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Glauburg : Kelten-Wachmann leugnete Holocaust

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Wurde von zwei mutmaßlichen Neonazis bewacht: der Keltenfürst vom Glauberg Bild: Michael Kretzer

Der Einsatz zweier mutmaßlicher NPD-Anhänger als Wachmänner im neuen Keltenmuseum am Glauberg sorgte für helle Aufregung. Die Panne bei der Eröffnungsfeier hätte verhindert werden können: Es gab schon vorher Hinweise auf die rechtsextreme Gesinnung der Männer.

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          Die Panne bei der Eröffnung des Keltenmuseums am Glauberg hätte verhindert werden können. Für Aufregung hatte der Einsatz zweier mutmaßlicher NPD-Anhänger als Wachmänner bei der feierlichen Veranstaltung vergangenen Donnerstag gesorgt, nun berichtete Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), dass der Museumsleitung schon zuvor Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung eines der Männer vorgelegen hätten. Dieser habe schon Tage zuvor in dem Museum den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden geleugnet. Bei Aufbauarbeiten habe dies ein Mitarbeiter gehört und Museumsleiterin Katharina Kurzynski gemeldet.

          Dennoch versahen die beiden Wachmänner ihren Dienst bei der Eröffnungsfeier. Kühne-Hörmann berichtete, sie habe erst bei der Feier am Donnerstag vor Ort von einem Journalisten von Anwesenheit und Gesinnung der beiden Wachmänner erfahren, diese seien dann sofort abgezogen worden. Von der Leugnung des Holocaust habe das Ministerium erst am Sonntag darauf über Umwege erfahren und inzwischen die Staatsanwaltschaft Gießen informiert.

          Vorwurf der Volksverhetzung

          Sprecherin Ute Sehlbach-Schellenberg bestätigte auf Anfrage den Eingang einer Strafanzeige. Der Vorwurf laute Volksverhetzung, darauf stehe eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Die Museumsleiterin war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

          Kühne-Hörmann sagte, sie prüfe arbeitsrechtliche Schritte gegen die Frau. Damit solle gewährleistet werden, dass künftig bei solchen Vorfällen unmittelbar reagiert werde. Wäre die Holocaust-Leugnung bereits am Montag vergangener Woche bekanntgeworden, wäre es zu dem Vorfall bei der Feier einige Tage später gar nicht gekommen. Die beiden Männer waren laut Ministerium bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt.

          „Kulturgüter dürfen nicht von Neonazis bewacht werden“

          Die heidnischen Kelten werden von zahlreichen Neonazis verehrt. Kühne-Hörmann sagte, sie lasse prüfen, wie solche Vorfälle künftig verhindert werden könnten. Es stehe „völlig außer Frage, dass Kulturgüter nicht von Neonazis bewacht“ werden dürften. Die Ministerin wiederholte ihre Einschätzung, dass die private Firma für die Überprüfung ihrer Beschäftigten zuständig gewesen wäre. Für die beiden Männer bestehe weiterhin Hausverbot.

          Die Grünen-Abgeordnete Sarah Sorge sagte, es stelle sich die Frage, warum die Museumsleiterin nicht sofort ein Hausverbot verhängt habe. Abgeordnete der anderen Fraktionen forderten zudem ein gemeinsames Engagement gegen Bestrebungen der Nazi-Szene, die Keltenforschung zu vereinnahmen. Die SPD-Fraktion hatte Kühne-Hörmann mehrere Fragen zu dem Vorfall vorgelegt und auf Antwort in der Ausschusssitzung gedrungen.

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