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Getränkeindustrie : Schlappeseppels Jubiläum fällt aus

  • Aktualisiert am

Zeitlos: Flasche ohne Jahreszahl Bild: Dieter Rüchel

Angeblich wurde die Brauerei in Aschaffenburg, die „Schlappeseppel“ herstellt, 1631 gegründet. Doch die Jubiläumsfeier fällt aus. Die Geschichte hat einen Haken.

          „Man schreibt das Jahr 1631. König Gustav Adolf von Schweden nimmt Aschaffenburg ein. Während im Schloß Johannisburg die Vorbereitungen für die königliche Hofhaltung getroffen werden, muß man feststellen: In den Fässern ist kein einziger Tropfen Bier. Mitten im Dreißigjährigen Krieg sind auch die letzten Quellen versiegt. Rasch ist ein Heermann gefunden, der die Kunst des Brauens versteht. Von höchster Stelle erhält er die Order, für seine Majestät zu brauen. Soldat Josef Lögler, wegen seines lahmen Fußes ,der schlappe Seppel' genannt, löst seine Aufgabe meisterhaft.

          Das Schlappeseppel ist geboren.“ Mit diesem Text wirbt die Großostheimer Brauerei Eder und Heyland's für ihre bekannteste Biermarke und das zum Kultobjekt avancierte gleichnamige Gasthaus gegenüber dem Schloß. In diesem Sommer wollte sie eine große 375-Jahr-Feier ausrichten. Doch das Jubiläum findet nicht statt. Die Familie Eder räumt freimütig ein, daß die Geschichte nicht stimmt.

          Erfundene Geburtsstunde

          Mehr noch: Die Flaschenetiketten mit dem Aufdruck „Seit 1631“ werden zwar noch aufgeklebt, solange der Vorrat reicht. Aber es sind auch schon neue im Umlauf - ohne die falsche Jahreszahl. Daß die Erzählung zu schön war, um wahr zu sein, ist in Aschaffenburg keine neue Erkenntnis. So konnte beispielsweise der heutige Schulleiter und Ratsherr Walter Roth (SPD) schon im Jahr 1971 in seiner Zulassungsarbeit für das Lehramt an Volksschulen über „Die Entwicklung des Aschaffenburger Brauwesens“ auf ältere Forschungen zurückgreifen, als er „diese zweifellos recht nette Geschichte“ eine „historische Anekdote“ nannte.

          In letzter Minute verhindert hat das Jubiläum allerdings der Stadtarchivar Hans-Bernd Spies. Er betrachtet die angebliche Geburtsstunde der Traditionsbrauerei im Jahr 1631 als eine „Erfindung“. Demnach haben die Schweden die Stadt eingenommen. Punkt. Kein Josef Lögler, kein Schlappeseppel, kein Brauhaus und schon gar nicht das älteste der Stadt. Der promovierte Historiker, dessen Interpretationen zur Geschichte des Schlosses als höchst eigenwillig gelten, hat in diesem Fall gewichtige Argumente auf seiner Seite und in monatelangen Diskussionen derart eindeutige Dokumente vorgelegt, daß er am Ende auch die Familie Eder überzeugen konnte.

          Bedienung in Hausschuhen

          So hat er zweifelsfrei belegt, daß das Grundstück an der Schloßgasse, auf dem die Gaststätte heute steht, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Garten war. Erst 1803 entstand hier ein Brauhaus, dem Kurfürst Dalberg im selben Jahr die Rechte zur Ausübung des Handwerks verlieh. Die „Steigerwaldsche Brauerei“ ist im Adreßbuch von 1925 erstmals mit einem wichtigen Zusatz aufgeführt: „Wirtschaft zum Schlappeseppel“.

          Die Erklärung für die tatsächliche Herkunft des Namens, die der Stadtarchivar anbieten kann, ist alles andere als königlich: Es könne sein, daß der Wirt Josef Steigerwald die Gäste in seinem Lokal in Hausschuhen, sogenannten Schlappen, bedient habe. 1803 sei als das Entstehungsjahr des Brauhauses über einen langen Zeitraum hinweg nicht strittig gewesen, sagt Spies. So habe man 1953 das 150. Jubiläum gefeiert. Danach sei die Geschichte von dem fußkranken Soldaten, der zum genialen Braumeister aufstieg, frei erfunden worden.

          Die Familien Oskar und Fritz Eder trifft dieser Vorwurf nicht. Sie übernahmen die Marke „Schlappeseppel“ gleichsam im Paket, als sie 1997 das Unternehmen Heyland's kauften. Ein Jubiläum, das nicht verbürgt sei, werde man nicht begehen, sagt Friedbert Eder und gibt sich entspannt. Grund zu feiern habe man trotzdem. Denn das Bier verkaufe sich ganz prächtig.

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