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Frankfurt : Weniger Schub, umkurven, sanfter landen

Bild: F.A.Z.

Der Frankfurter Flughafen steht wieder einmal vor einer Premiere. Diesmal geht es allerdings nicht um die Einführung eines neuen Superflugzeuges, sondern um ein Paket von veränderten Start- und Anflugverfahren sowie technischen Neuerungen.

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          Der Frankfurter Flughafen steht wieder einmal vor einer Premiere. Diesmal geht es allerdings nicht um die Einführung eines neuen Superflugzeuges, sondern um ein Paket von veränderten Start- und Anflugverfahren sowie technischen Neuerungen an bestimmten Flugzeugen – alles mit dem Ziel, den Fluglärm in der Region deutlich zu verringern.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Der bereits angekündigte Einbau von lärmmindernden Paneelen in Triebwerke die Boeing-737-Flotte der Lufthansa, für den die Fluggesellschaft einen einstelligen Millionenbetrag ausgeben will, ist dabei noch eines der einfacheren Vorhaben. Bei der Kombination von veränderten Anflug- und Startverfahren wird es sehr viel komplizierter.

          Einen lautlosen Flughafen wird es nie geben

          Gleichwohl sind die Pläne, die Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gestern am Frankfurter Flughafen vorstellte, in gewisser Weise sogar spektakulärer als beispielsweise die Indienststellung des Airbus 380 vor einigen Wochen. Denn das Paket, das den Titel „Aktiver Schallschutz“ trägt, ist bislang nirgendwo sonst so geschnürt und realisiert worden, wie es aus dem Kreis der Mitglieder der Expertengruppe heißt. Eine Weltpremiere also, die allerdings zum Teil unter dem Vorbehalt steht, dass die Internationale Zivilluftfahrtorganisation respektive die Bundesbehörden die nötigen Ausnahmegenehmigungen erteilen.

          Bild: F.A.Z.

          Ein lautloser Flughafen sei natürlich nie zu erreichen, aber mit dem vorliegenden ersten Paket werde eine signifikant niedrigere Belastung der hochbelasteten Anwohner möglich, sagte Koch. Damit sei bewiesen, dass, ungeachtet aller juristischen Auseinandersetzungen, Kommunen, Luftverkehrswirtschaft und Flugsicherung über alle Vorbehalte hinweg gemeinsam erfolgreich daran arbeiten können, die aktuelle Situation zu verbessern. Das sei eine beachtliche Leistung, und er freue sich persönlich sehr, dass er diesen entscheidenden Schritt in einer seiner letzten Amtshandlungen als Ministerpräsident mitvollziehen dürfe. Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), der auch Vorsitzender der Fluglärmkommission und Mitinitiator der Paketlösung ist, nannte das Konzept, das trotz aller Differenzen gelungen sei, „revolutionär“. Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte sprach von einer „Kulturänderung“.

          Immer noch ausstehende Entscheidung zum Nachtflugverbot

          Berechnungen zufolge könnte durch das Bündel der anstehenden Veränderungen der Lärmindex – ein Parameter, der in Zahlen fasst, wie viele Menschen sich wie stark belästigt fühlen – verglichen mit heute zum Teil erheblich sinken. In den derzeit besonders stark in Mitleidenschaft gezogenen Gebieten im Umland des Frankfurter Flughafens wird ein Rückgang am Tag um 16 und in der Nacht um mehr als 40 Prozent erwartet. In der für den Ausbau des Flughafens bedeutsamen Perspektive bis 2020 hochgerechnet, könnte der Lärmindex um 6,6 Prozent in den besonders betroffenen Gebieten sinken, in der Region insgesamt um knapp zwei Prozent. Wegen der ausstehenden gerichtlichen Entscheidung zum Nachtflugverbot haben die Experten allerdings keine Prognose für die Situation in der Nacht im Jahr 2020 abgegeben.

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