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Grünen-Politiker Wagner : „Für uns Grüne ist alles drin“

Will über Inhalte reden: Mathias Wagner ist seit 2014 Fraktionsvorsitzender der Grünen im Hessischen Landtag Bild: Samira Schulz

Der hessische Grünen-Politiker Mathias Wagner spricht im Interview über das Auswechseln von Kanzlerkandidaten, Windräder und das Verhältnis seiner Partei zur Opposition.

          4 Min.

          Mathias Wagner ist seit 2014 Fraktionsvorsitzender der Grünen im Hessischen Landtag. Er wurde 1974 in Frankfurt geboren und wuchs in Friedrichsdorf im Hochtaunuskreis auf. Nach dem Zivildienst studierte er Politikwissenschaften, 1995 wurde er Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. In Bonn und in Berlin arbeitete Wagner als Referent von Bundestagsabgeordneten. 2003 zog er zum ersten Mal in den Landtag in Wiesbaden ein. Von 2003 bis 2005 war er dort Sprecher seiner Fraktion für Finanzen, Verkehr und Landesentwicklung, von 2005 bis 2018 bildungspolitischer Sprecher. Im Jahr 2008 wurde Wagner zudem Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, sechs Jahre später übernahm er das Amt des Fraktionsvorsitzenden.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Herr Wagner, Boris Rhein hat als Parteipolitiker der CDU sich kürzlich in einem Interview der F.A.Z. über Ihre Partei beklagt. 2016 habe die Union den Grünen in Frankfurt die Hand gereicht, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in der Römerkoalition zu bleiben. Nach den Kommunalwahlen im März aber hätten die Grünen die CDU ohne Not aus der Stadtregierung herausgedrängt. Ist Rhein naiv, wenn er Dankbarkeit als politische Kategorie betrachtet?

          Nein, er ist natürlich nicht naiv und ein hervorragender Parlamentspräsident. Aber man muss nach jeder Wahl sehen, welche Koalitionen tatsächlich inhaltlich funktionieren. Und die Frankfurter Grünen sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es diesmal eine andere Koalition ist als die mit der Union. Nicht mehr und nicht weniger.

          Sie sind auch Kreisvorsitzender der Wiesbadener Grünen und sollen dort in den Gesprächen nach den Kommunalwahlen ziemlich robust aufgetreten sein.

          Dieses Gerücht kenne ich nicht. Mir haben alle Gesprächspartner gesagt, dass der Austausch sehr angenehm, respektvoll und an der Sache orientiert gewesen sei.

          Sie haben eine Absage der FDP kassiert, und eine Lösung gibt es bis heute nicht.

          Ja, Grüne und SPD hatten die FDP eingeladen, gemeinsam in eine Ampelkoalition zu gehen. Aber sie hat das Angebot leider nicht angenommen, obwohl es in der Stadt aus meiner Sicht eine hinreichende inhaltliche Basis gäbe. Dasselbe gilt übrigens auch für ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen.

          Wie geht die Entwicklung in Wiesbaden nun weiter?

          Ich glaube, dass vor der Bundestagswahl gar nichts mehr passiert, und hoffe, dass man danach oder Anfang des nächsten Jahres noch einmal neu ins Gespräch kommen kann.

          Im Landtag ist die Wahlperiode zur Hälfte vorüber. In Ihrer Zwischenbilanz fiel der beinahe schon ätzende Ton auf, mit dem Sie die Opposition behandelt haben. Müssen wir uns an diese Tonlage gewöhnen?

          So, wie es in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Und wir mussten in den vergangenen zweieinhalb Jahren leider feststellen, dass vonseiten der Opposition selten eine inhaltliche Debatte gepflegt wird und man sich in einem wenig gewählten Ton mit der Landespolitik beschäftigt. Da fand ich es legitim, dass man zumindest einmal auch mit gleicher Münze zurückzahlt.

          Im Hinblick auf die Umfrageergebnisse der SPD haben Sie sich ja weit aus dem Fenster gelehnt. Wie erklären Sie jetzt die enormen Zugewinne der Sozialdemokraten in den Umfragen?

          Wir haben, wie das aktuelle ZDF-Politbarometer erneut zeigt, drei in etwa gleich starke Parteien. Und wenn Sie mir vor der vergangenen Bundestagswahl gesagt hätten, dass Grüne, CDU und SPD ungefähr gleichauf liegen, hätte ich das nicht geglaubt. Das zeigt, dass bei dieser Bundestagswahl für uns Grüne alles drin ist. Es kommt jetzt auf den Schlussspurt an.

          Zurück zur Frage: Was glauben Sie, warum ist die SPD in den Umfragen jetzt so stark geworden?

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