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Fußballtraining via Video : Sauber ans Limit gehen

  • -Aktualisiert am

Ballfertig: Fabienne Schenk zeigt vor der Kamera, was ihre Schützlinge üben sollen. Bild: Frank Röth

Fabienne Schwenk, Trainerin des MFFC Wiesbaden, hat für ihre D-Jugendlichen komplette Trainingseinheiten als Video zusammengestellt. Die Einheiten sind jeweils rund 30 Minuten lang und verlangen ihren Schützlingen einiges ab.

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          Fitnesstipps im Internet haben Konjunktur, seit im März die Einschränkungen, die durch das Coronavirus hervorgerufen worden sind, nahezu das gesamte gesellschaftliche Leben lahmgelegt haben. Eine Schwemme von Ratgebern hat sich über das Netz ergossen; Fitnesscoaches machen vor, wie man zu Hause in Form bleibt, Vereinstrainer zeigen ihren Jugendlichen, wie diese ihre technischen Fertigkeiten am Ball verfeinern können.

          Fabienne Schwenk gehört zu jenen, die aus Masse herausstechen. Die D-Jugend-Trainerin des Mädchen- und Frauenfußballclubs (MFFC) Wiesbaden hat für ihre Kinder nicht nur einzelne Übungen, sondern komplette Trainingseinheiten zusammengestellt. Jeweils rund 30 Minuten, die ihren Schützlingen einiges abverlangen. „Die Mädels haben Spaß, hart zu arbeiten“, sagt die 25 Jahre alte Frau. In normalen Zeiten steht dreimal wöchentlich Mannschaftstraining auf dem Plan, „damit jedes Mädchen die Chance hat, zweimal teilzunehmen. Aber die wenigsten verpassen mal eine Einheit.“

          Die gebürtige Pfälzerin, die bis vor drei Jahren für den 1. FC Saarbrücken in der Zweiten Bundesliga aktiv war („Am liebsten direkt hinter den Spitzen, aber als Linksfuß auch auf dem Flügel“), ist stolz auf die Fortschritte, die ihre Spielerinnen in den vergangenen Monaten gemacht haben. „Und es wäre schade, wenn das, was sie gelernt haben, wegen Corona verlorenginge“, sagt sie. Aus diesem Grund habe sie die Videos konzipiert, die den regulären Trainingsbetrieb möglichst gut abbilden sollen.

          Die Wohnzimmermöbel zur Seite geschoben – und dann geht es los mit einem sechseinhalbminütigen Aufwärmprogramm. „Schön locker“, ruft Schwenk in ihre auf einem Stativ befestigte Action-Videokamera, bevor sie die Vorturnerin gibt. Hampelmann, Außen- und Innenrotation und einiges mehr. Danach wird es anstrengend, auch wenn die Übungen im zweiten Abschnitt jeweils nur 20 Sekunden dauern.

          Training läuft „nicht immer nachbarschaftsfreundlich“ ab

          Aber wenn die Mädchen die Sidesteps, bei denen jeweils eine Hand den Boden berührt, oder die beidbeinigen seitlichen Sprünge in höchster Intensität ausführen, werden sie ins Schnaufen kommen. „Grundsätzlich sollen sie dabei ans Limit gehen, die Elemente so schnell es geht ausführen“, erläutert die Trainerin. „Aber sauber. Im Zweifelsfall lieber langsam und richtig als schnell und falsch.“ Nach Stabilisationsübungen im dritten Teil kommt dann der Ball ins Spiel. Zum Beispiel für Jonglageübungen. Und spätestens das ist der Moment, in dem das Ganze „nicht immer nachbarschaftsfreundlich“ abläuft, wie Schwenk einräumt. „Ganz ohne den Lärm, den dotzende Bälle verursachen, geht es leider nicht“. . . Erst recht nicht, wenn man, wie die Trainerin, gerade keinen Fuß-, sondern nur einen Basketball zur Hand hat.

          Der Eifer, mit dem ihre Mädchen bei der Sache seien, sei beeindruckend, sagt die angehende Englisch- und Sportlehrerin, die vor ihrem Referendariat am Gymnasium im Wiesbadener Stadtteil Bierstadt steht, wo sie schon als Lehrkraft arbeitet. „Sie ziehen nicht nur das Programm durch, sondern sie notieren für unsere wöchentliche Bestandsaufnahme auch fleißig, wie oft sie trainiert haben, wie lange sie gebraucht haben und was ihnen schwergefallen ist.“ Diese Begeisterung habe sich wiederum auf sie selbst übertragen, erzählt Schwenk – „die Mädels haben mich motiviert, ein zweites Video zu drehen, auch wenn ich das Laptop manchmal am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte“.

          Auch wenn es mit Fußball zunächst nur bedingt zu tun haben werde, hofft Schwenk, nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Bestimmungen, in den nächsten Tagen wieder mit ihren Mädchen auf den Platz zurückkehren zu dürfen. Der Vorstand des MFFC wolle am Montag beraten, in welcher Form die Mannschaften wieder aktiv sein dürfen, ohne gegen die Regeln zu verstoßen. „Dann könnten wir uns endlich wieder begegnen“, sagt die Trainerin. „Den persönlichen Kontakt kann einem kein noch so gutes Lehrvideo ersetzen.“

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