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Überraschender Beschluss : Gent will nicht mehr Partnerstadt von Wiesbaden sein

Nach 51 Jahren: Der Genter Gemeinderat hat entschieden, Städtepartnerschaften im klassischen Sinne nicht weiterzuführen (Symbolbild). Bild: dpa

Nach 51 Jahren hat Gent überraschend die Städtepartnerschaft zu Wiesbaden aufgekündigt. In der hessischen Landeshauptstadt sorgt die Entscheidung für Enttäuschung und Bedauern.

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          Die Landeshauptstadt hat eine Partnerstadt weniger: 51 Jahre nach Vertragsabschluss mit Gent will die belgische Stadt die Verbindung wieder lösen. Dies hat die Stadtverwaltung Gent am Donnerstag telefonisch mitgeteilt. Gent ist nach Antwerpen die zweitgrößte Stadt Belgiens und Hauptstadt der Provinz Ostflandern. Ein offizielles Schreiben an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) solle folgen, liege aber noch nicht vor, heißt es aus dem Wiesbadener Rathaus.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          In einer ersten Stellungnahme äußert sich Mende enttäuscht und bedauert den einseitigen Schritt, der nicht nur ihn völlig überrascht habe. Die Kündigung sei weder angekündigt noch erörtert worden: „Wir reichen die Hand für eine weitere Zusammenarbeit“, sagte Mende am Freitag.

          Telefonisch hat Wiesbaden erfahren, dass der Genter Gemeinderat entschieden hat, die Zusammenarbeit mit allen Partnerstädten zu überdenken und Städtepartnerschaften im klassischen Sinne nicht weiterzuführen. Einzige Ausnahme solle die Partnerschaft zur japanischen Stadt Kanazawa sein. Klassische Städtepartnerschaften seien nicht mehr zeitgemäß, die Verbindungen über die Jahre und Jahrzehnte seien weitgehend „eingeschlafen“.

          Kein Ende der Freundschaft

          Die Wiesbadener Pressestelle berichtet von einem Interview des Genter Bürgermeister Mathias de Clercq im belgischen Fernsehen, wonach Städtepartnerschaften eine noble Philosophie nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen seien. Heute aber erscheine es merkwürdig, eine ganze Stadt zu verbrüdern. Unterstützt werden sollen weiterhin EU-Bildungs- und Austauschprogramme wie „Erasmus“. Zudem bedeute die formale Beendigung der Städtepartnerschaft nicht das Ende der Freundschaft mit Wiesbaden und seinen Bürgern. Ein Besuch von Mende in Gent, der im vergangenen Jahr wegen der Pandemie hatte verschoben müssen, sei als Abschluss geplant.

          Mende stimmt die Entscheidung dennoch traurig, weil diese Partnerschaft eine „sehr intensiv gelebte mit tragfähigen Verbindungen zwischen Vereinen und persönlichen Freundschaften“ gewesen sei. Er hoffe, dass dieses Engagement bewahrt werden könne. Für Mende bleibt es dabei, dass Städtepartnerschaften der Verständigung und dem Austausch freundschaftlicher Kontakte dienen. Sie sorgten für eine engere Verbindung ihrer Bürger. Erst vor wenigen Tagen sei Wiesbaden auf alle europäischen Partnerstädte mit dem Wunsch zugegangen, im Zuge des Erasmus-Programms Auszubildende über Praktika auszutauschen.

          Wiesbaden unterhält Beziehungen zu zahlreichen Partnerstädten im In- und Ausland. Neben den offiziellen Kontakten der Rathäuser untereinander, stehen dabei in erster Linie die Begegnungen zwischen den Menschen im Vordergrund. Derzeit hat die Landeshauptstadt 13 Städtepartnerschaften, eine Patenschaft und vier Stadtteilpartnerschaften.

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