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Viele stellen keinen Antrag : Bisher 46 Missbrauchsopfer der Odenwaldschule finanziell unterstützt

  • Aktualisiert am

Ort des Missbrauchs: die Odenwaldschule in Ober-Hambach Bild: dpa

Vor zehn Jahren kam der jahrelange systematische sexuelle Missbrauch von Schülern der Odenwaldschule ans Licht. Mittlerweile haben Opfer insgesamt mehr als halbe Million Euro erhalten. Viele haben aber keinen Antrag gestellt.

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          Zehn Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals an der südhessischen Odenwaldschule sind mehr als 573.000 Euro an Opfer der Grausamkeiten ausgezahlt worden. „46 Opfer haben Zahlungen der Stiftung erhalten“, sagte Ulrich Kühnhold von der Stiftung „Brücken bauen“, die die Gelder für das erlittene Leid oder die Übernahme von Therapiekosten finanziert.

          Vor zehn Jahren kam der jahrelange systematische sexuelle Missbrauch von Schülern ans Licht. Studien zufolge sollen mehr als zwei Dutzend Lehrkräfte und andere Mitarbeiter der Schule an den Verbrechen an bis zu 900 Schutzbefohlenen beteiligt gewesen sein.

          „Der Stiftung sind 140 Opfer bekannt, von denen einige bewusst keinen Antrag gestellt haben beziehungsweise vor einer Antragsstellung zurückschrecken, da dies wieder mit einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema verbunden wäre“, sagte Kühnhold.

          Die Skandalgeschichte der Odenwaldschule

          Als vor rund zehn Jahren der lange vertuschte sexuelle Missbrauch an Schülern ans Licht kam, ging es für die Odenwaldschule samt Internat abwärts. Es folgten Streit, Rücktritte, Entlassungen an der Spitze - und schließlich das endgültige Aus. Ein Rückblick:

          6. März 2010: Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet von Missbrauch an der Odenwaldschule. Im Zentrum der Vorwürfe: Der damalige Leiter der Eliteschule, Gerold Becker, aber auch andere Lehrer.

          21. August 2014: Nach heftiger Kritik am Wirtschaftsplan geht die Schule trotz Geldsorgen in ein weiteres Schuljahr. Die Aufsichtsbehörden verlangen eine Trennung von Internat und Schule.

          17. Oktober 2014: Die Odenwaldschule beugt sich dem Druck der Behörden und beschließt einen organisatorischen Umbau. Anstelle des eingetragenen Vereins entstehen eine gemeinnützige Betriebs-GmbH und eine Stiftung.

          16. Juni 2015: Nach monatelangem Ringen um ein Finanzierungskonzept teilt die Odenwaldschule überrraschend mit, sie habe einen Insolvenzantrag gestellt.

          9. Juli 2015: Der letzte Schultag an der Odenwaldschule.

          1. August 2015: Das Insolvenzverfahren wird eröffnet.

          4. August 2015: Eine Gruppe von Investoren und Eltern will die Schule unter dem Namen „Schuldorf Lindenstein“ weiterführen - ein Konzept dafür wird bei den Aufsichtsbehörden eingereicht.

          2. September 2015: Die Behörden genehmigen das Konzept nicht. Das bedeutet das endgültige Aus für die Odenwaldschule.

          24. November 2016: Ein Großteil des Geländes und die Gebäude gehen an die Mannheimer Unternehmerfamilie Schaller. Auf dem ehemaligen Schulareal soll ein Wohn- und Ferienpark entstehen.

          22. Februar 2019: Zwei neue Studien gehen von einer weitaus höheren Zahl von Missbrauchsopfern aus - zwischen 500 und 900. Vermutet werden mehr als zwei Dutzend Täter. (dpa)

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