Kosten in hessischen Freibädern

          Obwohl der Besucheransturm die hessischen Freibäder mehr Geld kostet als geplant, ziehen sie eine positive Zwischenbilanz. „Wir sind sehr froh über den tollen Sommer. Es gibt nichts besseres als volle Schwimmbäder“, sagte Frank Müller, Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe. Mehr 800000 Euro hätten die sieben Freibäder in der Mainmetropole bisher eingenommen - 66 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Bis Saisonende im Oktober soll die Million zum ersten Mal seit 2003 geknackt werden.

          Dem gegenüber stünden allerdings auch Mehrkosten von ungefähr 600.000 Euro. „Mit mehr Badegästen steigen auch die Kosten für Personal, Wasser-, Grünflächenreinigung und Müllentsorgung“, sagte Müller. Einige Mitarbeiter hätten über 100 Überstunden angesammelt. Der Betrieb von Freibädern sei in der Regel ein defizitäres Geschäft, sagte Müller. Damit die Eintrittspreise trotzdem bezahlbar bleiben, werden die Bäder daher mit 6 bis 14 Euro pro Badegast bezuschusst. (dpa)

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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