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Gesundheit : Kassenärzte klagen über Arzneimittelbudgets

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Patienten müssen sich auf weitere Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung einstellen. Die Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen meint, daß 2005 weniger hochwertige Medikamente verschreiben werden.

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          Patienten müssen sich auf weitere Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung einstellen. Die Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen, Margita Bert, prognostiziert, daß ihre Kollegen unter dem Druck des Arznei- und Heilmittelbudgets im neuen Jahr weniger hochwertige Medikamente verschreiben werden. Die Ausgabendeckelung zwinge dazu, bei wirkungsgleichen Mitteln das jeweils preiswertere zu verschreiben. Allerdings sei die Verträglichkeit der Medikamente oft individuell verschieden, erklärt Bert und nennt aus ihrer gynäkologischen Praxis folgendes Beispiel: In der Hormonsubstitution bei Wechseljahrsbeschwerden würden die kostengünstigeren Tabletten einem entsprechenden medizinischen Pflaster, das den Körper weniger belaste, vorgezogen. Befürchtungen indes, als Krebspatient würden gesetzlich Versicherten teure Spezialpräparate vorenthalten, seien unbegründet, hob sie hervor.

          Kürzungen wurden Mitte diesen Jahres bereits bei den sogenannten Heil- und Hilfsmitteln vorgenommen. So dürfen beispielsweise nur noch sechs statt bisher zehn Lymphdrainagen verschrieben werde, die etwa Brustkrebspatientinnen gegen geschwollene Arme benötigten. Auch die Anzahl der verordnungsfähigen Massagen sei von zehn auf sechs reduziert worden. Bert bedauert, daß es in der Praxis täglich zu Konflikten zwischen Arzt und Patienten komme, weil letztere medizinische Leistungen wünschten, die zwar durchaus sinnvoll, aber eben nicht wirtschaftlich seien.

          Auch die Praxisgebühr sorge nach wie vor für viel Unmut, sagt Bert. So glaubten viele Patienten, eine Quittung über zehn Euro reiche aus, um bei weiteren Arztbesuchen in dem Quartal von der Zahlung befreit zu sein. Doch nur die Überweisung entbinde von der Gebühr. "Da geht der Ärger los", so Bert. Viele seien "sauer" und zahlten eben nochmals, andere liefen los, um den Überweisungsschein zu holen, was freilich nur bei einem Doktor in der Nachbarschaft möglich sei. Bert fällt in ihrer Frauenarztpraxis auf, daß die Menschen seit Einführung der Praxisgebühr grundsätzlich seltener zum Arzt gingen, hätten sie die zehn Euro erst einmal entrichtet, säßen sie dagegen viel häufiger in der Praxis.

          Nach Einschätzung von Bert werden die Honorare der niedergelassenen Ärzte wegen der Mittelknappheit der Kassen im nächsten Jahr sinken. Niedergelassene Radiologen würden wegen der hohen Investitionskosten und Internisten ohne Spezialgebiete wegen schlechterer Honorierung besonders in finanzielle Not geraten. Als neu gewählte Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung wolle sie sich dafür einsetzen, daß schnelle Abrechnungen gewährleistet seien und ihre Vereinigung eine Servicestelle für die Ärzte sei. (rig.)

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