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Gesundheit : Viele Ärzte wollen Kollegen einstellen

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Viele Ärzte wollen die neuen gesetzlichen Möglichkeiten nutzen und in ihren Praxen Kollegen anderer Fachrichtungen anstellen. Manche Praxis könnte sich so vergrößern.

          Die Altersgrenzen für Kassenärzte sind seit Anfang des Jahres gelockert worden. So dürfen sich in unterversorgten Gebieten jetzt Ärzte erstmals auch dann noch niederlassen, wenn sie älter als 55 Jahre sind; wer 68 Jahre alt ist, muss seine Praxis nicht mehr unbedingt schließen. In Hessen freilich mag sich mancher Arzt über diese Neuerung zu früh gefreut haben. Denn nach Auskunft von Michael Steinbring, dem stellvertretenden juristischen Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, gibt es in diesem Bundesland nach den Bundesplanungsrichtlinien keine Unterversorgung.

          Gleichwohl haben die niedergelassenen Ärzte mit Jahresbeginn neue Freiheiten, die sich auch in Hessen auswirken werden. Denn das Gesetz erlaubt es jetzt, dass Ärzte auch Kollegen anderer Fachgebiete in ihrer Praxis einstellen können. Bisher war dies lediglich für zulassungsgesperrte Gebiete im sogenannten Job-Sharing erlaubt - und selbst dann nur unter Ärzten gleicher Fachrichtung.

          Reiz einer Anstellung

          Aufgrund der neuen gesetzlichen Möglichkeiten könnte es nun in den nächsten Jahren zu einer Zentrierung großer leistungsfähiger Praxen und der Schließung kleinerer kommen. Denn der Reiz einer Anstellung mag vor allem für manchen niedergelassenen Arzt in finanziellen Nöten groß sein, entkommt er so doch dem wirtschaftlichen Risiko der Freiberuflichkeit.

          Wie Steinbring berichtet, liegen schon zahlreiche Anfragen von Fachärzten aus Hessen vor, darunter insbesondere Chirurgen und Augenärzte, die Anästhesisten anstellen wollen. Allerdings habe die KV weiterhin die Verantwortung dafür, dass die ärztliche Grundversorgung flächendeckend gewährleistet bleibe. Ein gemeinsamer Ausschuss von KV und Krankenkassen werde daher Ende des Monats erstmals über solche Anträge entscheiden müssen.

          In Wiesbaden beispielsweise gibt es laut Bedarfsplanung in fast allen Fachrichtungen genügend Ärzte. Wenn dort also ein Radiologe etwa einen niedergelassenen Internisten anstellten möchte, muss der Internist bereits einen Kassenarztsitz haben und diesen quasi in die andere Praxis mit einbringen.

          Frankfurt ist mit niedergelassenen Ärzten gut versorgt

          Dieser Radiologe jedoch kann keinen Internisten zum Beispiel aus der Uniklinik Mainz anstellen, der eben keine Zulassung als Kassenarzt in Wiesbaden hat. Denn in sogenannten gesperrten Gebieten darf sich die Anzahl bestimmter Ärzte nicht erhöhen. Auch Frankfurt ist zwar gut versorgt mit niedergelassenen Ärzten, doch sind dort noch einige Hausarztsitze frei, das heißt, ein Kardiologe beispielsweise könnte sich einen Hausarzt anstellen. In ländlichen Regionen werden es Ärzte grundsätzlich mit der Einstellung von Kollegen leichter haben, so in Groß-Gerau, wo noch Kassenarztsitze für Haut- und Kinderärzte frei sind.

          Andere Ärzte überlegen derzeit, ob sie sich zu einer Gemeinschaftspraxis zusammenschließen sollen. Denn laut Vertragsrecht ist das jetzt auch möglich, wenn die niedergelassenen Ärzte zu unterschiedlichen Kassenärztlichen Vereinigungen gehören. Ein Kardiologe aus Wiesbaden, der bisher alle Leistungen mit der KV Hessen abrechnete, kann somit beispielsweise mit einem Allgemeinarzt aus Mainz zusammenarbeiten, der bisher zwangsläufig der KV Rheinland-Pfalz zugeordnet war.

          Nach Auskunft von Steinbring rechnen diese Kollegen dann gemeinsam ab und wählen, welcher KV sie angehören wollen. Entschieden sie sich für Rheinland-Pfalz, so entfielen die in Hessen üblichen Einzahlungen in die Altersversorgung von zirka fünf Prozent des Honorars.

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