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Studium : Vom Lego-Kind zur Maschinenbauerin

  • -Aktualisiert am

Mit Roboter: Nicola Jessen (links) und Julia Eicke studieren in Darmstadt. Bild: Claus Setzer

Trotz aller Bemühungen ist der Frauenanteil in manchen Studienfächern immer noch sehr niedrig. Woran liegt das?

          4 Min.

          Julia Eicke war lieber Puppendoktor als Puppenmutti. Um die Spielzeuge ihrer jüngeren Schwester zu reparieren, hatte sie sich ein regelrechtes Ersatzteillager angelegt. Gerne versuchte sie sich auch als Miniaturbaumeisterin: „Ich war ein Lego-Kind.“ Später lebte sie ihr Schraubertalent beim Zusammensetzen von Ikea-Möbeln aus. Jetzt ist die Vierundzwanzigjährige auf dem Weg, ihre Freude am Konstruieren zum Beruf zu machen: An der Technischen Universität Darmstadt studiert Eicke Maschinenbau.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Längst ist es nicht mehr so, dass weibliche Wesen in den Vorlesungen dieses Fachs von den Karohemdträgern bestaunt werden wie ein kurioses Motorenteil. Trotzdem gehören Eicke und ihre Kommilitoninnen immer noch zu einer ziemlich kleinen Minderheit: Der Frauenanteil im ersten Bachelor-Semester Maschinenbau lag an der TU im vergangenen Jahr gerade einmal bei zwölf Prozent. 2010 waren es acht Prozent gewesen - nicht gerade ein imposanter Zuwachs. Noch weniger Wirkung hat das Werben um Ingenieur-Interessentinnen in der Elektrotechnik gezeigt. Hier stieg die Studentinnenquote seit 2010 lediglich von acht auf zehn Prozent.

          Vorbilder in der Familie beeinflussen die Studienwahl

          „Es bewegt sich was, aber es muss noch besser werden“: So fasst der Sprecher der TU die Resultate der Bemühungen zusammen, mehr Schulabgängerinnen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (kurz Mint) zu begeistern. Deutlicher als etwa in der Elektrotechnik sei der Fortschritt in der Physik zu erkennen. Dort habe sich der Frauenanteil im ersten Semester binnen sechs Jahren von 18 auf 29 Prozent erhöht. Nach den Worten ihres Sprechers versucht die TU mit einer ganzen Reihe von Angeboten, weiblichen Nachwuchs in die Mint-Fächer zu locken. Es gebe den „Girls Day“ und „Schnuppertage“ in den Fachbereichen, ein Programm namens „Technik braucht Vielfalt“, das sich an Oberstufenschülerinnen aus Zuwandererfamilien richte, und außerdem Mentorinnen-Netzwerke. Die Einflussmöglichkeiten der Hochschulen seien allerdings begrenzt: Viele Voraussetzungen dafür, dass sich Abiturientinnen für eine Mint-Disziplin entschieden, würden in den Schulen geschaffen.

          Das bestätigen viele Studentinnen und Wissenschaftlerinnen. Vor allem stimmen sie der These zu, dass Vorbilder in Schule und Familie einen großen Einfluss auf die Studienwahl haben. Michaela Altmeyer etwa hatte einen „ganz tollen Mathelehrer“, der ihre Begeisterung für logisches Denken weckte. Dies führte die junge Frau zu einem Fach mit hohem Mathe-Anteil: der theoretischen Physik. Derzeit schreibt Altmeyer an einer Dissertation über Supraleitung. Ihr „Doktorvater“ an der Uni Frankfurt ist ebenfalls eine Frau: Physikprofessorin Maria Roser Valenti. Deren Eltern waren zwar keine Forscher, sondern Unternehmer, aber sie ermutigten die Tochter, ihren Weg zu gehen - was im Spanien der achtziger Jahre deutlich mehr Courage erfordert haben dürfte als heutzutage. Valenti hat noch Professoren erlebt, die Studentinnen fragten, was sie eigentlich an der Uni zu suchen hätten. „Die alte Schule eben“, wie es die ehemalige Vizepräsidentin der Goethe-Uni höflich umschreibt.

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