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Initiative von Angehörigen : Grimm-Denkmal in Hanau ohne Bilder von Anschlagsopfern

Mahnmal auf Zeit: Bisher dient das Denkmal auf dem Marktplatz als provisorische Gedenkstätte. Bild: Lucas Bäuml

Seit Monaten dient das Brüder-Grimm-Denkmal in der Hanauer Innenstadt mit Fotos der Opfer des Anschlags vom 19. Februar 2020 als Gedenkort. In gut zwei Wochen werden die Bilder entfernt.

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          Blumensträuße, Kerzen und Bilder der am 19. Februar getöteten neun Terroropfer erinnern seit dem rassistischen Anschlag zu Füßen der Brüder Grimm an das schreckliche Geschehen in der Nacht, als der Attentäter wahllos Menschen mit Migrationshintergrund tötete. Als zentraler Ort der Innenstadt und wegen der Bedeutung der Brüder Grimm für den Freiheits- und Demokratiegedanken wurde das Nationaldenkmal automatisch zur Gedenkstätte, an der die Hanauer und die Angehörigen der Opfer ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Ein halbes Jahr nach dem Attentat richtete die Stadt die Stätte gemeinsam mit Angehörigen der Opfer neu her. Neun große Fotos in gleichem Format und Design ersetzten die vielen kleineren Bilder, außerdem wurde ein einheitlicher Blumenschmuck aufgestellt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die Stadt werde niemals ohne Zustimmung der Angehörigen von sich aus die Gedenkobjekte am Denkmal entfernen, versprach Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) damals und verwies zugleich auf die Planungen für ein künftiges zentrales Mahnmal, das die spontan entstandene Gedenkstätte ersetzen könnte. Heute, gut ein Jahr nach dem Terrorakt, werden vermehrt Stimmen aus der Bürgerschaft laut, die eine Entkleidung des Brüder-Grimm-Denkmals als Gedenkstätte für das Attentat wünschen. Es stehe in keinem Zusammenhang mit dem Terrorakt, lautet ein Argument dafür. Diese Botschaft ist bei der Gruppe der neun Angehörigenfamilien, die in regelmäßigem Kontakt mit dem Oberbürgermeister und der Stadt stehen, angekommen. In einem offenen Brief an die Stadtgesellschaft kündigen sie an, die inoffizielle Gedenkstätte am Brüder-Grimm-Denkmal abzuräumen. Bis zum 19. März, dem Jahrestag der Zerstörung Hanaus im Bombenkrieg, sollen Fotos und Blumen entfernt sein. „Für uns als Familien geht der Blick nach vorne. Der 19.03. ist jeher für die Stadt Hanau von großer historischer Bedeutung, so wie für uns auch jeder 19. des Kalenders von trauriger persönlicher Wichtigkeit ist. Wir denken, dass dieses Datum der richtige Zeitpunkt ist, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Wir werden dann die Bilder unserer Kinder, Brüder und Schwester vom Brüder-Grimm Denkmal entfernen“, heißt es in dem Schreiben.

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