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Grundsteuer : Der Bürger zahlt die Zeche

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Die kleine Stadt Lorch im westlichen Teil des Rheingau-Taunus-Kreises ist von Weinbau und Tourismus geprägt (Archivbild). Bild: dpa

In der hessischen Stadt Lorch ist eine gewaltige Grundsteuererhöhung geplant, um den Etat auszugleichen. Wäre die Zusammenlegung mit anderen Städten eine Lösung?

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          Es ist wunderschön in Lorch. Die kleine Stadt im westlichen Teil des Rheingau-Taunus-Kreises ist von Weinbau und Tourismus geprägt. Die herrliche Lage direkt am Rhein ist nur eines der Pfunde, mit dem sie wuchern kann. Lorch gehört zum Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die Kommune mit ihren 3800 Einwohnern ist aber schlecht an das Rhein-Main-Gebiet angebunden. Wer mit dem Auto nach Wiesbaden oder Frankfurt fährt, braucht viel Zeit.

          Deutlich wird die ökonomisch nachteilige Lage bei einem Blick auf die Immobilienpreise und Mieten. Im Vergleich zu den boomenden Städten, die dichter an den Metropolen liegen, sind sie gering. Für die Lorcher Bürger bedeutet dies geringere Wohn- und wohl auch Lebenshaltungskosten. Es existiert keine Statistik, die ausweist, wie viele Lorcher die Mühen des täglichen Pendelns auf sich nehmen, weil sie im Gegenzug weniger Geld zum Wohnen ausgeben müssen, aber es wird sie geben.

          Strukturelles Problem

          Dieser Vorteil würde ihnen durch die gewaltige Grundsteuererhöhung, die nun geplant ist, zum Teil genommen. Hinzu kommt, dass die Stadt in der Vergangenheit offensichtlich schlecht gewirtschaftet hat und nach der Steuererhöhung den unrühmlichen Spitzenplatz in Hessen einnehmen wird. Eine Auszeichnung, auf die die Einwohner gerne verzichten würden. Wenn Lorchs Bürgermeister Ivo Reßler in seiner Haushaltsrede mitteilt, dass die Computer in der Stadtverwaltung auf dem Stand von vor zehn Jahren und nicht mehr sinnvoll nutzbar seien, verdeutlicht dies auch ein strukturelles Problem der Stadt, die sich noch immer unter dem Schutzschirm des Landes Hessen befindet.

          Langfristig wird sich daher die Frage stellen, ob es nicht allein aus finanziellen Gründen sinnvoll ist, die Eigenständigkeit aufzugeben. Das könnte Geld sparen. Offiziell möchten sich Lorcher Kommunalpolitiker dazu nicht positionieren, denn das Thema ist emotional aufgeladen. Bürgermeister Reßler ist nach eigener Aussage klar dagegen und will lieber Wirtschaft und Tourismus entwickeln. Im hessischen Innenministerium sollen allerdings schon Gespräche mit Reßler über eine Zusammenlegung mit anderen Städten geführt worden sein. Ob die Lorcher auf Dauer dagegen sind, wenn im Gegenzug ihre Steuerbelastung merklich reduziert würde, ist offen. Vielleicht sollte man sie einmal fragen, denn sie müssen die Zeche zahlen.

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