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Günstige Medikamente : Apotheken im Preiskampf

Bild: F.A.Z.

Nur selbständige Pharmazeuten dürfen in Deutschland eine Apotheke betreiben. Das Monopol der Apotheker bröckelt gleichwohl. Internet- und Pharmahändler mischen längst den Markt auf - über Drogerien und Partner-Apotheken.

          Nach wie vor gilt: Nur ein Apotheker darf in Deutschland eine Apotheke besitzen und maximal vier betreiben. Der Europäische Gerichtshof hat dieses Gesetz soeben bestätigt und damit Hoffnungen von Pharma- und Handelsunternehmen zunichtegemacht, eigene Apotheken-Ketten aufzubauen und groß in den stationären Verkauf von Medikamenten einzusteigen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Günstig einkaufen können Verbraucher trotzdem. Längst gibt es freiverkäufliche Arzneimittel wie auch rezeptpflichtige Medikamente nicht nur in der Apotheke um die Ecke, sondern auch bei der Versandapotheke im Internet, die mit Rabatten bis zu 50 Prozent wirbt. Günstiger sind Arzneimittel aber auch bei den Apotheken, die Partner von Versendern sind und mit einheitlicher Einrichtung und Logo wie Ketten auftreten. Dazu zählen etwa die Partner von Doc Morris und Easy.

          Auch die Drogeriemarktketten dm und Schlecker kooperieren mit Internet-Anbietern. Die Europa Apotheek Venlo ist dm-Partner, Vitalsana arbeitet mit Schlecker zusammen. Beide haben ihren Sitz in den Niederlanden.

          Setzt voll auf Discount: Easy-Apotheke in Kriftel

          Apotheken bilden Marketinggemeinschaften

          Schlecker hat bereits in jedem Drogeriemarkt eine Station, an der Kunden ihren Bestellschein oder ein Rezept in vorbereitete Umschläge abgeben und die Sendung, wenn sie nicht nach Hause geliefert werden soll, zwei Tage später bei Vorlage ihres Ausweises im Laden wieder abholen können - ähnlich wie beim Fotoservice. Konkurrent dm ist in Hessen noch nicht ganz so weit. Erst zum Sommer hin sollen in allen Filialen sogenannte Pharma-Punkte eingerichtet sein.

          Auch die Apothekenlandschaft ist bunter geworden. Einzelkämpfertum können sich nur noch die wenigsten Pharmazeuten leisten. Stattdessen schließen sie sich Marketinggemeinschaften wie Linda oder Vivesco an, hinter denen in der Regel Arzneimittel-Großhändler stehen. Mitglieder erhalten eine Kundenzeitschrift, ein eigenes Logo, Handzettel, Plakate und Schaufenster-Deko, mit denen Aktionen begleitet werden. Allein könnten sich viele Apotheker so etwas nicht leisten. 14 Linda-Apotheken etwa gibt es in Frankfurt und 87 Vivesco-Filialen im Rhein-Main-Gebiet. Gleichwohl düften nur aufmerksame Kunden solche Kooperationen bemerken.

          Grün statt Rot als Erkennungsfarbe

          Deutlich vom Erscheinungsbild her hebt sich die Doc-Morris-Apotheke am Gallileo an der Frankfurter Kaiserstraße von der klassischen Apotheke ab. Sie ist eine von zwei Partnerfilialen des niederländischen Versandhändlers in Hessen. Inhaberin Andrea Martini hat vor eineinhalb Jahren das rote Apotheken-“A“ gegen das grüne Doc-Morris-Kreuz ausgetauscht. Die Ladeneinrichtung ist, wie bei allen Doc-Morris-Partnern in Grün-Weiß gehalten. Mit farblich ähnlichem Standard-Konzept ist die Easy-Apotheke in Kriftel zu Anfang des Jahres an den Start gegangen. Sie setzt am Ortsrand bewusst auf das Prinzip Discount, das heißt auf günstige Mieten, eine praktische Ausstattung und den Verzicht auf teure Inneneinrichtung und Gratis-Zugaben wie Kundenmagazine und Proben, wie ein Unternehmenssprecher sagt. Die Kosten, die dadurch gespart würden, könnten direkt an den Kunden weitergegeben werden.

          Wie der Preisvergleich auf dieser Seite zeigt, sind die Partnerapotheken der Versender in der Tat günstiger als die beiden stationären Kollegen. Bei Doc Morris zahlt der Kunde für das Auffüllen der Reiseapotheke mit Mückenschutz, Tabletten gegen Durchfall, Reisekaugummi und anderen Mittelchen 35,67 Euro - und damit 7,50 Euro weniger als beim teuersten Anbieter, der Apotheke an der Hauptwache in Frankfurt (43,10 Euro). Easy ist rund fünf Euro günstiger.

          Auf Versandkosten achten

          Am meisten Geld spart der Kunde freilich bei der Bestellung im Internet. Die Differenz zwischen dem günstigsten Anbieter (Easy: 30,72 Euro) und dem teuersten beträgt rund zwölf Euro. Partner-Apotheken von Easy und Doc Morris haben mitunter mit dem Problem zu kämpfen, dass Kunden in der Apotheke dieselben Preise wie im Internet erwarten.

          Über Internetportale wie www.medipreis.de und www.medizinfuchs.de können Verbraucher die günstigsten Preise recherchieren. Die Preisvorteile machen jedoch hohe Versandkosten bei Einzelbestellungen wieder zunichte. Rezeptpflichtige Medikamente sind in der Regel versandkostenfrei. Als sichere Adressen gelten Anbieter mit verschlüsselter Verbindung, die am Kürzel „https“ zu erkennen sind.

          Vor schwarzen Schafen schützen soll seit kurzem auch ein neues Sicherheitslogo (Zeigefinger auf orangefarbenem Punkt) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information, kurz Dimdi, einer Behörde des Bundes. Dieses wird nur Versendern mit behördlicher Genehmigung für ihren Online-Auftritt zur Verfügung gestellt.

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