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Dannenröder Forst : Gestell eingestürzt: Polizei vermutet Angriff

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Abräumer: Polizisten im Einsatz im Dannenröder Forst Bild: dpa

Ein hochbeiniges Gestell aus Baumstämmen ist im Dannenröder Forst beinahe auf Polizisten gestürzt. Die Behörden vermuten einen gezielten Angriff auf die Einsatzkräfte. Das Areal sei zum Tatort erklärt worden.

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          Nach dem Einsturz eines hochbeinigen Gestells aus Baumstämmen in Richtung von Einsatzkräften am Montag im Dannenröder Forst geht die Polizei von einem gezielten Angriff aus. Die Beamten hätten ausweichen können und seien unverletzt geblieben, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Örtlichkeit sei zum Tatort erklärt worden und werde abgesperrt, Ermittler seien auf dem Weg dorthin, teilte die Polizei via Twitter mit. „Es besteht der Verdacht, dass ein Seil vorsätzlich gelöst wurde. In diesem Zusammenhang verfolgen wir eine Person, die damit in Verbindung stehen könnte.“

          Bei dem Gestell handelte es sich den Angaben zufolge um einen sogenannten Twopod. Auf solchen und ähnlichen Gebilden harren immer wieder Aktivisten aus, um gegen die Rodungsarbeiten in dem Waldgebiet zu protestieren. Seit mehr als einem Jahr halten sie den Dannenröder Forst besetzt und haben zahlreiche Baumhäuser und Barrikaden errichtet, die seit 10. November von der Polizei geräumt werden.

          Am Morgen waren die Rodungsarbeiten für den Weiterbau der A49 nach eintägiger Pause am Totensonntag fortgesetzt worden. Aus Protest dagegen kletterten wieder mehrere Menschen in die Bäume, wie die Polizei via Twitter mitteilte. Immer wieder brächten sich Menschen durch die Aktionen in Lebensgefahr, da sie in großer Höhe kletterten, so die Einsatzkräfte. „Es ist uns bereits gelungen, Hunderte Menschen sicher zu Boden zu bringen – teilweise gegen erhebliche Gegenwehr.“

          Die Polizei teilte am Abend mit, es seien am Montag 69 Personen in Gewahrsam genommen worden. Zudem seien fünf Ermittlungs- und 63 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und 75 Platzverweise ausgesprochen worden. Nach derzeitigem Stand habe die Polizei „weit über 50 Personen aus Bäumen und Gebilden zu Boden gebracht und diverse Barrikaden, Baumhäuser und Gebilde beseitigt“.

          Derweil laufen die Untersuchungen nach dem Absturz einer weiteren Aktivistin am Samstag weiter. „Ob ein Ermittlungsverfahren einzuleiten ist wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung, steht noch nicht fest“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen der Deutschen Presse-Agentur. „Wir warten die Untersuchungsergebnisse ab und schauen, ob es Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt.“

          Die Stelle wurde abgesperrt

          Nach Polizeiangaben war die Frau von einer in vier bis sechs Metern Höhe mit Seilen an Bäumen befestigten Holzpalette abgestürzt und hatte sich schwer verletzt. Die Stelle im Wald war abgesperrt worden, Beamte begannen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Gießen, Zeugen zu befragen und umfangreiches Video- und Bildmaterial auszuwerten. Für die Klärung der Absturzursache waren laut Polizei ein unabhängiger Sachverständiger und die Tatortgruppe des Polizeipräsidiums Westhessen sowie Ermittler des Hessischen Landeskriminalamts hinzugezogen worden.

          Bereits am 15. November war eine Aktivistin von einem hochbeinigen Gestell – einem sogenannten Tripod – abgestürzt und hatte sich schwer verletzt. Verantwortlich dafür soll laut der Staatsanwaltschaft Gießen ein Polizist gewesen sein, der zuvor ein Seil durchtrennt habe, das mit dem Gestell verbunden gewesen sei. Die Verbindung soll für den Beamten nicht erkennbar gewesen sein. Die Demonstranten haben der Polizei wiederholt vorgeworfen, bei den Räumungen Menschenleben zu gefährden.

          Im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis fallen Bäume für den Weiterbau der A49, die nach der Fertigstellung Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden soll. Vorangegangen waren Rodungen im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sowie im Maulbacher Wald nahe Homberg/Ohm. Für die Gegner steht das Projekt im Widerspruch zu einer umweltfreundlichen Verkehrswende, die Befürworter hingegen erhoffen sich dadurch weniger Verkehrs- und Lärmbelastung in den umliegenden Dörfern und eine bessere Straßenanbindung.

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