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Gelnhausen : Das Warten hat ein Ende

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Der Gelnhäuser Bahnübergang wird durch eine Unterführung ersetzt Bild: F.A.Z. - Wohlfahrt

In Gelnhausen ist die Schranke an der Bahnstrecke Frankfurt-Fulda fast mehr geschlossen als offen. Nun hat der Bund die nötigen Millionen für den Bau einer Unterführung zugesagt.

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          Ein seit mehr als vier Jahrzehnten bestehendes Ärgernis an der Grenze zwischen Gelnhausen und Linsengericht kann verschwinden. Das Bundesverkehrsministerium hat den Bau einer etwa 22,4 Millionen Euro teuren Unterführung anstelle des höhengleichen Übergangs der Bahnstrecke Frankfurt-Fulda genehmigt. Diese Nachricht hat Bürgermeister Jürgen Michaelis (CDU) bei einem Gelnhausen-Besuch des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Hessischen Landtag, Christean Wagner, verkündet.

          Wann mit den Arbeiten begonnen werden kann, steht allerdings nicht fest. Der Termin hängt von noch ausstehenden Detailplanungen des Landes ab. Der Besuch des einflußreichen Wiesbadener Politikers kam den Gelnhäusern unter diesen Umständen gerade recht, um ihm das Versprechen abzunehmen, sich für eine schnelle Bewältigung der ausstehenden Aufgaben einzusetzen.

          Über keine andere höhengleiche Kreuzung von Schiene und Straße zwischen Frankfurt und Fulda rollen so viele Autos und Züge wie über diese im Umfeld des Gelnhäuser Bahnhofs, wo die Kreisstadt und der Ortsteil Altenhaßlau der Nachbargemeinde Linsengericht aneinanderstoßen. Die über die Schienen führende Straße dient mehreren Spessartgemeinden als Zubringer in das Zentrum des mittleren Kinzigtales. Sie ist zugleich Hauptverkehrsader in den zusammengewachsenen Einkaufs- und Gewerbegebieten der Gelnhäuser Südstadt und Altenhaßlaus. Erheblich zugenommen hat auch der Zugverkehr: ICE- und andere Fernzüge, ein starker Nahverkehr und ein Güterverkehr, der nachts anschwillt, wenn der Personenverkehr abebbt, sorgen für eine Auslastung der Strecke bis an die Kapazitätsgrenze.

          Ortskundige nehmen den Schleichpfad

          Schon in den sechziger Jahren entwickelte sich mit zunehmender Motorisierung der Bürger und der immer dichter werdenden Zugfolge der Übergang zu einem großen Problem. So begannen die Planungen für eine Unterführung bereits im Jahre 1970. Es waren nicht die einzigen: Einsprüche hatten zum Teil wegen Gesetzesänderungen, zum Teil vor Gericht Erfolg und zwangen mehrfach zu neuen Verfahren. Wie die Aktenberge wuchsen die Schlangen der Fahrzeuge vor den häufig geschlossenen Schranken.

          Ortskundige versuchen den Wartezeiten zu entkommen, indem sie einen Schleichpfad wählen. Er führt 200 Meter vom Übergang entfernt durch eine unter dem Bahnkörper gebaute enge Röhre, die die Gelnhäuser „das Schlupfloch“ nennen. Sie war einst nur für Traktoren und Radfahrer gedacht, und zwei Autos kommen dort nicht aneinander vorbei. Außerdem steht sie häufig unter Wasser. Eine Lösung des Problems ist sie auf keinen Fall.

          Die Bürger sind des Wartens schon lange überdrüssig. Eine vor zwei Jahren auf die Schnelle von der Gelnhäuserin Jutta Groß gestartete Protestaktion brachte in nur wenigen Tagen 3333 Unterschriften. Es wären wohl viel mehr geworden, hätte Groß die Aktion nicht abgebrochen, um die Listen noch rechtzeitig zu den gerade bevorstehenden Prioritätenfestlegungen der Bahn einreichen zu können. Politiker wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe und der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Rolf Müller kamen zu Hilfe. Der öffentliche und politische Druck scheint Wirkung gezeigt zu haben. Für die Stadt Gelnhausen und die Gemeinde Linsengericht bedeutet der Bau einer Unterführung mehr als die bloße Entlastung der Autofahrer von Wartezeiten. Er ist die Voraussetzung, daß ein nach Wagners Worten beispielhaftes interkommunales „Projekt Bahnhofsumfeld und Südstadt“, die wichtigste anstehende Infrastrukturmaßnahme der Barbarossastadt, in die Gänge kommen kann.

          44 Millionen Euro Investitionen

          Das Bahnhofsumfeld soll in beiden Kommunen auf einer Fläche von zusammen 60 Hektar saniert und neu entwickelt werden. Mit Mitteln, die zum Teil aus dem Städtebauförderungsprogramm fließen werden, sollen bis zum Jahre 2019 rund 44 Millionen Euro investiert werden. Um ein geschlossenes, beiderseits der Bahnkörper aufeinander abgestimmtes Ensemble mit einem neuen südlichen Entree für Gelnhausen und Plätzen auf beiden Seiten des Bahnhofs zu erreichen, ist es unabdingbar, daß das derzeit trennende Schienenband der Bahn jederzeit für jedermann durch die Unterführung durchlässig wird. Die Linsengerichter Bürger sollen von den Einrichtungen der Gelnhäuser Südstadt, wo sich vor allem der Einzelhandel und Facharztpraxen konzentrieren, genauso profitieren wie umgekehrt die Gelnhäuser von den Märkten und Gewerbebetrieben auf Altenhaßlauer Seite.

          Für den CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden und seinen Fraktionskollegen Rolf Müller weist das Gemeinschaftsvorhaben in Sachen Stadtentwicklung einen Weg, den die Kommunalpolitik in Zukunft verstärkt zu gehen habe. „Wir können moderne Kommunalpolitik nicht mehr an Stadtgrenzen enden lassen“, sagte Wagner.

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