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Grüner Veltliner im Rheingau : Der Wein, der zum Riesling passt

  • -Aktualisiert am

Es muss nicht immer Riesling sein: Im Rheingau experimentieren Winzer nun auch mit Grünem Veltliner Bild: ddp

Wenn Winzer von den Nachbarn lernen: Der Grüne Veltliner ist eine typisch österreichische Rebsorte. Hierzulande pflanzen sie nur wenige an: mit gutem Ergebnis.

          „In der Umgegend von Heidelberg, zumal auf der Ebene, wird der Balteliner häufig gebaut und vielen anderen Varietäten vorgezogen. Er gibt daselbst, wenn er vollkommen reif wird, sehr vielen und guten Wein.“ 1827 veröffentlichte der Heidelberger Hofgärtner Johann Metzger sein Buch „Der rheinische Weinbau in theoretischer und praktischer Beziehung“. Den Grünen Balteliner beschreibt er darin als Variante einer Sorte, die bei Oppenheim, Worms, im Rheingau, an der Bergstraße und vielen anderen Orten verbreitet sei. Bei Pforzheim nenne man sie Veltleiner.

          Dort gibt es den duftigen, würzigen Wein, der daraus wird, heute nicht mehr, dafür umso mehr davon in Österreich. Der Grüne Veltliner gehört seit den fünfziger Jahren zur Alpenrepublik wie Mozart und die Wiener Sängerknaben. 37 Prozent der gesamten Rebfläche Österreichs waren 1999 mit dieser Rebsorte bepflanzt. Nun kehrt sie an die Hänge des Rheins zurück.

          Aromatische Ergänzung zum Riesling

          Ferdinand Koegler, schulterlange Haare, Vollbart und modische Brille, sitzt im großzügigen Garten seines Eltviller Weingutes. Alte Bäume spenden Schatten, Kirchenglocken läuten. Der Winzer, 38 Jahre alt, Absolvent der Weinbau-Fachhochschule Geisenheim, übernahm 1999 das Gut von seinem Vater. Koegler ist ein international orientierter Mann, reist oft in die Vereinigten Staaten und zu Messen nach China. Das hübsche Hotel Hof Bechtermünz, das zum Weingut gehört, beherbergt Gäste aus aller Welt.

          Wird auch von Kennern geschätzt: Veltliner aus dem Rheingau

          Seit 1899 produzierte das Weingut Koegler fast ausschließlich Riesling. Der neue Chef suchte im Jahr 2001 nach einer Sorte, mit der er den Rheingau-Klassiker aromatisch ergänzen und sein Sortiment erweitern konnte. Gäste und Kunden hätten immer wieder nach einem säureärmeren Wein als dem Riesling gefragt, sagt Koegler. „Chardonnay kam nicht in Frage. Der passte nicht zu uns.“ Auch wollte er nicht „den hunderttausendsten Sauvignon Blanc“ anbauen, „Der wird in Südafrika ganz hervorragend, aber nicht hier.“

          Beim Besuch befreundeter Winzer in Österreich kam ihm die Idee: Warum nicht Grüner Veltliner? Ein kräftiger und aromatischer Wein, mit schönen Fruchtnoten, wenig Säure und immer ein klein wenig Pfeffer auf der Zunge. „Mit Riesling ergänzt sich dieses Geschmacksprofil ganz hervorragend. Manchmal liegt das Gute so nahe“, meint Koegler. Und erinnert sich an Erzählungen seines Vaters: Vor dem Zweiten Weltkrieg sei der traditionelle Rheingauer Hauswein, „Bubbes“ genannt, aus verschiedenen, in einem Hang stehenden Rebsorten gekeltert worden – der Grüne Veltliner habe ganz selbstverständlich dazugehört. Koegler besorgte sich also Reben und bepflanzte zunächst einen halben Hektar in einer Parzelle der bekannten Lage Kiedricher Sandgrub.

          Auch Oliver Kahn schätzt Veltliner aus dem Rheingau

          Der Veltliner entwickelte sich prächtig. „Wir haben zum Teil bis zu 80 Prozent des Ertrags herausgeschnitten, so dick waren die Trauben“, erinnert sich Koegler. Die ersten Ergebnisse überzeugten ihn, mittlerweile hat er die Anbaufläche auf knapp zwei Hektar erweitert. „Damit sind wir der größte deutsche Grüner-Veltliner-Produzent“, sagt er und lacht. Er baut ihn in zwei Varianten aus: als leichten Wein aus dem Stahltank mit zwölf Prozent Alkohol, die er für unter zehn Euro verkauft, und in einer Version aus dem 500-Liter-Holzfass mit 13,5 Prozent für deutlich unter 20 Euro.

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