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Gastronomie in Corona-Zeiten : Mit Heizpilzen und „Decke to go“ über den Winter

Kunden scheuen sich vor geschlossenen Räumen: Das Aufstellen von Heizstrahlern soll den Gastronomiebetrieben deshalb leichter gemacht werden. Bild: obs

Der Winter naht und und die ohnehin durch die Corona-Pandemie gebeutelten Gastronomen fürchten die nächste Krise: Kreative Konzepte im Hochtaunuskreis und Darmstadt sollen nun vor großen Umsatzeinbußen schützen.

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          Weil sich viele Gäste im Freien sicherer vor einer Ansteckung fühlen, sollen die Gaststätten und Restaurants in Bad Homburg die sogenannte Außenbewirtung auch weiterhin anbieten können. Der Magistrat hat beschlossen, die Sondernutzungserlaubnis für öffentliche Flächen bis zum 28. Februar 2021 zu verlängern. Damit sollen die Folgen der Corona-Pandemie für Gastronomen gemildert werden. Auch auf Gebühren verzichtet die Stadt. Von Anfang Oktober 2020 bis Ende Februar 2021 soll zudem das Aufstellen von transparenten Windschutzwänden und Heizstrahlern vereinfacht genehmigt werden. Dabei empfiehlt der Magistrat die Verwendung von Heizpilzen, die mit Strom statt mit Gas betrieben werden. Letztere sind in Bad Homburg allerdings nicht verboten, wie es in einigen Städten der Fall ist.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Viele Menschen scheuten sich, geschlossene Räume mit vielen Anwesenden aufzusuchen, so Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Deshalb sollten Gastronomen auch in der kalten Jahreszeit Gäste draußen bewirten können. Das ist sonst in der Kurstadt zwischen dem 1. November und dem 28. Februar unzulässig. Citymanagerin Tatjana Baric spricht von einer Ausnahme wegen der Corona-Situation. Seit dem Frühjahr verzichtet Bad Homburg auf die Zahlung der Sondernutzungsgebühren. Weil diese normalerweise im Winter mangels Erlaubnis nicht anfallen, entsteht durch die jetzige Regelung kein Einnahmeausfall.

          Von der Corona-Pandemie hart getroffen

          Unterdessen hat der Kreisausschuss ein Förderprogramm für die Gastronomie im Usinger Land beschlossen. Gaststätten, Restaurants und Hotels in Glashütten, Grävenwiesbach, Neu-Anspach, Schmitten, Wehrheim, Weilrod und Usingen dürfen jeweils bis zu 50.000 Euro beantragen. Mit dem Geld können sie das Haus erweitern und ausbauen oder Investitionen in Küche, Technik und Gastraum bestreiten. Für eine Erweiterung der Fläche darf es ebenso genutzt werden wie für neue Marketing- und Betriebskonzepte, um damit zum Beispiel ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

          Mit kreativen Einfällen in die Wintersaison: Die Darmstädter Gastronomen dürfen auch weiterhin kostenlose ihre Außenflächen nutzen.
          Mit kreativen Einfällen in die Wintersaison: Die Darmstädter Gastronomen dürfen auch weiterhin kostenlose ihre Außenflächen nutzen. : Bild: Stefanie Silber

          Landrat Ulrich Krebs (CDU) begründete die Zuschüsse damit, dass die Gastronomen für die Belebung der Städte und Gemeinden wichtig seien. Gerade in der ländlichen Region litten sie unter strukturellen Defiziten und würden von der Corona-Pandemie hart getroffen.

          Bewirtung wird anders aussehen

          Im städtischen Raum sieht es ähnlich aus: In Darmstadt sind Straßencafés, Biergärten und Terrassen von Restaurants gut besucht. Doch Herbst und Winter nahen und damit die Zeit, in der sich selbst der Cappuccino am Nachmittag nicht mehr ohne Frieren im Freien genießen lässt. Doch wegen der Corona-Pandemie wird auch die Innenraumbewirtung von Restaurants und Cafés in diesem Winter anders aussehen. Weniger Gäste als zuvor dürfen – und wollen – in geschlossenen Räumen sitzen. Um Gastronomen in diesen Zeiten unterstützen zu können, haben die Stadt Darmstadt, das Stadtmarketing und der städtische Eigenbetrieb EAD ein Programm für Restaurants, Cafés und ähnliche Betriebe entwickelt.

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          Wie es aus dem Rathaus heißt, dürfen Gastronomiebetriebe ihre Außenflächen von Oktober an bis zum Beginn der Freiluftsaison 2021 weiterhin kostenlos nutzen. Abgaben an die Stadt fallen nicht an. Zudem erteile die Stadt eine einmalige Erlaubnis zum Aufstellen von baugenehmigungsfreien Seitenwänden und Windfängen ohne Dach, die bis Ende März nächsten Jahres erhalten bleiben dürfen. Außerdem empfehle die Stadt den Betrieben, Decken und Kissen für Gäste bereitzuhalten, „soweit rechtlich zulässig“, wie es in einer Mitteilung heißt.

          „Decke to go“

          Da sich aber auch ohne Corona womöglich nicht jeder Restaurantgast in eine Decke hüllen möchte, die zuvor schon durch eine unbekannte Zahl von Händen gegangen ist, plant die Stadt das Projekt „Decke to go“. Dazu wolle man eine handliche, faltbare und warme Decke produzieren lassen, wie Anke Jansen vom Stadtmarketing auf Nachfrage erläutert.

          Aus wärmendem, aber nicht zu dickem Material solle sie sein und gerade so groß, um sie sich beim Sitzen im Straßencafé um die Beine wickeln zu können. Eine riesige Picknickdecke sei nicht geplant, vielmehr solle das Stück in Rucksäcke und Handtaschen passen. Weitere Details, etwa das Material, aus dem die Decke gefertigt werden soll, würden in den nächsten Tagen festgelegt. Wahrscheinlich werde die Decke auch „gebrandet“, also mit einem Logo oder einem Schriftzug versehen, so Jansen. Erhältlich sein werde sie zum Einkaufspreis beim Stadtmarketing und bei teilnehmenden Gastronomiebetrieben.

          Weil auch Heizpilze Wärme spenden, werde die Stadt Darmstadt ferner bis März 2021 darauf verzichten, das Verbot dieser als nicht umweltfreundlich geltenden Wärmequellen durchzusetzen. Zugunsten der Schausteller werde Gastronomen zudem geraten, auf Glühweinausschank in ihren Lokalitäten zu verzichten, teilte die Stadt weiter mit. Auch die Standgenehmigungen für Schausteller sollen verlängert werden und dann von Mitte November bis Anfang Januar des nächsten Jahres gelten.

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