https://www.faz.net/-gzg-9z2nk

Freizeitpark Lochmühle : Im Jubiläumsjahr steht die Eichhörnchenbahn

Alles steht still: Die erneuerte Wellen-Superrutsche wartet ebenso wie die anderen Spielgeräte und Fahrgeschäfte auf Besucher. Bild: Wonge Bergmann

In diesem Jahr wollte der Freizeitpark Lochmühle in Wehrheim im Hochtaunus seinen 50. Geburtstag feiern. Wegen des Coronavirus gelten allerdings nicht einmal die klassischen Wetterregeln.

          4 Min.

          Fünf Wochen blauer Himmel zum Saisonstart sind für Christine Zwermann-Meyer normalerweise ein Traum. In diesem Jahr aber ist ihr das schöne Wetter aufs Gemüt geschlagen. „Ostern bei Sonnenschein war schwierig.“ Dieser Satz aus dem Mund einer Freizeitpark-Betreiberin zeigt, dass etwas nicht stimmen kann. Am 28. März sollte die Lochmühle im Köpperner Tal bei Wehrheim für Besucher öffnen. Zwölf Tage zuvor kam die Nachricht, dass der Freizeitpark mit seinen Spielplätzen, Sprungkissen, der Traktor-Schienenbahn, den Tiergehegen und der Autoscooterhalle geschlossen bleiben muss. Bis wann, weiß die Geschäftsführerin bis heute nicht. „Die Ungewissheit ist das Schlimmste“, sagt Zwermann-Meyer. Für sie ist das regnerisch-kühle Wetter am 1.-Mai-Wochenende zum ersten Mal ein kleiner Trost. Dann ist der Unterschied zum Trubel und Kinderlachen an schönen Tagen nicht so groß.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Ausgerechnet im Corona-Jahr hätte der Freizeitpark Lochmühle ein Jubiläum zu feiern. Vor 50 Jahren, am 1. Januar 1970, meldete Theo Zwermann einen Reiterhof als Gewerbebetrieb an. Wegen eines Gelenkleidens hatte der Landwirt die Rinderzucht aufgeben müssen. Er schaffte Ponys an, auf denen alsbald die ersten Wehrheimer Kinder ritten. Dann kamen Pferde für Erwachsene hinzu, und Ausflügler konnten in dem Hof landwirtschaftliches Gerät und alte Traktoren anschauen und dabei ohne Gummistiefel Landluft schnuppern.

          Als die neue, oberhalb gebaute Landstraße die Lochmühle und ihre Reiter vom Wald abschnitt, verkaufte Zwermann die Großpferde und legte Reitplätze, eine Kutschbahn und Kinderspielplätze an. Der erste Schritt zum Freizeitpark war getan.

          Keine Besucher, viel Arbeit

          Noch immer weht einem heute beim Betreten des Geländes Stallgeruch um die Nase, und als Erstes ist Hühnergackern zu hören. Zumindest, wenn es wie jetzt nicht von Kindergeschrei übertönt wird. In einem Stall springen dunkelbraune Lämmchen um ihre Schafmutter, es gibt Ziegen und Enten. Im Bruthaus mit der Tierkinderstube können die Besucher zusehen, wie Hühner- und Entenküken schlüpfen. „Wir haben jetzt erst mal keine Eier mehr eingelegt“, sagt die Geschäftsführerin. Die Jungen bei den größeren Tieren kommen natürlich trotzdem zur Welt. „Das Fohlen bei den Ponys ist genau an dem Tag geboren worden, an dem wir aufmachen wollten“, sagt Zwermann-Meyer.

          Auf die Schließungsverfügung hin hat man in der Lochmühle die Vorbereitungen für die Saison gestoppt. „Sonst ist der Aufwand zu groß.“ Denn wenn zum Beispiel die Wagen der Eichhörnchenbahn einmal auf den Schienen seien, dürften sie dort nicht länger stillstehen. „Sonst werden die Räder durch die einseitige Belastung unrund.“ Die Baumstämmen nachgebildeten Gondeln von Robinsons Wellenfahrt etwa sind schon draußen und deshalb alle aufgebockt. Für das Jubiläumsjahr waren die alten Gondeln durch neue, geräumigere ersetzt worden. „Sie sind jetzt für längere Menschen geeignet“, sagt Zwermann-Meyer. Auch die Riesenrutsche ganz in der Nähe hat zur Feier des Jahres neue Polyesterbahnen bekommen. Bisher hat noch niemand juchzend hinabsausen können.

          Trotzdem muss auch jetzt Rasen gemäht, Unkraut gejätet und müssen die fast 400 Tiere versorgt werden. Von den 25 festangestellten Mitarbeitern ist deshalb nur ein Drittel zu 100 Prozent in Kurzarbeit, die anderen zu 50 Prozent. Sie sind in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich zum Schutz vor Ansteckung wochenweise abwechseln. Auch sechs Mitarbeiter der Gastronomie, die Zwermann-Meyers Tochter gepachtet hat, sind das ganze Jahr über angestellt. In der Saison, die von Anfang April bis zum Ende der Herbstferien reicht, arbeiten zwischen 130 und 150 Menschen im gesamten Freizeitpark. In dieser Zeit werden normalerweise die Rücklagen gebildet, die über den Winter reichen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Reaktion auf Vorsitzendenwahl : Wie Friedrich Merz seinen Trumpf verspielte

          Der Wunsch, Minister zu werden, kostet Friedrich Merz Unterstützung im eigenen Lager. Führende CSU-Leute üben sich bei Kommentaren zum neuen CDU-Vorsitzenden derweil in Zurückhaltung – um sich die Gunst des eigenen Chefs zu sichern.

          Vor dem Krisengipfel : Ruf nach echtem Lockdown wird lauter

          Vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehren sich Forderungen nach härteren Maßnahmen. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht angesichts der neuen Virus-Varianten von „besorgniserregenden Meldungen“.
          Die Seiser Alm: Unter der Woche verliert sich auf dem größten Hochplateau Europas kaum eine Menschenseele. (Symbolbild)

          Nach Lockdown wieder geöffnet : Südtiroler Sonderweg

          Nach dem Lockdown über Weihnachten und Neujahr in ganz Italien hat Südtirol seit dem 7. Januar wieder „geöffnet“ und widersetzt sich dem Lockdown.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.