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Griff in Rücklagen : Naspa verliert 42 Millionen mit Lehman-Papieren

Hat 2008 ein Ergebnis von Null erwirtschaftet: Nassauische Sparkasse Bild: Michael Kretzer

Die Nassauische Sparkasse hat zum wiederholten Mal einen Verlust nur durch einen Griff in die Rücklagen vermeiden können. Faule Wertpapiere haben das Wiesbadener Haus Millionen gekostet.

          3 Min.

          Die Finanzkrise hat der Nassauischen Sparkasse, die ohnedies seit Jahren schwächelt, das Ergebnis 2008 beträchtlich verhagelt. Nur unter Mühen gelang es dem Vorstand, wie 2007 ein Ergebnis von Null vorzulegen – freilich lediglich im Einzelabschluss nach dem Handelsgesetzbuch. Den Konzernabschluss hat die Naspa anders als in früheren Jahren bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag nicht vorgelegt; er muss noch vom Verwaltungsrat genehmigt werden. In die Gewinn- und Verlustrechnung des Konzernabschlusses wäre auch das Ergebnis der Naspa-Tochtergesellschaft in Dublin eingearbeitet, die nach einer Randbemerkung im Geschäftsbericht im vergangenen Jahr einen Verlust von 14,8 Millionen Euro ausgewiesen hat.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Wie es hieß, entstand dieses Minus durch ein Engagement bei den Lehman Brothers. Dass das Kreditinstitut Geld bei der inzwischen insolventen Investmentbank in Amerika angelegt und nach Lage der Dinge weitgehend verloren hat, prägt aber auch den Abschluss der Wiesbadener Sparkasse selbst. Dort gingen durch die Lehman-Pleite 27 Millionen Euro verloren, weitere zehn Millionen mussten bei der IKB abgeschrieben werden, sieben Millionen wegen Engagements in Island, wie der Vorstandsvorsitzende Stephan Ziegler berichtete. Unterm Strich hat die Naspa mithin durch die Lehman-Pleite 42 Millionen eingebüßt, alles in allem durch das dortige Engagement sowie in Island und bei der IKB 59 Millionen.

          Immobilie in Frankfurt verkauft

          Dies konnte das Kreditinstitut bei weitem nicht durch das laufende Geschäft ausgleichen. Der Rückgang des Betriebsergebnisses vor Bewertung wäre sogar noch höher ausgefallen, wäre nicht bei den Erträgen der Verkauf des Hauses neben der Katharinenkirche in Frankfurt enthalten, in dem die Naspa eine Filiale unterhält. Die Höhe des Verkaufspreises nannte die Sparkasse nicht. Weil der Preis jedoch über dem Buchwert lag, musste die Naspa Steuern in Millionenhöhe zahlen, wie es hießt. Um angesichts all der Belastungen als Jahresergebnis zumindest eine Null ausweisen zu können, wurden den Vorsorgereserven 27 Millionen Euro entnommen, wie Ziegler am erläuterte.

          Zudem hat der Vorstand zwei Gestaltungsmöglichkeiten genutzt, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Zum einen wurde bei denjenigen Wertpapieren, die die Bank hält und bei denen sie glaubt, dass die Kurse wieder steigen, das sogenannte „gemilderte“ Niederstwertprinzip angewendet. Abschreibungen in Höhe von 17,6 Millionen Euro blieben dadurch aus. Zum anderen verzichtete sie darauf, Pensionsrückstellungen in Höhe von 17 Millionen Euro zu bilden. Dem steht aber gegenüber, dass für einen beschlossenen Stellenabbau 10,8 Millionen Euro bei den Personalkosten anfielen, zum Beispiel für Abfindungen.

          Ohne den Griff in die Reserven und die Nutzung von Möglichkeiten, die Bilanzierungsvorschriften zulassen, hätte die Naspa mithin für das Einzelinstitut einen Millionenverlust ausweisen müssen. Inzwischen ist dem Kreditinstitut insofern geholfen worden, als ihr der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen die Tochtergesellschaft in Dublin abgekauft hat. Dort hatte die Naspa ihr – für eine Sparkasse unüblich großes – Kapitalmarktgeschäft gebündelt. Allerdings ist das Risiko der Verbands insofern begrenzt, als er lediglich für Verluste von bis zu 100 Millionen Euro einsteht. Die Naspa Dublin verwaltet 4,2 Milliarden Euro.

          Personalabbau über Fluktuation

          Ziegler meinte am Donnerstag, angesichts der Finanzkrise habe sich das Haus achtbar geschlagen. Er erwähnte namentlich, dass sich die Risikovorsorge im Kreditgeschäft auf niedrigem Niveau stabilisiert habe. Die Kosten seien „im Rahmen des Machbaren“ gemanagt worden. Dazu zählt er auch die Neuregelung der Altersvorsorge, über deren hohe Kosten er vor Jahresfrist geklagt hatte. Unzufrieden zeigte er sich einerseits mit dem Bewertungsergebnis im Wertpapiergeschäft, andererseits mit dem Verhältnis der Kosten zu den Erträgen. Die Naspa musste 78 Cent in die Hand nehmen, um einen Euro zu erwirtschaften. Der Sparkassenverband hatte einmal vorgegeben, dieser Wert solle unter 60 Cent liegen.

          Der Personalabbau soll, wie Ziegler andeutete, mit der üblichen Fluktuation vorangehen – von Filialschließungen wollte er nicht sprechen. In das neue Jahr sei die Naspa gut gestartet – eine Ergebnisprognose wolle er nicht wagen. Dem Geschäftsbericht zufolge ist Bertram Theilacker mit Wirkung zum 1. Mai zum ordentlichen Vorstandsmitglied berufen worden, er war über Jahre hinweg nur stellvertretendes Mitglied gewesen.

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