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Geisenheim : Viel Geld für Neubauten und Modernisierungen

  • -Aktualisiert am

Zukunftaussichten: Der Neubau des getränketechnologischen Zentrums verzögert sich. Bild: Cornelia Sick

Hessens jüngste Hochschule entwickelt sich gut, die Zahl der Studenten steigt. Aber der Bau des getränketechnologischen Zentrums verzögert sich.

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          Im Jahr 2020 soll die jüngste und kleinste Hochschule Hessens 1800 Studierende auf den Einstieg in den Beruf vorbereiten. Das zumindest sieht die Zielvereinbarung mit dem Land Hessen vor. Und fünf Jahre nach ihrer Gründung ist die Hochschule Geisenheim auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. 423 angehende Akademiker haben zum Wintersemester in Geisenheim ihr Studium begonnen. Laut Präsident Hans Reiner Schultz sind 1658 Studierende in Geisenheim eingeschrieben, weitere 110 nehmen an einem Master-Studiengang teil, den Geisenheim in Kooperation mit anderen Hochschulen anbietet. Und weil neue Studiengänge wie Lebensmittelsicherheit auf Interesse stoßen, ist Schultz zuversichtlich, dass Geisenheim seine Ziele als akademischer Ausbildungsbetrieb auch erreichen wird.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Geisenheim ist damit in der hessischen Hochschullandschaft in guter Gesellschaft. Im laufenden Wintersemester gibt es mit landesweit mehr als 260000 Studierenden einen neuen Rekord zu vermerken. Der Zuwachs um fast 10000 gegenüber dem Wintersemester 2016/17 ist nicht nur auf den Anstieg der inländischen, sondern auch auf den der Studierenden aus dem Ausland zurückzuführen.

          Finanzielle Grundausstattung für 2018: 24,9 Millionen Euro

          Präsident Schultz sieht sich mit seinen Kollegen in vielen Fragen einig. Es gebe einen neuen Konsens unter den hessischen Hochschulen, sagte Schultz beim Neujahrsempfang der Hochschule. Ausdruck dieses Konsenses seien gemeinsame Wahlprüfsteine an die Politik vor der nächsten Landtagswahl in Hessen und ebenso eine klare Einigkeit in der Forderung, dass der Hochschulpakt zur Finanzierung der Hochschulen und Universitäten nach 2020 fortgesetzt werden müsse.

          Schultz sieht darin ein Signal für mehr Einigkeit statt Verteilungskämpfen unter den Hochschulen. Notwendig sei auch, dass die Projektförderung zugunsten einer verlässlichen Basisförderung wieder zurückgefahren werde. Damit werde die Autonomie der Hochschulen gestärkt. Der Hochschulpräsident sieht die Erfolge seiner jungen Hochschule auch die finanzielle Förderung belegt. Die finanzielle Grundausstattung stieg seit dem Gründungsjahr 2013 von 21,2 auf 24,9 Millionen Euro im Jahr 2018. Dass die kleine Hochschule gleich an zwei große Loewe-Forschungs-Verbundprojekten beteiligt gewesen sei, wertete Schultz ebenfalls als keineswegs selbstverständlichen Erfolg. Bei der Einwerbung von Drittmitteln habe sich die Hochschule von 2,2 Millionen im Jahr 2013 auf rund fünf Millionen Euro im laufenden Jahr gesteigert.

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          Die jüngste hessische Hochschulgründung war vom Nachbarland Rheinland-Pfalz ausgelöst worden, das den Staatsvertrag zur Finanzierung der Forschungsanstalt Geisenheim überraschend gekündigt hatte. Nach der Prüfung zahlreicher Optionen hatte sich das Land entschieden, aus der Geisenheimer Dependance der Fachhochschule Wiesbaden (Hochschule Rhein-Main) und der Forschungsanstalt Geisenheim eine selbständige Hochschule zu formen.

          Keine konkreten Zusagen

          Entscheidend war allerdings das Votum des Wissenschaftsrats, der Bund und Länder in Fragen der Entwicklung von Hochschulen, Forschung und Wissenschaft berät. Er hatte nach sorgfältiger Prüfung die Zusammenführung der 1872 gegründeten Forschungsanstalt und des 1971 errichteten Fachbereichs der Hochschule Rhein-Main zu einer „Hochschule neuen Typs“ befürwortet. Die schon enge Kooperation und Verflechtung beider Einrichtungen werde „in sinnvoller Weise institutionalisiert“, stellte der in Köln ansässige Rat seinerzeit fest Maßgeblich involviert in diesen Prozess war der frühere Wissenschafts-Staatssekretär und heutige Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Ingmar Jung (CDU), der selbst aus dem Rheingau stammt und dessen Bruder - ausgebildet in Geisenheim – heute das elterliche Weingut in Erbach führt. Jung erinnerte zum fünften Geburtstag nur kurz an den „heftigen Gegenwind“, den die Hochschulgründung damals in der Landespolitik erfahren hatte. Das sei dennoch „eine gute Idee“ gewesen, gestand der damalige Bildungsreferent der SPD-Landtagsfraktion und heutige Bundestagsabgeordnete Martin Rabanus (SPD). Heute sei die Kritik verstummt, bestätigte Rabanus und sprach sich ebenfalls dafür aus, die Mittel aus dem Hochschulpakt für die Jahre nach 2020 zu verstetigen. Jung-Nachfolger Patrick Burghardt (CDU) wollte sich als neuer Staatssekretär am Tag seines Amtsantritts bei einem ersten Termin außerhalb des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst nicht auf konkrete Zusagen festlegen. Geisenheim könne aber ganz generell weiter auf die Unterstützung des Landes Hessen vertrauen.

          Die braucht die Hochschule vor allem bei der bevorstehenden Campus-Entwicklung. Insgesamt bekommt Geisenheim bis 2026 rund 75 Millionen Euro für die Sanierung von Gebäuden und die Neuordnung des Campus sowie für anspruchsvolle Neubauprojekte wie ein getränketechnologisches Zentrum, das allein mit 17 Millionen Euro veranschlagt ist. Doch das geht zäher voran als zunächst gedacht. Zwar wurden im März vergangenen Jahres die Sieger eines architektonischen Realisierungswettbewerbs gekürt. Doch Präsident Schultz erwartet inzwischen nicht mehr, dass schon in diesem Jahr die Bagger und Kräne anrollen werden. Das ist ärgerlich, aber insofern verschmerzbar, als noch immer nicht geklärt ist, wohin die 200 Stellplätze unmittelbar vor der Hochschule verlagert werden sollen, wenn dort die Baumaschinen arbeiten werden. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) sprach vor einem Jahr von einem großen Schritt in der Entwicklung des Campus für eine Einrichtung, die in der Hochschullandschaft des Landes „Juwel“ und „Solitär“ zugleich sei. Doch das Warten auf diesen Schritt dauert länger als gedacht.

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