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Hessische Forstpolitik : Jäger sollen den Wald retten

Das Land hat die Jagdzeiten auf Rehe verlängert und den Jagdbeginn vorverlegt, um den Wald schützen – zum Ärger der Waidmänner. Bild: dpa

Geschädigter Wald: In Hessen dürfen Jäger seit 1. April auf Rehböcke und einjährige Rehe schießen, um die Wiederaufforstung zu unterstützen. Waidmänner halten die Forstpolitik für verfehlt.

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          Das Land hat die Jagdzeiten auf viele Tierarten verlängert und den Jagdbeginn vorverlegt. Auf Rehböcke und einjährige Rehe dürfen die Jäger schon seit 1. April schießen. Das soll die Wiederaufforstung des geschädigten Walds unterstützen. Die im Landesjagdverband Hessen organisierten Waidmänner sind aber unzufrieden, weil das Land damit einseitig Forderungen des Waldbesitzerverbands und des Ökologischen Jagdvereins übernommen habe.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Eine Reduzierung der Schonzeit für Rehe auf Februar und März ist laut Jagdverband „weder wildbiologisch noch sachlich gerechtfertigt“. Sein Geschäftsführer Alexander Michel spricht von einem „Vernichtungsfeldzug“ gegen das Rehwild. Das Land trage mit der neuen Verordnung eine verfehlte Forstpolitik auf dem Rücken des Wilds aus. Wenn es nur noch darum gehe, das Wild schnell zu töten und Kosten für Forstgatter oder Baumschutzzäune einzusparen, stelle sich die Frage, welcher Schritt als Nächstes zu erwarten sei.

          Laut Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) kann die Aufforstung aber nur gelingen, wenn „wir die Schalenwildbestände auf einem ökosystemverträglichen Niveau halten, da Schalenwild vor allem an jungen Setzlingen frisst und diese zerstört“. Eine Allianz aus Interessensverbänden des Waldes und des Naturschutzes ist auch dieser Ansicht und begrüßt die Vorverlegung der Jagdzeit. Damit werde „eine wichtige Voraussetzung für den ,erfolgreichen Waldumbau‘ geschaffen, den der Klimawandel durch die Dürre der letzten Jahre ausgelöst hat“, meinen Christian Raupach vom Hessischen Waldbesitzerverband und Jörg Nitsch vom BUND Hessen. Sie loben die schnelle Reaktion der Landesregierung.

          Hessenforst sieht in der Verordnung einen Beitrag zur Wiederbewaldung großer Kahlflächen mit artenreichem Mischwald. Erfreulicher Nebenaspekt für Hessenforst: Frisches Wildfleisch stehe einen Monat früher als üblich zur Verfügung. Für Michael Gerst, Leiter von Hessenforst, zählen Rehe zu den „beeinflussbaren Risikofaktoren“ für junge Bäume, die „zum klimastabilen Mischwald von morgen“ heranwachsen sollen. Wer Rehfleisch esse, unterstütze den Mischwald von morgen.

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