https://www.faz.net/-gzg-15n5i

Geocaching : Auch in Aschaffenburg ist der Bär los

  • -Aktualisiert am

Der schottische Bär: Dieser Schatz schaffte es von Schottland bis nach Aschaffenburg Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Ein Bär hat es vom schottischen Perth nach Aschaffenburg geschafft. Doch fürchten muss sich deshalb niemand.

          3 Min.

          Ein Bär hat es vom schottischen Perth nach Aschaffenburg geschafft. Doch fürchten muss sich deshalb niemand. Denn der Bär, der am Donnerstag im Rathaus eintraf, ist nur wenige Zentimeter groß. Ende Juli 2009 war das silberne Tierchen mit der schottischen Flagge auf dem Bauch von sogenannten Geocachern in Aschaffenburgs Partnerstadt auf die Reise an den bayerischen Untermain geschickt worden, um als Botschafter Werbung für die 800-Jahr-Feier der schottischen Stadt zu machen. Geocaching ist die moderne Form der Schnitzeljagd. Statt Zettelchen folgen weltweit drei bis vier Millionen Menschen den Richtungsangaben eines GPS-Empfängers. Das satellitengestützte Ortungssystem führt sie durch Wälder, über Felder oder durch Großstädte zum
          „Cache“, dem Schatz. Das Wort heißt übersetzt „geheimes Lager“.

          Der schottische Bär brauchte ein halbes Jahr, bis er am 19. Januar in der Nähe des Parkplatzes Hainbach bei Heusenstamm im Kreis Offenbach auftauchte. Ausgerechnet ein ehemaliges RAF-Waffendepot in der Nähe der A 3 bei Heusenstamm hatte sich der Geocacher ausgesucht. Dieses Versteck fanden Natalie und Neil Hertlein aus Mainz zwar ungewöhnlich. Es hielt sie jedoch nicht von der Suche ab.

          Knapp eine Million Schätze weltweit

          Seit August vergangenen Jahres hatte das Ehepaar die Reise des Bären im Internet verfolgt. Beide sind erst seit einem Jahr Schatzsucher. Ein amerikanischer Freund hatte sie auf das neue Trendspiel aufmerksam gemacht. Seitdem sind sie große Anhänger dieser Freizeitbeschäftigung. Fast jedes Wochenende begeben sie sich in fremden Städten auf die Suche nach wasserdichten Kunststoffbehältern, Metallkästen oder Filmdosen. Die Internetseite geocaching.com führt knapp eine Million Schätze weltweit auf. 362 haben die Hertleins bisher gehoben.

          Wer anhand der Koordinaten einen Schatz findet, verewigt sich im beiliegenden Logbuch, tauscht manchmal Gegenstände aus, die sich in den Dosen befinden, und trägt später seinen Fund im Internet ein. Mitmachen kann jeder. Die Teilnahme kostet nichts. Benötigt wird lediglich ein GPS-Gerät.

          Es geht nicht um Gold, sondern um den Spaß am Suchen

          Der Bär sei der schönste Schatz, den sie bisher entdeckt habe, sagte die Fünfunddreißigjährige, die beim ZDF als Sachbearbeiterin beschäftigt ist. Ihr Mann, der aus London stammt und 2005 der Liebe wegen nach Mainz zog, zeigte dem Aschaffenburger Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) eine typische Box. Sie enthielt neben dem Notizbuch einen Bleistift und einen Spitzer sowie eine Anstecknadel, ein Spielzeugauto, Streichhölzer und Werbegeschenke. Wer hofft, einen Goldbarren zu finden, sollte dieses Hobby lieber nicht pflegen. Denn beim Geocachen geht es hauptsächlich um den Spaß am Suchen und Rätselraten.

          Ende Juli 2009 hatte der Bürgermeister von Perth, John Hulbert, den Bären auf seine Reise geschickt. Das Datum war bewusst gewählt worden, da als Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten am 31. Juli 2010 in der schottischen Stadt ein „Geocaching-Mega-Event“ stattfinden soll.

          „Total spannend“

          Versehen war der Bär mit einem Anhänger, auf dem in kurzen Worten die „Mission“, in diesem Fall der Transport nach Aschaffenburg, genannt wurde. Außerdem enthielt die Marke eine Nummer, anhand derer sich die Reise im Internet verfolgen ließ. Nach Angaben von Natalie Hertlein gelangte der Bär schon im August nach Deutschland. Dann sei er jedoch „irre lang“ in Nordrhein-Westfalen geblieben, weil er in einem „Multi- Cache“ abgelegt worden war. Das sind Verstecke, deren genaue Koordinaten die Schatzsucher erst nach dem Lösen zahlreicher Aufgaben erfahren. Nach fünf weiteren Stationen landete er schließlich in Heusenstamm.

          Aschaffenburgs Oberbürgermeister wollte bei der Übergabe wissen, worin der Reiz der technisierten Schatzsuche bestehe. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. „Das ist total spannend. Wie eine Schnitzeljagd“, sagte Natalie Hertlein. Herzog überreichte dem Ehepaar einen Schlüsselanhänger mit der Silhouette von Aschaffenburg. Auch dieser hat eine Mission. Bis zum 31. Juli soll er Perth erreichen. Noch am selben Tag versteckte das Ehepaar den Anhänger in Aschaffenburg. Im Internet verraten sie dazu lediglich: „Achtung, relativ hohes ‚Muggel‘-Aufkommen!“ In den Harry-Potter-Romanen sind damit Menschen ohne Zauberkräfte gemeint. Geocacher verstehen darunter Nichteingeweihte, also ahnungslose Spaziergänger. Um diese nicht auf das Versteck aufmerksam zu machen, hält sich Härtlein dann das GPS-Gerät ans Ohr und tut so, als ob sie telefoniere.

          Weitere Themen

          Eintracht Frankfurt wächst nach Westen

          Auflösung der SG Nied : Eintracht Frankfurt wächst nach Westen

          Eine große Mehrheit der Mitglieder hat am Samstag für die Auflösung der SG Nied gestimmt. Das Konzept einer Übernahme von Schulden und viel Verantwortung durch die Frankfurter Eintracht hat offenkundig überzeugt.

          Die man nicht sieht

          Filmregisseurin Felicitas Korn : Die man nicht sieht

          Für ihr Filmprojekt hat Felicitas Korn lange gekämpft. Die erste Notiz dazu hat sie schon vor 20 Jahren aufgeschrieben. Jetzt fällt am Drehort Frankfurt die letzte Klappe.

          Topmeldungen

          Geht es bergauf für die SPD? Olaf Scholz bei einer Veranstaltung des DGB zum Tag der Arbeit in Cottbus

          Parteitag vor Bundestagswahl : Was der SPD noch Hoffnung macht

          Seit Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, bleibt die Zustimmung für die Sozialdemokraten mau. Mit dem virtuellen Parteitag am Sonntag soll sich das ändern.

          Bayerns 6:0-Meistergala : „Campeones, Campeones!“

          Die Münchner werden schon vor dem eigenen Spiel Meister. Beim 6:0-Sieg über Gladbach glänzt der FC Bayern. Und Robert Lewandowski fehlt nur noch ein Tor bis zum legendären Rekord von Gerd Müller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.