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Frauenquote : Wirtschaft ist auch in Rhein-Main Männersache

Seltenes Objekt: Eine Frau in Führungsposition. Bild: DPA

Frauen in Führungsverantwortung an Deutschlands wichtigstem Wirtschaftsstandort – das ist immer noch die Ausnahme. Deutsche Bank, Commerzbank, Helaba, DZ Bank, KfW: Nirgendwo findet sich in einem Vorstand eine Frau.

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          Wer in der Frankfurter Wirtschaft das Sagen hat, lässt sich am Besten Mitte Januar mit einem kurzen Blick in die Räume der Industrie- und Handelskammer (IHK) studieren, wenn sie zum Neujahrsempfang lädt. Der Frauenanteil unter den 1500, manchmal 2000 Unternehmern und Managern? Ein Fünftel vielleicht. Zwischen den vielen Trägern schwarzer Anzüge sind sie nicht leicht auszumachen. Frauen in Führungsverantwortung an Deutschlands wichtigstem Wirtschaftsstandort – das ist immer noch die Ausnahme. Deutsche Bank, Commerzbank, Helaba, DZ Bank, KfW: Nirgendwo findet sich in einem Vorstand eine Frau. Auch nicht bei Fraport oder der Lufthansa, auch nicht bei den Dax-Konzernen in Bad Homburg, Fresenius SE und FMC. Wirtschaft ist zuallererst Männersache, im Rhein-Main-Gebiet genauso wie anderswo.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Hilft eine Zwangsquote, das zu ändern? In Berlin wird das heftiger diskutiert denn je. In der IHK Frankfurt meint man: Nein. „Unternehmen benötigen Regelungen, sie sollten aber nach wie vor selbst entscheiden können, welche Person am besten zu ihnen passt“, sagt Karen Hoyndorf, stellvertretende Präsidentin der Kammer. In der Stadt Frankfurt sagt man zu gesetzlichen Vorgaben hingegen: Ja. „Die Frauenquote muss sein“, lässt sich Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Die Grünen) zitieren, die auch Frauendezernentin ist. Eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft reiche nicht. Und wenn schon Quote, dann richtig: mindestens 40 Prozent, wie in Norwegen.

          Fehlendes Interesse ist es nicht

          Wie immer man zu den Überlegungen in der Bundesregierung auch steht: Von einem Frauenanteil in Höhe von vier Zehnteln bei wichtigen Posten ist die Wirtschaft im Ballungsraum Frankfurt weit entfernt. Wo man auch fragt, die Ergebnisse sind stets dieselben. Je weiter es auf der Karriereleiter nach oben geht, desto rarer machen sich die Frauen. Zum Beispiel die internationale Kanzlei Clifford Chance: Frauenanteil unter den Rechtsanwälten 30 Prozent, unter den Partner 16 Prozent. Hengeler Mueller: ein Drittel bei den Anwälten, bei den Partnern sind es drei von 90. Messe Frankfurt: Unter den 77 Abteilungsleitern sind 30 Frauen, unter den 20 Bereichsleitern sind es noch vier, in der Geschäftsführung findet sich nur eine, und auch das erst seit kurzem.

          Am fehlenden Interesse der Frauen am Wirtschaftsleben liegt das alles nicht. Ihr Anteil an den Bachelor-Studenten im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität liegt bei 47 Prozent. Unter den Lehrstuhlinhabern aber sind es nur noch elf Prozent.

          Nagel rät Frauen zu einem lustvollen Umgang mit der Macht

          Dabei gibt man sich allenthalben Mühe. Frauenförderung steht überall auf der Agenda. Die Unternehmen richten Betriebskindergärten ein wie bei Clifford Chance, schaffen Betreuungsplätze für den Notfall wie bei der Messe. Wenn ein Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität eine Frau bis zur Promotion führt, bekommt er für seinen Lehrstuhl 3000 Euro.

          Claudia Nagel, Landesvorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen, kann viele Gründe nennen, warum der Anteil der Frauen auf Chefsesseln trotzdem so niedrig ist. In den Unternehmen werde eine Dauerverfügbarkeit erwartet, dabei fehle es an Krippenplätzen. Männer hätten „Angst vor dem anderen“, eine Frau allein in einem Vorstand sei geradezu ein Fremdkörper. Vor allem: „Frauen haben nicht gelernt, spielerisch im Wettkampf miteinander und mit Männern zu bestehen. Bei Frauen wird es schnell ernst, und dann werden sie zickig.“

          Nagel rät Frauen zu einem lustvollen Umgang mit der Macht – und Männern, Konferenzen nicht abends um 20 Uhr anzusetzen, sondern für ihre Unternehmen vielmehr verträgliche Kernarbeitszeiten festzulegen. Dass es an genügend qualifizierten Frauen für Aufsichtsratsposten fehle, hält sie für „ein klassisches Killerargument“. Der Verband deutscher Unternehmerinnen jedenfalls habe eigens dafür eine Datenbank mit qualifizierten Frauen aufgebaut. Dort fänden sich genügend Namen.

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