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Frankfurter Flughafen : Die neuen Flugrouten sind bisher nur grob festgelegt

Wegziehen oder den Fluglärm aushalten? Diese Frage stellen sich im Moment viele Bewohner in den um den Frankfurter Flughafen liegenden Gemeinden. Bild: dapd

Soviel ist schon klar: Mit der Nordwest-Landebahn ändert sich das bisherige „System“ der Flugrouten rund um den Frankfurter Flughafen. Die definitiven „Flugverfahren“, wie es nach dem Gesetz korrekt heißt, arbeitet die Flugsicherung derzeit aus.

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          In und um Berlin, wo der neue Großflughafen im Juni 2012 den Betrieb aufnehmen soll, ist die Aufregung in diesen Tagen groß. Bürger aus Kleinmachnow und Potsdam, aber auch Bewohner der Villen am Wannsee fühlen sich hinters Licht geführt. Sie befürchten, ihr Leben künftig unter dem Dröhnen der Turbinen führen zu müssen. Selbst der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kann die Proteste gegen „geheime“ Flugrouten nicht mehr weglächeln. Als Aufsichtsrat des Flughafens Berlin-Brandenburg, musste er sich dieser Tage sogar Pfiffe gefallen lassen, als er Verständnis für die Demonstranten äußerte.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Frankfurt wird nach Fertigstellung der Nordwest-Landebahn schon vom Herbst 2011 an ein neues, um ein Potential von 40 Prozent größeres „System“ zur Verfügung stehen. Das letzte Wort zu den An- und Abflugrouten ist aber auch in der Rhein-Main-Region noch längst nicht gesprochen.

          Bedenken der Kommunen sind zu berücksichtigen

          Böse Überraschungen wie in Berlin seien nicht zu erwarten, beruhigt die Deutsche Flugsicherung in Langen. Allerdings stehen die Linien am Himmel über der Region, wie sie die DFS schon vor acht Jahren grob gezogen hat, noch unter Vorbehalt. Die Routen sind nicht im Planfeststellungsbeschluss festgeschrieben und können auch nicht vor Gericht angefochten werden.

          Die definitiven „Flugverfahren“, wie es nach dem Gesetz korrekt heißt, arbeitet die DFS derzeit aus. Den Entwurf legt sie anschließend der Fluglärmkommission vor, in der die Kommunen im Umfeld des Flughafens vertreten sind. Deren Anregungen und Bedenken hat das Bundesamt für Flugsicherung zu berücksichtigen, wenn es voraussichtlich im Frühjahr nach den Kriterien „Sicherheit, Kapazität, Lärm“ entscheidet.

          Politik auf Lärmteppich ausgerichtet

          Das wird besonders knifflig, weil in den nächsten Wochen auch im Zuge des „aktiven Schallschutzes“ noch Verfahren getestet werden sollen, wie dicht besiedelte Gegenden umkurvt werden könnten. Was die Region insgesamt entlasten soll, ruft jene Kommunen – etwa im Kreis Offenbach – auf den Plan, die fürchten, dadurch erstmals in einem erheblichen Maße beschallt zu werden.

          Ungeachtet dessen wurde in den vergangenen drei Jahren, seit der hessische Verkehrsminister den Ausbau genehmigte, schon so manche Entscheidung gefällt. Im Privaten etwa, wo manche Bürger für sich festgelegt haben, wo im Umfeld des Flughafens sie es riskieren wollen, ein Haus zu kaufen, und wo sie ihre Immobilie lieber veräußern. Aber auch die Planungen der Kommunen sind schon seit längerem stark auf den wahrscheinlichen Lärmteppich ausgerichtet – nicht zuletzt, weil sich für die Areale unter den Flugschneisen vielerorts Siedlungsbeschränkungen ergeben.

          Keine Änderung des Fluglärmgesetzes in Sicht

          Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), der Vorsitzende der Frankfurter Fluglärmkommission, sieht einen Verteilungskampf dennoch nicht so sehr in der Linienführung der Routen sondern in dem Maß ihrer „Belegung“ voraus. Ein „Mischmasch“ aus den Routen, wie sie vor dem Ausbau galten und jenen, die neu festgelegt werden, sei zu vermeiden, mahnt er. Städte wie Flörsheim und Offenbach, die durch die neue Landebahn stark belastet würden, müssten sich darauf verlassen können, dass die im neuen System in Aussicht gestellten Entlastungen vom Bundesamt verbrieft würden: Keine Starts über Flörsheim bei Westwind, bedeutend weniger Anflüge über Offenbach Richtung einer der Parallelbahnen. Gerade in Offenbach, wo aufgrund des Fluglärms kaum noch Siedlungsareale ausgewiesen werden können, sei es eminent wichtig, wenigstens in dann ruhigeren Zonen die Bebauung „nachzuverdichten“ zu können.

          Die vor kurzem im Kreistag Groß Gerau erhobenen Forderung, die Öffentlichkeit müsse zu den An- und Abflugrouten, die nach dem Ausbau des Frankfurter Flughafens gelten sollen, gehört werden, es bedürfe sogar eines Planfeststellungsverfahrens, zielt aller Voraussicht nach ins Leere. Das Fluglärmgesetz müsste dazu im Eiltempo geändert werden. Dafür gibt es aber nicht die geringsten Anzeichen.

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