https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/friedhoefe-erwaegen-praeventiven-einsatz-von-kuehlcontainern-17106902.html

Hanauer Beispiel : Friedhöfe erwägen präventiven Einsatz von Kühlcontainern

Stromer: So sieht der an Hanau gelieferte Kühlcontainer aus Bild: Stadt Hanau

Am Mittwoch ist in Hanau erstmals ein Kühlcontainer genutzt worden, weil die Plätze in den Leichenhallen der Stadt belegt sind. Bisher ist die Stadt mit diesem Vorgehen eine Ausnahme. Aber andere Gemeinden informieren sich in Hanau. Engpässe gibt es in Hessen aber nicht.

          1 Min.

          Die Pessimisten haben Recht bekommen: Seit Mittwoch wird auf dem Hanauer Hauptfriedhof ein Kühlcontainer genutzt, um Tote aufzubewahren. Denn die Kapazitäten der Krankenhäuser in der Stadt sind erschöpft, und auch die übrigen Liegeplätze auf den Friedhöfen sind nach Angaben eines Sprechers der Stadtverwaltung im Augenblick belegt. Dass im Zeichen der Pandemie zusätzliche Kapazität notwendig werden könnte, das hatten die Hanauer schon im Frühjahr befürchtet und den Container gepachtet, der jetzt in Betrieb genommen worden ist. Dem Vernehmen nach stehen in den beiden Hanauer Krankenhäusern 24 Plätze für Leichen zur Verfügung, auf den sechs Hanauer Friedhöfen ist Raum für 68 Tote, mit 50 liegt der Löwenanteil auf dem Hauptfriedhof.

          Hanns Mattes
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Angaben von Braun Container handelt es sich um einen 40-Fuß-Standardcontainer, wie er zum Beispiel auch in der Frachtschifffahrt verwendet wird. Der zwölf Meter lange Container sei für jeden Gebrauch geeignet, sagt eine Mitarbeitern des Hamburger Unternehmens, das als Spezialist für solche Kühler gilt. Die Anlage lasse sich auf eine Temperatur zwischen minus 35 und plus 25 Grad einstellen und wird zum Beispiel auch genutzt, wenn Blumen oder Setzlinge transportiert werden sollen. Konkrete Preise nennt Braun Container nicht, aber die Miete für einen Kühlcontainer dürfte ein mittlerer dreistelliger Betrag im Monat sein.

          Bis zu zehn Tage so zu überbrücken

          Aufbewahrt werden Tote üblicherweise bei einer Temperatur von drei bis sechs Grad, heißt es beim Bestatterverband Hessen, bis zu zehn Tage ließen sich so überbrücken. Die Auslastung der Plätze sei dabei immer eine Momentaufnahme, wirkliche Engpässe in Hessen sieht der Verband nicht.

          Tatsächlich muss sich Hanau unter dem Aspekt der Pandemie einer besonderen Herausforderung stellen: Stand Donnerstag lag die Inzidenz bei 363, das liegt deutlich über dem hessischen Durchschnitt. Für Hessen steht eine Inzidenz von 190 zu Buche, der Main-Kinzig-Kreis kommt auf einen Wert von 266.

          Bisher nutzen offenbar noch nicht viele Kommunen Kühlcontainer, der Hanauer Verwaltung war kein Fall bekannt: Zu Beginn der Woche wurde allerdings berichtet, dass die Gemeinde Knittlingen im Kraichgau vorsorglich einen Kühlcontainer aufgestellt hat, wie unter anderem die Nachrichtenseite Kraichgau News schreibt. Auch in einer Reihe weiterer Kommunen werde derzeit ein Einsatz erwogen. Bei Braun Container ist von einzelnen Anfragen zum Beispiel von den Krematoriums-Betreibern die Rede. Der Anteil der Feuerbestattungen liegt dabei mittlerweile nach Angaben des Bestatterverbands bei an die 80 Prozent.

          Weitere Themen

          Feldmann geht, aber es dauert noch

          Heute in Rhein-Main : Feldmann geht, aber es dauert noch

          Feldmann kündigt seinen Rücktritt an. Die Emser Brücke ist wieder frei. In Frankfurt wird zu wenig gebaut, und außerdem ist die Artenvielfalt bedroht. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Bis hin zum Auftragsmord

          Operation Trojan Shield : Bis hin zum Auftragsmord

          Monatelang haben Ermittler im sogenannten Anom-Verfahren die verschlüsselte Kommunikation in der organisierten Kriminalität verfolgt. Nun haben BKA und Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zum ersten Mal eine Bilanz vorgelegt.

          Topmeldungen

          Bereits im Januar protestieren Klimaschützer gegen die geplante EU-Taxonomie zu Gas- und Atomkraft. 11:30

          F.A.Z. Frühdenker : Wie nachhaltig sind Gas- und Atomkraft?

          Die Abgeordneten des EU-Parlaments entscheiden über eine kontrovers diskutierte Frage. Boris Johnson muss sich Fragen zur Sex-Affäre stellen. Und: Auftaktspiel der Fußball-EM der Frauen mit 74.000 Fans. Alles Wichtige im F.A.Z.-Newsletter.
          Im Rechenzentrum sind Glasfaserkabel schon lange Standard.

          Internet per Glasfaser : Zwei Millimeter Zukunft

          Das hauchdünne Glasfaserkabel ist die Voraussetzung für ein superschnelles Internet. Jetzt wechseln viele Haushalte – trotz mancher Hürden und Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.