https://www.faz.net/-gzg-a0ihr

Prozess um Sekten-Chefin : Gerichtsmediziner bestätigt Verschnüren in Sack als Todesursache

  • Aktualisiert am

Mutmaßliche Sekten-Chefin: Die Angeklagte soll für den Tod eines vier Jahre alten Jungen verantwortlich sein. Bild: dpa

Im Mordprozess gegen die mutmaßliche Hanauer Sekten-Chefin hat ein Gerichtsmediziner den Sack als Todesursache bestätigt. Die Angeklagte soll für den Tod des Jungen 1988 verantwortlich sein.

          1 Min.

          Im Mordprozess gegen eine mutmaßliche Sekten-Chefin hat ein Gerichtsmediziner die Angeklagte stark belastet. Der Mediziner sagte vor dem Landgericht Hanau am Mittwoch aus, dass der vierjährige Junge im Haus der Hanauer Gruppe starb, weil er in einen Leinensack verschnürt wurde. „Der Sack ist letztlich die Ursache für den Tod gewesen“, sagte er. Es sei ein „äußeres Ereignis“ gewesen, dass zu einem nicht-natürlichen Tod geführt habe. „Jeder vernünftige Mensch muss erkennen, dass es keine kindgerechte Behandlung ist, ein Kind in einen Sack zu verschnüren“, sagte Marcel Verhoff, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Uni Frankfurt.

          Der Professor ging in seiner Aussage davon aus, dass der kleine Junge in eine tiefe Bewusstlosigkeit gefallen und dann an zuvor gegessenem Haferbrei erstickt sei. Eine Rekonstruktion der Tat mit einer Polizistin, die freiwillig in einen Sack geschnürt wurde, habe ergeben, dass solch ein Vorgehen schnell zu gefährlicher Bewusstlosigkeit führen könne.

          In dem Prozess muss sich eine mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordes verantworten. Die 72 Jahre alte Frau sei dafür verantwortlich, dass das zur Züchtigung in den Sack geschnürte Kind im August 1988 starb. Laut Anklage sah die Frau den Jungen als vom Bösen besessen an. Sie habe ihn deswegen töten wollen. Die Anwälte der Frau weisen den Mordvorwurf zurück.

          Im Prozess sagte am Mittwoch auch ein 57 Jahre alter Mann aus, der als Pflegekind bei der Angeklagten lebte, damals noch in Südhessen. Es sei die „Hölle“ gewesen: „Wir sind geschlagen und misshandelt worden - im Namen Gottes.“ Diese Äußerungen decken sich mit anderen Zeugenaussagen, in denen Gewalt und Misshandlungen im Haus der Angeklagten wiederholt zur Sprache kamen.

          Weitere Themen

          Belarus lebt auch in Frankfurt

          Anti-Lukaschenka-Demonstration : Belarus lebt auch in Frankfurt

          Rund 200 Menschen demonstrierten auf dem Frankfurter Römer gegen den belarussischen Machthaber Aleksandr Lukaschenka. Bürgermeister Uwe Becker (CDU) hielt gar die altbelarussische Nationalflagge aus einem Rathausfenster.

          Die Ansprüche der Zebras

          Zoos in Rhein-Main : Die Ansprüche der Zebras

          In einer Umfrage freuen sich die Zoos über 82 Prozent Zustimmung. Sie müssen sich nicht nur mit dem Wohl der Tiere, sondern auch mit den Erwartungen der Menschen auseinandersetzen.

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.