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Generalprobe von „Mainz bleibt Mainz“ : Guttenberg macht Büttenrednern viel Arbeit

Sorgt für Ordnung: Sitzungspräsident Hans-Peter Beltz soll heute dafür sorgen, dass „Mainz bleibt Mainz” bis Mitternacht im Fernsehen beendet ist. Bild: Michael Kretzer

Am Freitagabend will sich Mainz im Fernsehen als Hort der politisch-literarischen Fastnacht präsentieren. Bei der Generalprobe von „Mainz bleibt Mainz“ zeigten die Hofsänger Schwächen.

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          Mit dem zurückgetretenen „Öl-Prinzen“ gehen die Fastnachter, die sich heute Abend von 20.15 Uhr an in der ARD bei „Mainz bleibt Mainz“ auf dem Bildschirm präsentieren, erwartungsgemäß hart ins Gericht: „Seit 14 Tagen kann ich wegen dem Herrn Baron fast täglich meinen Vortrag umschreiben“, beklagte sich etwa Hans-Peter Betz als „Guddi Gutenberg“ in der Generalprobe am Mittwoch. Auch am Donnerstag wird der Sitzungspräsident zu vorgerückter Stunde von seinem Sockel steigen, um den Politikern die Leviten zu lesen. Bis Aschermittwoch hätte sein Namensvetter Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schon durchhalten können: Der mit Untreue-Vorwürfen konfrontierte Mainzer Oberbürgermeister, Jens Beutel (SPD), habe „auch Scheiße gebaut – und seit zwei Jahren sitzt er drin“. So deftig wie Betz, der als Sitzungspräsident dafür sorgen soll, dass die aus dem Kurfürstlichen Schloss übertragene Kultsendung reibungslos bis Mitternacht über die Bühne geht, äußert sich diesmal kein zweiter Redner zu dem, was in Stadt, Land und Bund in den vergangenen zwölf Monaten alles schiefgegangen ist. Die Berliner Koalition erinnere ihn doch sehr an eines „dieser Atomfässcher“: „außen schwarz-gelb, innen völlig ausgebrannt“, sagt Betz. Eben eine echte „K.o.-alition“, findet auch der mit dem ersten politischen Vortrag des Abends auf der Bühne stehende „Till“, Friedrich Hofmann. Gemeinsam mit dem „Boten vom Bundestag“, Jürgen Dietz, der „diesem hohen Haus im Jahre sechs unter Merkel dient“, sollen Betz und Hofmann dafür sorgen, dass sich die Mainzer bundesweit als Hort der politisch-literarischen Fastnacht, des geschliffenen Wortes und des freien Geistes darstellen können. „Wenn du redest, dann muss die Rede besser sein, als es dein Schweigen gewesen wäre“, bemühte Dietz ein arabisches Sprichwort, an dem sich die Aktiven selbst messen lassen müssen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Vor allem die Kokolores-Fraktion scheint mit „Jung-Senior“ Hans-Joachim Greb, „Senior-Studentin“ Hildegard Bachmann und dem als Schlussredner aufgebotenen „Obermessdiener“ Andreas Schmidt in der Version 2011 ein wenig überaltert. Dagegen wirken das Zwiegespräch der Mönche – die nach dem Motto „Was du heute kannst entkorken, das verschiebe nicht auf morgen“ leben – sowie die beiden Ein-Mann-Shows des frisch verheirateten Andy Ost und des fernseherfahrenen Saarländers Detlev Schönauer ebenso kurzweilig wie stimmig.

          Den richtigen Ton zu treffen, darum bemühen sich die Mainzer Hofsänger nun schon seit Jahren – zuletzt aber nur mit mäßigem Erfolg. Mittlerweile wird der einst stattliche Männerchor, aktuell um bald ein Drittel seines früheren Umfangs auf Combogröße geschrumpft, sogar von der Sitzungsband an die Wand gespielt. Obwohl die ausgebildeten Sänger nun erstmals mit Headsets auf die Bühne kamen, war von ihrem Potpourri bei der Generalprobe nicht viel zu verstehen. Ein Ärgernis, das die Verantwortlichen vom Südwestrundfunk bis zur Live-Übertragung heute Abend abgestellt haben wollen. Beim großen Finale, bei dem die Hofsänger nicht fehlen dürfen, wären Mikrofonausfälle noch eher zu verschmerzen. Denn dann stimmt ohnehin der ganze Saal mit ein: in „So ein Tag, ...“ und „Ole, ole, Fiesta, Fiesta hier am Rhein“.

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