https://www.faz.net/-gzg-9s3k1

Gedenken in der Schule : Hanau ehrt Alptug Sözen postum

Mutige Hilfe: Die Familie von Alptug Sözen und Oberbürgermeister Claus Kaminsky gestern bei der Gedenktafelenthüllung. Bild: dpa

Alptug Sözen war einer von vielen jungen Menschen, die an der beruflichen Ludwig-Geißler-Schule in Hanau für ihre Zukunft lernen und arbeiten. Nun wurde der junge Mann dort mit einer Gedenktafel geehrt.

          1 Min.

          Alptug Sözen war einer von vielen jungen Menschen, die an der beruflichen Ludwig-Geißler-Schule in Hanau für ihre Zukunft lernen und arbeiten. Doch diese Zukunft wird für den jungen Mann mit türkischen Wurzeln niemals beginnen. Abrupt wurde der Siebzehnjährige im November 2018 aus dem Kreis seiner Mitschüler gerissen. Als er gerade von einem Praktikum in Frankfurt kam, sah er an der S-Bahn-Haltestelle Ostend einen hilflosen Mann auf den Gleisen liegen. Mit einem anderen Mann versuchte der junge Mann dem schwer alkoholisierten Obdachlosen zu helfen. Dabei wurde er von einem Zug erfasst und so schwer verletzt, dass er an Ort und Stelle starb.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Schilder mit dem Schriftzug „Alptug-Sözen-Station“ und eine Gedenktafel erinnern am Unfallort an den tapferen Helfer. Seit gestern steht auch eine Tafel zu seinem Gedenken in der Hanauer Schule.

          Gestaltet wurde sie von einem Lehrer und Schülern der nahe der Ludwig-Geißler-Schule gelegenen Staatlichen Zeichenakademie. „Alptug Sözen (15.1.2001– 13.11.2018) – In ehrendem Gedenken an seine mutige und selbstlose Hilfe für einen Mitmenschen“ ist darauf zu lesen. Darunter überkreuzen sich eine dunkle und eine helle Hand, die eine helfend, die andere Hilfe suchend. Bei der Wahl des Motivs flossen nach den Worten von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Wünsche der Familie mit ein.

          Bei der Wahl des Motivs flossen die Wünsche der Familie mit ein.

          Geehrt werde an diesem Abend ein junger Mann, den die Stadtgesellschaft nie vergessen werde, sagte Kaminsky gestern. Alptug Sözen sei ohne Zögern in das Gleisbett gesprungen, ohne abzuwägen, ob es sicherer wäre, es nicht zu tun. Er habe einen Menschen in Not gesehen. Er habe geholfen. Dabei sei ihm egal gewesen, welches Geschlecht, welche Nationalität und welche Religion der Hilfsbedürftige gehabt habe. Sein Tod habe auch in Hanau große Trauer ausgelöst. Hunderte Menschen hätten sich in das Kondolenzbuch eingetragen, das im Rathaus ausgelegt worden sei.

          Im Januar habe der Magistrat beschlossen, das erste Mal in der Stadtgeschichte die Ehrenplakette der Stadt Hanau in Gold postum zu verleihen. Sie sei gedacht für Persönlichkeiten, die sich in hervorragendem Maße um die Stadt und die Allgemeinheit verdient gemacht hätten. „Sie können unendlich stolz auf Ihren Sohn sein“, sagte Kaminsky bei der Übergabe der Medaille an die Eltern.

          Weitere Themen

          Unsere Geschichte

          FAZ Plus Artikel: Mauerfall : Unsere Geschichte

          In der Nacht des Mauerfalls haben Menschen im Osten gefeiert. Andere sind früh ins Bett gegangen. Da war die Freude, da waren aber auch die Sorgen. Eine Geschichte über Neonazis, Arbeitslosigkeit und das Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz.

          Im Grenzbereich

          Deutschland : Im Grenzbereich

          DDR – was war das? Für Menschen unter dreißig ist die Mauer meist nur Stoff aus dem Geschichtsunterricht. Höchste Zeit also, sich dem Thema zu nähern. Klimafreundlich, mit dem Rad.

          Topmeldungen

          Frankfurt am Main : Stadt der Türme

          Nicht nur den Banken hat Frankfurt seine in Deutschland einzigartige Skyline zu verdanken. Auch Gewerkschaften und Seifenfabrikanten bauten schon Hochhäuser. Wir zeigen die größten und schönsten.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.
          Derzeit besonders im Blickpunkt, aber schweigsam: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann mit seiner Frau Zübeyde

          Vorwürfe gegen Feldmann : Die Stille nach dem Knall

          Die Frau des Frankfurter Rathauschefs Peter Feldmann soll als Kita-Leiterin außer einem Dienstwagen auch ein erhöhtes Gehalt beziehen. Eine politische Affäre wird daraus, falls Feldmann Einfluss genommen hat.

          Braunau : In Hitlers Geburtshaus zieht die Polizei ein

          Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat Österreich angekündigt, das Geburtshaus von Adolf Hitler in eine Polizeistation umzuwandeln. Das Haus dürfe „niemals ein Ort zum Gedenken an den Nationalsozialismus sein", so Innenminister Peschhorn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.