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Frauenarzt aus Offenbach : Keine Lust auf Babypause

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Kinder, Kinder: Der Gynäkologe Helmut Sedlaczek an seiner Wirkungsstätte im Hanauer Klinikum. Bild: Cornelia Sick

Bei rund 20.000 Geburten hat Helmut Sedlaczek geholfen, und es sollen noch mehr werden. Trotz seiner 72 Jahre denkt der Offenbacher Frauenarzt noch nicht ans Aufhören.

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          „Ihr Kinderlein kommet.“ Wann immer Helmut Sedlaczek den Weihnachts-Evergreen gehört hat, musste er lächeln. Denn Kinder geholt hat er zuhauf. Gezählt hat er die Entbindungen nicht, aber 20.000 werden es nach Schätzung des Gynäkologen bisher wohl gewesen sein.

          „Eines wusste ich genau, ich wollte Arzt werden.“ Ganz ruhig sagt Sedlaczek diesen Satz und lehnt sich in dem leicht verschlissenen Bürostuhl zurück. „Ja, das wollte ich.“ Der Weg dahin jedoch war kurvenreich für den Offenbacher, denn bis er zum ersten Mal einen Hörsaal von innen sah, absolvierte er eine Ausbildung und drückte mit 23 Jahren nochmal die Schulbank - in der elften Klasse. „Es war eine harte Zeit“, sagt er und blickt über den Rand seiner Brille. Inzwischen ist er 72 Jahre alt und nimmt noch immer regelmäßig den Kopf des Ultraschallgerätes in die Hand, um Schwangere zu untersuchen. Sedlaczek arbeitet seit fünfeinhalb Jahren in Teilzeit als Oberarzt am Hanauer Klinikum. Zuvor hatte er Privatdozent Thomas Müller, den Chefarzt der Frauenklinik, bei einem Kongress getroffen, und der überzeugte ihn, eine pränatale Sprechstunde aufzubauen.

          „Mein Papa war schwer krank“

          „Dass ich den Weg in die Medizin geschafft habe, habe ich Gerhard Bautz zu verdanken.“ Sedlaczek erinnert sich an die soziale Ader des Rektors der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule. 23 Jahre war Sedlaczek alt, als er nach dem frühen Tod seiner Vaters und fünf Jahren Schulpause wieder jeden Tag den Unterricht besuchte. Den Sprung in die Oberstufe hatte er Jahre zuvor ausgelassen. „Mein Papa war schwer krank.“ Gearbeitet hatte er in den Chemiewerken der Hoechst AG. Als der Vater sein frühes Ende kommen sah, drängte er den Sohn, das Abitur sein zu lassen und eine Lehre zu beginnen. „Ich sollte meine Mutter unterstützen. Sie war Putzfrau und verdiente nicht viel.“

          Sedlaczek folgte dem Wunsch des Vaters. „Mir blieb ja nichts anderes übrig.“ Bei Neckermann in Frankfurt begann er eine Lehre als Werbekaufmann und ergänzte die Ausbildung mit einem Abendstudium in der Werbefachschule in Frankfurt. Doch den Katalogschönheiten kehrte er bald den Rücken, denn nach der Ausbildung rief das Vaterland: Der junge Offenbacher war für wehrtauglich befunden worden und verpflichtete sich. Nach der Grundausbildung und 18 Monaten Wehrpflicht bei einer Luftlandedivision schloss sich eine Offizierslaufbahn an. „Wenn ich schon zur Bundeswehr musste, dann sollte es sich lohnen.“ Im Rang eines Fahnenjunkers schließlich quittierte er im Dezember 1967 seinen Dienst und kehrte nach Offenbach zurück. Knapp zwei Jahre später starb sein Vater.

          Der Traum, Arzt zu werden

          Seine Mutter Elisabeth spürte jedoch, dass ihr Sohn nach wie vor davon träumte, Arzt zu werden. Sie unterstützte ihn darin, wieder die Schulbank zu drücken und das Abitur anzugehen. An der Theodor-Heuss-Schule war die Tür für den Dreiundzwanzigjährigen offen. Einzige Bedingung: Er hatte eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren, die er bestand. Sedlaczek legte dann mit der Note 1,3 eine der besten Abschlussprüfungen seines Jahrganges hin. Eine Leistung, die er seinem eisernen Willen zuschreibt, schließlich saß er an vielen Tagen sehr müde in der Schule.

          „Ich musste ja früh raus, denn ich habe Zeitungen ausgefahren.“ Für einen Presse-Grossisten belieferte er in den frühen Morgenstunden Wasserhäuschen in Offenbach und den Kommunen des Landkreises. Seiner schulischen Leistung taten die nächtlichen Touren keinen Abbruch; auch nicht die anderen Betätigungsfelder: Sedlaczek zählte 1972 zu den Gründern der Folk-Rock-Band „Merlins Fantasy Farm“. „Für mich war die Musik eine Heimat. Und ich konnte mich dabei austoben.“ Noch eine gute Seite hatte die Musik: „Ich verdiente dabei auch ein bisschen Geld und konnte meine Mutter unterstützen.“ Manchmal verließ die Band das Frankfurter Musiklokal Sinkkasten als angestammten Ort, ging einmal sogar mit Udo Lindenberg auf Tour. Eine Zeit, die ihm gut in Erinnerung geblieben ist, wie das spitzbübische Grinsen und die glitzernden braunen Augen verraten. „Ja, Udo war so gut wie nie nüchtern. Aber die Show war richtig gut.“

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