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Gesundheit : Kassen zahlen für Krebs-Impfung

  • -Aktualisiert am

Der Impfstoff ist für Mädchen und Frauen zwischen neun und 25 Jahren zugelassen Bild: picture-alliance/ dpa

Viele Kinderärzte in Hessen machen Eltern schon auf die neue Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs aufmerksam. Noch müssen die gesetzlichen Krankenkassen für die Impfung nicht aufkommen. Doch zeigen sie in Hessen schon jetzt guten Willen.

          Viele Kinderärzte in Hessen machen Eltern schon auf die neue Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs aufmerksam. Und nicht selten mündet das in Anfragen bei Krankenkassen, ob die Kosten übernommen werden. Noch müssen die gesetzlichen Krankenkassen für die unlängst zugelassene Impfung nicht aufkommen. Doch in der Annahme, diese Leistung werde bald ohnehin obligatorisch, zeigen die Kassen in Hessen schon jetzt guten Willen.

          So zahlen die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) und die Ersatzkassen in Hessen die aus drei Einzeldosen bestehende Impfung in Höhe von rund 500 Euro inklusive Arzthonorar in Form der Kostenerstattung. Das bedeutet, Patienten strecken das Geld vor, reichen die Rechnung bei ihrer Krankenkasse ein und bekommen den Betrag überwiesen. Der Landesverband der Betriebskrankenkassen empfiehlt den Mitgliedskassen, die Kosten zu erstatten. Und Pressesprecher Stefan Eckerlein glaubt nicht, dass eine hessische BKK dieses Ansinnen ablehnt.

          Impfung vor dem ersten Sexualkontakt

          Da die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) noch aussteht, begrenzen die Kassen in Hessen die Kostenübernahme derzeit allerdings auf unterschiedliche Altersgruppen. Experten rechnen im Februar mit der Empfehlung der Kommission zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. AOK-Versicherte müssen sich spätestens bis zum 17. Lebensjahr impfen lassen, doch können sich auch neunjährige Mädchen zu Lasten der Kasse die Vakzine verabreichen lassen. Die meisten Ersatzkassen jedoch zahlen erst vom zehnten beziehungsweise elften Lebensjahr an.

          Ärzte empfehlen eine Impfung vor dem ersten Sexualkontakt. Denn Humane Papillomaviren, kurz HPV, die als Hauptverursacher von Gebärmutterhalskrebs gelten, werden durch sexuellen Kontakt übertragen und können im weiblichen Genitaltrakt zur Entartung führen. In den weitaus meisten Fällen gelingt es dem Immunsystem, die Viren nach ein paar Monaten zu bekämpfen. Bei neun Prozent der Betroffenen sind sie noch nach zwei Jahren nachweisbar. Aber auch sie erkranken nicht zwangsläufig an Gebärmutterhalskrebs.

          Zeitpunkt der Auffrischung unklar

          So steht hinter jedem Tumorleiden ein komplexes Zusammenspiel von Ursachen, darunter Ernährung, Tabakkonsum, Umweltfaktoren und seelische Einflüsse. Es wäre also hilfreich, zunächst systematisch die Risikogruppen zu identifizieren, die von der Impfung profitieren. Als häufigste Nebenwirkungen der Impfung werden lokale Rötungen, Schmerzen, Juckreiz und Schwellungen an der Einstichstelle genannt. Es kann aber in ganz seltenen Fällen auch zu Fieber, allgemeiner Benommenheit, Schwindel, Übelkeit oder ganz vereinzelt zu Atemschwierigkeiten kommen.

          Noch unklar ist, wann die Impfung wieder aufgefrischt werden muss. Dies könnte nach einem Zeitraum von drei bis zehn Jahren sein. Welche Folgekosten somit auf die Krankenkassen zukommen könnten und welche Einsparungen durch weniger Behandlungen dieses Tumorleidens sich möglicherweise dagegen rechnen, ist nicht absehbar. Fest steht indes, dass der Impfstoff nur bei noch nicht infizierten jungen Mädchen und Frauen wirkt.

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