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Umstrittene Auszeichnung : Ein Ehrenring für Hitler, Göring und Mussolini

Ludwig Riffelmacher war Werkstattleiter der Firma Wilm und Träger des Ehrenrings. Bild: Gesellschaft für Goldschmiedekunst

Nach dem Eklat um eine Ehrenauszeichnung hat die Gesellschaft für Goldschmiedekunst in Hanau die Nazi-Verstrickungen der damaligen Vereinsspitze aufarbeiten lassen. Diese reichten bis ganz nach oben.

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          Als Bernhard Schobinger, einer der populärsten Vertreter der avantgardistischen Schmuckszene, im Jahr 2016 die Annahme des Goldenen Ehrenrings verweigerte, war es ein Schock für die Gesellschaft für Goldschmiedekunst. Galt ihre Auszeichnung doch als eine der wichtigsten und renommiertesten Ehrungen der deutschen Schmuckszene. Bis dahin wurde sie mehr als 40 Mal vergeben. Grund für die Verweigerungshaltung des Künstlers war der Blick auf die Liste der bisherigen Preisträger. Neben angesehenen und untadeligen Kollegen sind darauf manche Namen zu finden, die in den Anfangsjahren der Gesellschaft im Jahr 1932 die zerstörerische Ideologie des Nationalsozialismus verinnerlicht und propagiert hatten. So ging der Ring zum Beispiel auch an den unbestritten hochtalentierten Schmuckkünstler Emil Lettré, einen Schüler der Hanauer Zeichenakademie, der als Juwelier in Berlin reüssierte.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Als Direktor kehrte er 1933 an die traditionsreiche Hanauer Schule für Gold- und Silberschmiede zurück, wo er all diejenigen Mitglieder des Lehrerkollegiums nach Hause schickte, die sich ideologisch nicht angepasst hatten. Auch Ringträger Karl Berthold war Schüler an der Akademie und später Mitglied des Kampfbundes für deutsche Kultur. Im Jahr 1933 nutzte er seine Funktion als kommissarischer Direktor der Frankfurter Städelschule, um Professoren wie Willi Baumeister, Max Beckmann und Jakob Nußbaum auf die Straße zu setzen.

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