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Für 9 Euro um die Welt : Ein Tag in Speyer

Dom zu Speyer: sehenswürdig und Weltkulturerbe. Bild: Frank Röth

Speyer ist UNESCO-Weltkulturerbe, Technikmuseum, Aquarium Sea Life und Brezel. Auf jeden Fall aber ist Speyer eine 9-Euro-Reise wert.

          2 Min.

          Vor dem Bahnhof nach rechts wenden und die Bahnhofstraße ungefähr 700 Meter nach Süden gehen, dann sind Sie am Postplatz, von dort geht es nach links in die Innenstadt, an deren Ende der Dom steht. Natürlich besichtigen, denn eines Tages geraten Sie mit jemandem ins Gespräch, was es eigentlich in Deutschland an UNESCO-Weltkulturerbestätten gibt und welche Sie schon gesehen haben, und dann werden Sie sich an dieses spektakuläre Gebäude, dessen Geschichte nahezu 1000 Jahre zurückreicht, erinnern. Wenn Sie den Kaiserdom verlassen, blicken Sie zwangsläufig auf das Rathaus: So sinnfällig ist das Gegenüber von kirchlicher und weltlicher Macht in den vergangenen Jahrhunderten nur selten zu erfahren. Mit dem nahe gelegenen Judenhof hat Speyer seit Kurzem noch ein zweites UNESCO-Weltkulturerbe zu bieten, Informationen dazu unter www.schumstaedte.de. In völlig anderer Weise kann man sich im Technikmuseum Speyer mit Geschichte befassen, das Museum findet sich in Laufentfernung von der Innenstadt. Und auch das „Sea Life Speyer“ ist nicht weit. Wer meint, nun sei er aber wirklich genug gelaufen, kann vom Domplatz zurück zum Bahnhof mit dem Omnibus fahren, unter anderem mit den Linien 564, 565 und 568. Die Reise dauert nur neun Minuten.

          Das Mitbringsel

          Manfred Köhler
          Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Speyer ist man stolz auf seine Brezel. Das größte Fest überhaupt ist das Brezelfest, das in diesem Jahr vom 7. bis zum 12. Juli dauert, das städtische Marketing versteigt sich gar zu der Behauptung, „Speyer ohne Brezel? Das ist wie Pfalz ohne Wein!“ Der Frankfurter, der sich ja auch mit Brezeln auskennt, bleibt bei so viel Selbstlob über die verschlungene Backware gelassen und sagt sich: Gut, kann man ja mal probieren. Pfälzischer Wein ist natürlich auch als Mitbringsel geeignet und hat den Vorteil längerer Lagerfähigkeit. In der Fußgängerzone finden sich genügend Läden mit regionalen Spezialitäten.

          Schauplatz Speyer: Das 1910 veröffentlichte Buch rundet die Reise ab.
          Schauplatz Speyer: Das 1910 veröffentlichte Buch rundet die Reise ab. : Bild: S. Fischer Verlag

          Die Reiselektüre

          Die Schlegel-Schwestern aus London machen auf der Fahrt durch die deutsche Heimat ihres Vaters gerade in Heidelberg Station, als sie hören, in Speyer gebe es einen mächtigen Dom aus uralten Zeiten. Als sie ihn besichtigen, sind sie von den Fresken, die Johann Baptist Schraudolph auf Wunsch Ludwigs I. von Bayern angebracht hat, so abgestoßen, dass sie schnell wieder zurückfahren, zusammen mit dem Ehepaar Wilcox, das sie vor der Scheußlichkeit retten.

          Daheim in England hat die Zufallsbegegnung weitreichende Folgen, von einer gelösten Verlobung bis zu einer unerwarteten Ehe, einem Totschlag und einem Kind. Was Besuche in Speyer bewirken und wie zusammenfindet, was zusammengehört, erzählt E. M. Forsters „Wiedersehen in Howards End“, 1910 erschienen und 1992 mit Emma Thompson verfilmt. Bei Fischer ist der Roman mit dem Motto „Only connect“ für 15 Euro zu haben. Auf nach Speyer. Man muss Verbindungen schaffen.

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