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Zum 100. Geburtstag : Gedenken an ermordeten Wirtschaftsminister Karry

  • -Aktualisiert am

Vertreter von FDP-Landtagsfraktion und Landesregierung am Grab des ehemaligen ermordeten hessischen Ministers Heinz Herbert Karry Bild: Helmut Fricke

Erinnerung am Grab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof: Der ehemalige hessische Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry wurde im Mai 1981 im Schlaf erschossen. Am Freitag wäre er 100 Jahre alt geworden.

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          Heinz-Herbert Karry schlief in seinem Haus in Seckbach, als die Kugeln ihn durch das offene Fenster trafen. Am 11. Mai 1981 kam der ehemalige hessischer Wirtschaftsminister durch ein Attentat ums Leben. Am Freitag wäre Karry 100 Jahre alt geworden. Abgeordnete der FDP-Landtagsfraktion um den Vorsitzenden René Rock sowie der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU), legten am Freitag einen Kranz an Karrys Grab auf dem Hauptfriedhof nieder.

          Das Attentat auf Karry war der erste Mordanschlag auf einen hessischen Politiker in der Nachkriegszeit. „Der Fall mahnt uns bis heute, wie wichtig es ist, politischen Extremismus zu bekämpfen“, sagte FDP-Fraktionschef Rock. Karrys Tod habe durch das Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und die Morde in Hanau traurige Aktualität erhalten. „Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit mehr“, äußerte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). „Wir müssen uns jeden Tag für sie einsetzen.“

          Karry wurde 1920 in Frankfurt geboren. Sein Vater wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager deportiert, Karry als sogenannter Halbjude verfolgt und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Nach dem Krieg machte er sich als erfolgreicher Schuhimporteur einen Namen. Von 1960 an saß Karry als Abgeordneter der FDP im Landtag, von 1970 bis zu seinem Tod bekleidete er das Amt des hessischen Wirtschaftsministers. Trotz großen öffentlichen Widerstands setzte sich Karry für den Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen ein. Zudem kämpfte er für den Ausbau der Autobahnen.

          Bouffier würdigte Karrys Einsatz für die hessische Infrastruktur. Er gehöre zur Generation, „die unser Land wiederaufgebaut haben“, sagte der Regierungschef. Der Mord an Karry konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Zwar bekannten sich damals die „Revolutionären Zellen“, eine linksextremistische Terrorgruppe, zu dem Anschlag. Die Täterschaft konnte ihnen aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Am Dienstag findet eine Gedenkstunde im Landtag statt.

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