https://www.faz.net/-gzg-actzd

„Shark-City“ nicht umsetzbar : Pleitegeier frisst Haie auf

  • -Aktualisiert am

Die großen Pläne von Thomas Walter (links) und Thiemo Walt für eine Shark City stehen vor dem Aus. Bild: Frank Röth

Das geplante Aquarium mit 38 Haiarten im Gewerbegebiet von Pfungstadt sollte im Jahr hunderttausende Besucher anlocken. Die Stadt hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dennoch ist das Projekt so gut wie erledigt.

          2 Min.

          Eigentlich sollten sich in einem riesigen Aquarium im Gewerbegebiet von Pfungstadt im Kreis Darmstadt-Dieburg 38 verschiedene Haiarten zum Vergnügen von bis zu 500.000 Besuchern pro Jahr tummeln. Statt der Haie scheint aber der Pleitegeier zu kreisen: Das Riesenprojekt, auf das die Stadt noch immer hofft, obwohl „Seven Seas Aquariums Betriebs GmbH“ mehrere Fristen zur Beurkundung des Kaufs des 21.000 Quadratmeter großen Gewerbeareals verstreichen ließ, ist so gut wie erledigt.

          Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens mit Stammsitz in Grünberg scheint endgültig zu ruhen. Die Internetseite existiert nicht mehr, die Telefonleitung ist tot, auf E-Mails reagiert keiner.

          Im Gewerbeamt der Stadt Grünberg sind die beiden Inhaber nur als Betreiber eines Aquaristikgeschäftes für Zierfische bekannt. Das Geschäft haben die beiden Männer schon vor einiger Zeit aufgegeben.

          Eröffnung immer wieder verschoben

          Es war schon Anfang Mai aus Äußerungen des Geschäftsführers Thomas Walter heraushören, dass das Investment in Pfungstadt kaum noch zu realisieren ist. Der Hauptinvestor, der aus der Getränkebranche kommen soll, sei wegen Corona schon 2020 abgesprungen, sagte Walter damals dieser Zeitung, man habe den „Schalter erst mal auf Stand-by gelegt“. Anlass: Schon im Mai fehlten die 20 Millionen Euro für das Projekt in Pfungstadt.

          Auch zuvor war schon absehbar, dass nicht alles so lief, wie es sich die Investoren und die Stadt vorgestellt hatten. 2017 wurde das Projekt bekannt, 2018 sollten die ersten Haie in einem 10,5 Millionen Liter fassenden Aquarium ihre Runden drehen.

          F.A.Z. Newsletter Deutschland startet durch

          Donnerstags um 12.00 Uhr

          ANMELDEN

          Doch der Eröffnungstermin wurde schon vor Corona immer wieder verschoben. Zuletzt wurde 2023 genannt, das Jahr, in dem in Pfungstadt der Hessentag gefeiert wird. Außer der einstimmigen Zustimmung des Stadtparlaments gab es für die Betreiber von „Shark-City“ aber auch heftigen Gegenwind: Tierschützer sammelten mehr als 10.000 Unterschriften gegen das Projekt. Die Tierschutzorganisation Peta sah in der Zurschaustellung von Haien zur Volksbelustigung Tierquälerei. Mit Protesten im Fall der Eröffnung wäre zu rechnen gewesen.

          Die Hessische Landesgesellschaft, die im Auftrag der Stadt das Grundstück im Gewerbegebiet zwischen den A5 und A67 vermarktet, hat es seit Mai auf dem Markt wieder angeboten und registriert reges Interesse. Sobald Pfungstadt zustimme, soll es anderweitig vermarktet werden.

          Bürgermeister hat noch nicht aufgegeben

          Bürgermeister Patrick Koch (SPD) will die Hoffnung offenbar noch nicht ganz aufgeben. Er habe in den vergangenen Wochen losen Kontakt zu den Investoren gehabt. Für den 29. Juni habe er Geschäftsführer Thomas Walter zur Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Stadtverordneten in das Pfungstädter E-Werk eingeladen.

          Nach wie vor sei er rechtlich an den Parlamentsbeschluss gebunden, das Grundstück an die Geschäftsführer von Shark-City zu verkaufen. Derzeit laufe die Bauleitplanung für das Aquarium.

          Die Stadt habe Verständnis, dass Corona das Projekt verzögere. Die Reservierung des Grundstücks für das Hai-Vorhaben habe nie eine rechtlich verbindliche Sicherheit für den Investor gehabt.

          Die erlange der Investor erst mit dem Kauf. Das Grundstück sei wegen seiner Lage direkt unter einer Hochspannungsleitung ohnehin nicht leicht zu vermarkten. Sollte es ernsthafte Interessenten geben, bevor das Grundstück von Shark-City gekauft worden sei, müsse das Parlament beschließen, dass ein anderer Investor zum Zug kommen soll.

          Weitere Themen

          Eis als Eisbrecher

          Milch und mehr vom Bio-Schaf : Eis als Eisbrecher

          Die Schafe auf dem Kapellenhof sollten anfänglich vor allem Dünger produzieren. Inzwischen sind sie ein wichtiges Standbein des Wetterauer Hofguts, das auch die gehobene Gastronomie beliefert.

          Topmeldungen

          Am 17. Juli in Erftstadt: Armin Laschet ist lachend zu sehen, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Pressestatement gibt.

          Laschet und die Flut : Das Lachen des Landesvaters

          Als das Wasser kam, wollte der Kanzlerkandidat der Union helfen, zuhören – und vielleicht auch Wahlkampf treiben. Dann wuchs der Druck und alles kam anders.

          Das war die Nacht in Tokio : Sieben Matchbälle vergeben

          Die zweite Olympia-Nacht in Tokio bringt eine verdorbene Premiere im Wellenreiten, einen Weltrekord im Schwimmen und positive Corona-Tests bei zwei Favoriten des Golf-Turniers.
          Aus der Luft sind der niedrige Wasserstand des Lake Powell und der „Badewannen-Ring“ gut zu erkennen.

          Grand Canyon : See ohne Wiederkehr

          Dürre setzt dem Lake Powell oberhalb des Grand Canyon zu: Millionen Touristen bleiben auf dem Trockenen. Hausbootsbesitzer sollen ihre Boote vom Wasser holen, solange das noch möglich ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.