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Frankfurter Kreuz : Ein Kleeblatt für die Autofahrer

Vier Blätter: Das Frankfurter Kreuz hat dazu beigetragen, dass aus der Mainmetropole das wurde, was sie ist. Bild: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Das Frankfurter Kreuz ist mit 350.000 Fahrzeugen täglich der größte Verkehrsknoten Deutschlands. Staus bleiben dabei nicht aus – doch die Situation könnte sich verschlechtern.

          5 Min.

          „Stau am Frankfurter Kreuz.“ Autofahrer kennen diesen Satz. Wenn er aus dem Autoradio dringt, ahnt der Geschäftsreisende, dass er seinen Termin versäumen oder zumindest verspätet eintreffen wird. Lastwagenfahrer telefonieren dann mit ihrer Spedition und kündigen eine Verzögerung an. Und im Urlauber-Auto quengeln die Kinder: „Wann geht’s endlich weiter?“

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer vor oder im Frankfurter Kreuz im Stau steht, kann sich immerhin damit trösten, dass es früher schlimmer war. Viel schlimmer. Vor dem 1995 begonnenen, fünf Jahre dauernden Umbau von Deutschlands meistbefahrenem Autobahnkreuz herrschte dort mehr oder weniger Dauerstau. Auch wenn der Verkehr weiterhin dicht ist, morgens und abends teilweise stockt und sich an Messetagen oder zu Ferienbeginn an der Kreuzung der Autobahnen A3 und A5 Schlangen bilden – die Situation hat sich deutlich verbessert.

          Die Straßenverwaltung hat deshalb auch keine Pläne für einen abermaligen Umbau oder eine Vergrößerung. Die Straßenbauer von Hessen Mobil, die noch bis zur Arbeitsaufnahme der neuen Bundesautobahngesellschaft am 1. Januar 2021 die hessischen Autobahnen und damit auch das Frankfurter Kreuz im Auftrag des Bundes betreiben, sehen sich in der glücklichen Lage, dass sie bei der Modernisierung in den neunziger Jahren Deutschlands größtem Verkehrsknoten so viel Luft verpasst haben, dass es dort zwei Jahrzehnte später immer noch recht ordentlich läuft. Lediglich die Rampe, die von der A3 aus Richtung Köln auf die A5 in Richtung Darmstadt führt, soll demnächst zweispurig ausgebaut werden, wie Hessen Mobil berichtet. Zudem bestehen Pläne, den sechs Spuren der A3 in Richtung Mönchhofdreieck noch zwei hinzuzufügen.

          Blick über das Frankfurter Kreuz, das die Bundesautobahnen A5 und A3 miteinander im Süden Frankfurts verbindet. Bilderstrecke

          Heute bereiten den Verkehrsplanern andere Kreuze im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet mehr Kopfzerbrechen, zum Beispiel das Offenbacher Kreuz, wo viel häufiger Fahrer im Stau stecken und oft nur meterweise vorankommen. Weitere Sorgenkinder sind das Nordwestkreuz, das Westkreuz und das Wiesbadener Kreuz. Sie alle sind teilweise marode und haben nicht mehr genügend Kapazität, um den stark gewachsenen Verkehr zu verkraften. Deshalb stehen sie im Gegensatz zum Frankfurter Kreuz als vordringliche Ausbauprojekte im bis zum Jahr 2030 reichenden Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen.

          350.000 Fahrzeuge passieren derzeit täglich das Frankfurter Kreuz. 2006, am 50. Geburtstag von Deutschlands leistungsfähigstem Verkehrsknoten, waren es noch 40.000 weniger, nämlich 310.000 Autos, Lastwagen und Motorräder innerhalb von 24 Stunden. Geht man zurück auf das Jahr 1966, erscheinen einem die damaligen Verhältnisse mit 130.000 Fahrzeuge am Tag geradezu beschaulich. Man kann an dieser Auflistung ablesen, dass das Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen kontinuierlich zugenommen hat.

          Der Höhepunkt dürfte noch lange nicht erreicht sei, es sei denn, es gelänge tatsächlich eine Verkehrswende, die mehr Güter auf die Schiene bringt und mehr Pendler und Reisende in Busse und Bahnen. Denn noch immer nimmt der Auto- und vor allem der Lastwagenverkehr zu, wie man bei einer normalen Fahrt vom Norden in den Süden Deutschlands bemerkt: Immer länger werden die Lastwagenschlangen, die sich vor bestimmten Abfahrten und sensiblen Stellen stauen.

          Das Frankfurter Kreuz passieren pro Tag 35.000 Fahrzeuge mehr als noch vor 10 Jahren.

          Seit Polen und andere osteuropäische Länder zur Europäischen Union hinzugestoßen sind, entwickelte sich Deutschland mit seinem gut ausgebauten Autobahnnetz immer stärker zu einem Transitland für den Warenverkehr auf dem Kontinent. Und dieser Trend hat nach den Prognosen der Verkehrsforscher sein Ende noch nicht erreicht.

          Das Kleeblatt, das 1956 südwestlich von Frankfurt als erstes deutsches Autobahnkreuz vollendet wurde, hat sich für Frankfurt als ein vierblätteriger Glücksbringer erwiesen. Mit dem Frankfurter Kreuz konnte die Mainmetropole ihre schon in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angepeilte Position als zentraleuropäischer Knotenpunkt für den Straßen-, Bahn-, Flussschiffs- und Luftverkehr endgültig einnehmen. Mit der Anbindung des Flughafens an das ICE-Netz und die damit verbundene Untertunnelung des Frankfurter Kreuzes wurde diese Position nur noch gestärkt.

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