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Friedberger Burg : Mit Drohnen Rissen auf der Spur

Im Zeichen des Turms: Die ältesten Teile der Friedberger Burg stammen aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts. Bild: Marcus Kaufhold

Die Friedberger Burg gehört zu den am besten erhaltenen ihrer Art. Damit das so bleibt, müssen die alten Mauern saniert werden. Das kostet viel Geld – und noch mehr Zeit.

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          Mit Heckenscheren, Schaufeln und weiteren Arbeitsgeräten werden sich Mitarbeiter des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen in den nächsten Tagen und Wochen daranmachen, weitere Abschnitte der Mauern der Friedberger Burg von Sträuchern, rankenden Pflanzen und Flechten zu befreien. Diese Arbeiten bereiten den Fortgang der eigentlichen Sanierung der historischen Befestigungsanlagen vor. 2018 beginnt der zweite Abschnitt der auf mehrere Jahre angesetzten Instandsetzungsarbeiten. Im Fokus stehen dann die südlichen Mauern entlang des Hirschgrabens, die westlichen und südlichen Teilstücke entlang der Gießener Straße sowie das Mauerwerk an der nördlichen Zufahrt zum Burggelände.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Ist der Wildwuchs beseitigt, inspizieren Fachleute die Mauern auf Schäden. Die jetzt beginnende Analyse geschieht auch unter Einsatz von Kamera-Drohnen. Womit sich auch die schwer zugänglichen Stellen untersuchen lassen. Auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme wird der Sanierungsbedarf ermittelt und festgelegt, was im Einzelnen zu tun ist.

          Wasser drang in die Fugen

          Vor rund zwei Jahren hatte das Land als Eigentümer der Friedberger Burganlage den Auftrag für die erste Phase der Mauersanierung erteilt und dafür mehr als eine halbe Million Euro bereitgestellt. Wie viel Geld die weitere Sanierung kostet, lässt sich laut Bau und Immobilien Hessen erst sagen, wenn feststeht, was alles zu tun ist. Bei den im Herbst abgeschlossenen Arbeiten ging es vor allem um Sicherung und Renovierung der den Burggarten umgebenden Burg- und Wallmauern. Flechten hatten sich angesiedelt, Wurzelwerk von Büschen und Bäumen ließen Mörtel platzen, sprengten Teile des Gesteins heraus, so dass Fugen entstanden, in die Wasser eindrang. Das führte dazu, dass die Lücken immer größer wurden.

          Zudem hatten sich Teile der Sandsteinabdeckungen der Mauern verschoben, sie wurden dadurch instabil. Die Bauarbeiter entfernten loses Fugenmaterial und füllten Risse und Löcher. Zudem wurden Mauerkronen restauriert und Mörtelverfugungen durch Baustoffe ersetzt, die weniger witterungsanfällig sind. Auch die Schäden, die der Belag der Steinbrücke aufwies, die den Weg zur Freilichtbühne des Burggartens überspannt, wurden behoben – ebenso am Gemäuer der Bühne selbst. Um neuem Bewuchs vorzubeugen, schnitten Mitarbeiter des Gartenbaus einen Streifen vor dem Mauerring frei.

          Terrain an den Mauern wurde zu Grünparzellen

          Die Burg zählt mit knapp vier Hektar zu den größten erhaltenen Wehr- und Wohnanlagen dieser Art in Europa. Ihre ältesten Teile um den Adolfsturm stammen aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Die strategisch günstige Lage des Hügels im Norden der heutigen Innenstadt hatten lange zuvor schon die Römer erkannt und dort im ersten Jahrhundert ein Militärlager errichtet. Für Jahrhunderte war die Burggrafschaft ein eigenes Territorium im Reich und wurde von etwa 100 Burgmannen und deren Familien bewohnt. Etwa von 1600 an wandelte sich das Anwesen zunehmend zum Adelssitz mit repräsentativen Bauten.

          Da die mittelalterlichen Verteidigungsanlagen gegen neuzeitliche Waffen nur noch wenig ausrichten konnten, lockerten die Burgherren nach und nach die Befestigungsringe und wandelten das Terrain an den Mauern in Grünparzellen um. In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts ließ Burggraf Ernst Ludwig zu Breidenbach zwischen innerem und äußerem Ring nach dem Vorbild anderer deutscher Barockgärten einen kleinen Park anlegen mit Alleen, Ziergärten und Aussichtspunkten. Dass dessen Grundstruktur noch existiert, ist nicht zuletzt dem Land zu verdanken, das zu Anfang des Jahrzehnts zusammen mit Denkmalpflege und Stadt die Anlage nach alten Vorbildern sanieren und renovieren ließ.

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