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Frankfurt : Wegen Ehec wird weiter wenig Salat verkauft

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Eigentlich eine Idylle:der Erlenbach bei Frankfurt. Noch gibt es keine Ehec-Entwarnung. Bild: Reuters

Rückkehr zur Normalität, das ist derzeit der größte Wunsch der Gemüsebauern in der Region. Aber auch Fachleute hoffen auf eine Beruhigung, nach den Ehec-Funden im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach.

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          Rückkehr zur Normalität, das ist derzeit der größte Wunsch der Gemüsebauern in der Region. Aber auch Fachleute hoffen auf eine Beruhigung, nach den Ehec-Funden im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach. Für den Riedhof ist der erste Schritt hin zur Normalität getan. Der Frankfurter Gemüsebetrieb, der Anfang vergangener Woche wegen Ehec-Funden gesperrt worden war, ist seit Mittwoch wieder geöffnet.

          Ob es bald auch eine Entwarnung für den Erlenbach geben wird, ist derzeit offen. In dem Bach, der vom Taunus durch den Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach und weiter nach Bad Vilbel und dort in die Nidda fließt, war vor einer Woche in Höhe von Nieder-Erlenbach erstmals in Deutschland im Wasser eines Bachs die gefährliche Ehec-Variante des Typs O 104 entdeckt worden. Wie das Sozialministerium mitteilte, liegen die Ergebnisse weiterer Wasserproben noch immer nicht vor.

          Anlage wurde gereinigt und desinfiziert

          Beim Riedhof, einem großen Gemüseanbaubetrieb in Nieder-Erlenbach, dessen Produktionsschwerpunkt auf der Grünen Soße und Kräutern liegt, waren auf einem Salat Ehec-Keime entdeckt worden. Bei Folgeuntersuchungen in der Waschwasseranlage des Hofs, mit der der Salat gereinigt wird, fanden sich ebenfalls Erreger. Der Hof wurde daraufhin geschlossen. Es handelte sich jedoch nicht um die gefährliche Variante des Darmbakteriums vom Typ O 104, der in den vergangenen Wochen zu Todesfällen geführt hatte.

          Wie Riedhof-Geschäftsführer Steffen Gerlach am Mittwoch mitteilte, sind die Mängel an der Salatwaschanlage durch Reinigung und Desinfektion behoben worden. Die Anlage befinde sich nun „auf dem neuesten Stand der Trinkwasserverordnung“. Der Brunnen, aus dem das Wasser entnommen wird, sei nie kontaminiert gewesen. Und Gerlach betonte, dass sein Hof auch kein Wasser aus dem Erlenbach entnehme. Auf dem Riedhof sei man nun „riesig erleichtert“ und wolle die Kunden wieder mit „frischem, sauberem und schmackhaftem Gemüse“ versorgen.

          Fachleute raten, insbesondere den Ehec-Fund im Erlenbach nicht überzubewerten

          Das Umweltministerium hat dem Betrieb allerdings eine stärkere Eigenkontrolle auferlegt, und auch die Behörden wollen den Hof „eng“ überwachen. Das sei ein ganz übliches Verfahren, teilte Ministeriumssprecher Thorsten Neels mit. Wirtschaftliche Folgen durch die Ehec-Funde in Nieder-Erlenbach hat aber nicht nur der Riedhof zu tragen. Bei Albert Kunna, einem der großen Salatbauern in Frankfurt, der ebenfalls in Nieder-Erlenbach ansässig ist, bleiben die Kunden weg. Zunächst hatte er unter der bundesweiten Ehec-Krise gelitten. Nachdem nicht mehr vor dem Verzehr von Salat, Gurken und Tomaten gewarnt wurde, hat Kunna nach eigenen Angaben für wenige Tage im Hofladen wie im Frankfurter Großmarkt, dem Frischezentrum, glänzend verkauft. „Dann kam dieser Mist“, sagt er und verweist auf die Schließung des Riedhofs und den Ehec-Fund im Erlenbach. Die Kunden differenzierten nicht. „Unsere Salate kommen aus Nieder-Erlenbach, also werden sie nicht gekauft“, so Kunna. „Wir sitzen im Epizentrum – für uns ist das brutal.“ Dass er nur Wasser aus dem Brunnen nutze und dieses eine Entkeimungsanlage durchlaufe, das interessiere niemanden.

          Auch seine Kollegen in der Region haben sich von der Verzehrwarnung vor rohem Gemüse bisher nicht erholt. „Das ist eine Katastrophe, die Situation ist verheerend“, sagt Christoph Geißler, der einen großen Gemüsehof in Klein-Gerau betreibt. Er verkaufe bis zu 50 Prozent weniger Gemüse, beim Salat seien es bis zu 80 Prozent. Dabei produziert sein Betrieb in der Woche 250.000 Salatköpfe in der Woche. „Die Leute sind völlig verunsichert.“

          Dabei raten Fachleute, insbesondere den Ehec-Fund im Erlenbach nicht überzubewerten. „Natürlich können Kinder an den Bächen spielen“, sagt Rainer Fuchs vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie, nur sollten sie dies nicht in unmittelbarer Nähe der Abwasserrohre der Kläranlagen tun. Bachwasser sollte generell nicht getrunken, und nach dem Spielen sollten die Hände gewaschen werden. Das Rhein-Main-Gebiet sei ein Ballungsraum, da befänden sich an den Bächen Kläranlagen. Doch das Wasser werde in diesen Anlagen „auf sehr hohem Niveau gereinigt, aber eben nicht desinfiziert“. Selbst die Tatsache, dass der Ehec-Fund im Erlenbach gemacht wurde, ist seiner Ansicht nach nicht dramatisch: „Das hätte irgendwo anders auch passieren können“, so Fuchs, „in einem Bach ist Leben drin, da gibt es nicht nur Fische.“

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