https://www.faz.net/-gzg-z7fz

Frankfurter Flughafen : Warten auf Schallschutz

Die Werbung auf dem Bauch des Flugzeugs kann man vom Balkon aus lesen. Bild: Helmut Fricke

Wann können Anlieger des Frankfurter Flughafens Geld für Schallschutzfenster erwarten? Diese Frage ist fünf Monate vor der geplanten Inbetriebnahme der neuen Landebahn ungeklärt.

          2 Min.

          Fünf Monate vor der geplanten Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen ist ungewiss, wo und wann Anwohner Geld für den Einbau von Schallschutzfenstern erwarten können. Darauf hat die Fluglärmkommission hingewiesen und das Verkehrsministerium aufgefordert, die rechtlichen Grundlagen aus Sicht der Bürger zu verbessern. Aus Wiesbaden hieß es, man arbeite daran, die Vorstellungen lägen nicht mehr weit auseinander. Nach Informationen dieser Zeitung würde ein, verglichen mit den gesetzlichen Standards, großzügigeres Programm des passiven Schallschutzes die Kosten von rund 100 auf bis zu 140 Millionen Euro erhöhen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Ansprüche allein nach dem Gesetz reichten in vielen Kommunen nicht aus, die nach dem Ausbau des Flughafens entstehenden neuen Belastungen zu mildern, sagte der Vorsitzende der Kommission, der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD). Der Landtag soll daher nach den Vorstellungen des beratenden Gremiums, in dem die Landkreise, Städte und Gemeinden im Umland des Flughafens, aber auch der Flughafenbetreiber Fraport AG und die Lufthansa sowie die Landesregierung vertreten sind, eine Rechtsverordnung beschließen, die den Schutz ausdehnt.

          Sechsjährige Übergangsfrist

          Dazu muss das Ministerium zunächst jene Zonen ausweisen, in denen die Anwohner dann von Fraport verlangen können, die Dämmung und Belüftung ihrer Häuser und Wohnungen zu finanzieren. Das vor einigen Jahren novellierte Fluglärmschutzgesetz sieht im Fall des Ausbaus eines Flughafens eine sechsjährige Übergangsfrist für solche Ansprüche vor. Nach Ansicht der Kommission ist das unangemessen lange. In Flörsheim etwa würde das bedeuten, dass man auch für Kindergärten, die unter der Einflugschneise der neuen Landebahn liegen, diese Frist abwarten müsse, ehe man die Mittel erhalte, um Schallschutzfenster und eine Belüftungsanlage einzubauen, sagte Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD).

          In dem fast einstimmigen Beschluss der Fluglärmkommission heißt es, mit der Inbetriebnahme der Bahn im Oktober sollten auch die Schutzvorkehrungen getroffen sein. Zudem spricht sie sich dafür aus, die Grenzwerte für die Nachtschutzzonen von 53 Dezibel (A) Dauerschallpegel oder sechs „Einzelschallereignissen“ von 72 Dezibel auf 50 respektive 68 zu senken. Außerdem soll eine Härtefallregelung gelten, nach der im Umkreis von 200 Metern der Zonen der passive Schallschutz noch gewährt wird. Damit will man absurde Konstellationen verhindern, wie sie nach dem alten Programm mit sehr exakten Grenzen mitunter aufgetreten waren. Während auf der einen Seite der Straße auf Kosten von Fraport gedämmt wurde, blieb der Hauseigentümer gegenüber auf den Kosten sitzen.

          Über das Jahr berechneter Durchschnittslärm

          Schließlich plädiert die Kommission für eine „realistische“ Betrachtung. Dem Betroffenen nütze es nichts, wenn nur der über das Jahr berechnete Durchschnittslärm einigermaßen gedämpft werde, je nach Windrichtung aber es einige Hundert Mal so extrem laut werde, dass an Schlaf nicht zu denken sei, hieß es. Der Erster Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) verwies in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen, meist eher schlecht gedämmten Dachgeschosswohnungen in Offenbach.

          Weitere Themen

          Externe sollen Vorwürfe aufklären

          Kita-Affäre der Awo : Externe sollen Vorwürfe aufklären

          Nach Negativ-Schlagzeilen und Ermittlungen setzt die Frankfurter Awo auf externe Berater. Trotz Aufklärungsversprechen fordert die CDU eine Bücherprüfung durch den Magistrat. Zwei führende Vertreter des Kreisverbands Wiesbaden lassen ihre Ämter ruhen.

          So ist das Leben

          Autorin Nora Bossong : So ist das Leben

          Kein Schutz, nirgends: Den Kranichsteiner Literaturpreis erhält die Autorin Nora Bossong nicht nur für ihr jüngstes Buch „Schutzzone“, sondern für ihr gesamtes Werk. Die Jury lobt ihr vielseitiges Talent und die Verknüpfung mit literarischen Fragen.

          Topmeldungen

          Nobelinsel Martha’s Vineyard : Ein neues Haus für die Obamas

          Martha’s Vineyard ist eine der exklusivsten Wohnadressen in den Vereinigten Staaten. Jetzt darf sich die illustre Reihe Prominenter dort über neue Nachbarn freuen – sofern man die Obamas auf ihrem riesigen Anwesen zu Gesicht bekommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.