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Grünes Bauprojekt in Hessen : Die ersten 3,5 Kilometer Radschnellweg

Schneller auf zwei Rädern im Rhein-Main-Gebiet: Dafür soll die neue Express-Route zwischen Darmstadt und Frankfurt sorgen. Bild: Frank Röth

Der Radschnellweg zwischen Darmstadt und Frankfurt wird gebaut. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir will dabei auf ein strenges Regelwerk und Zuständigkeiten verzichten.

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          Mit dem Bau des ersten hessischen Radschnellwegs zwischen Frankfurt und Darmstadt wird in knapp einem Monat begonnen. Dann wird der Spatenstich für die ersten 3,5 Kilometer, die vom Egelsbacher Bahnhof bis zum Darmstädter Stadtteil Wixhausen führen werden, gesetzt. Die insgesamt 30 Kilometer lange Trasse verbindet sieben Kommunen miteinander; das sind neben den beiden Großstädten auch Neu-Isenburg, Dreieich, Langen, Egelsbach und Erzhausen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Express-Route soll insbesondere für viele Pendler in der Rhein-Main-Region ein attraktives Angebot sein, um vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen und den täglichen Stau auf Straßen und Autobahnen hinter sich zu lassen. 2022 soll die Direktverbindung fertig sein.

          „Sie sind heute Zeuge einer historischen Veranstaltung“, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) bei einer ersten Informationsveranstaltung zum Radschnellweg-Projekt in Langen. Dabei verwies er nicht nur darauf, dass die Trasse die erste in Hessen sein wird, sondern auch auf das ungeheure Tempo, das für dieses interkommunale Projekt an den Tag gelegt wurde.

          Anfangs nur eine Träumerei

          Angestoßen vom Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main und der damaligen Erste Beigeordneten Birgit Simon (Die Grünen), beauftragten die sieben Kommunen Anfang 2014 gemeinsam eine Machbarkeitsstudie. Ende 2016 erhielt die Regionalparkgesellschaft Südwest mit ihrem Geschäftsführer, dem Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel (SPD), den Auftrag, die Route zu planen und zu bauen. Die Gesellschaft, die für 250 Kilometer Regionalpark-Wege zuständig ist, verfüge über ausreichend Erfahrung, hieß es damals.

          Express für Radler: Die geplante Route bei Egelsbach.

          Schließlich musste für die Trassenführung mit Naturschutz, Forst, Wasserbehörden, Radfahrverbänden, Kommunen und Bürgern sowie mit der Deutschen Bahn verhandelt werden, schließlich soll ein Großteil der durchweg vier Meter breiten Schnellstrecke parallel zu den Gleisen verlaufen. Die Kosten für den ersten Radschnellweg kann Ockel noch nicht beziffern, der erste Abschnitt wird 3,5 Millionen Euro kosten, auch weil in Egelsbach eine Ampelkreuzung zum Kreisel wird.

          Al-Wazir erinnerte sich gestern, wie dieSchnellroute anfangs als Träumerei abgetan worden sei. Heute werde er dagegen gefragt, wann es denn endlich losgehe. Fast vergessen seien auch die zum Teil sehr kontroversen Debatten in den Kommunen.

          Ortskundige „Kümmerer“ gesucht

          In Frankfurt hatte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) sich bis vor kurzem gegen eine durchgängige Beleuchtung im Stadtwald gewehrt. Nun sollen mit Bewegungsmeldern ausgestattete LED-Leuchten installiert werden. Man sei auch „auf gutem Weg“, sagte Al-Wazir, dass es auf der gesamten Strecke – also auch im Wald – asphaltierte Wege geben werde. „Alles andere ist Quatsch.“

          In einer wachsenden Region wie Rhein-Main könne man nicht Mobilität organisieren wie in der Vergangenheit, sagte Al-Wazir. Allen Unternehmen, die in Radprojekten eine Konkurrenz zum Auto sähen, gebe er den Hinweis, dass sie künftig ihre Kunden nur noch mit dem Auto erreichen könnten, wenn andere aufs Rad sowie auf Busse und Bahnen umstiegen.

          Das Land übernimmt bei Radschnellwegen bis zu 70 Prozent der Baukosten und die Hälfte der Kosten für Machbarkeitsstudien. Eine vollständige Kostenübernahme gebe es mit ihm nicht, sagte Al-Wazir. Er wolle, dass sich ortskundige „Kümmerer“ fänden und nicht alles an Landesbehörden delegiert werde. Eine niederländische Expertin habe ihm mit Blick auf die neue Radschnellwege ohnehin geraten, einfach einmal etwas auszuprobieren, ohne strenges Regelwerk und Zuständigkeiten.

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