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Sexueller Missbrauch : Forscher beklagt mangelnden Aufklärungswillen in katholischer Kirche

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Erschüttert vom Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen als auch auch „der Umgang der Verantwortlichen damit“: Forscher Harald Dreßing. Bild: EPA

Die Katholische Kirche tut zu wenig, um Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche aufzuklären. Das meint der Wissenschaftler Harald Dreßing, der im Auftrag der Kirche an einer Studie gearbeitet hat.

          Der Wissenschaftler Harald Dreßing, der das Studienprojekt über Missbrauch in der deutschen katholischen Kirche geleitet hat, beklagt einen mangelnden Aufklärungswillen in weiten Teilen der Institution. Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen als auch auch „der Umgang der Verantwortlichen damit“ hätten die Forscher erschüttert, sagte Dreßing in Fulda bei der Vorstellung der Untersuchung (siehe auch Kasten unten).

          Er sagte, die Missbrauchsthematik sei keineswegs überwunden. „Das Risiko besteht fort“, sagte der forensische Psychiater, der am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim arbeitet. „Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass es in der katholischen Kirche Strukturen gab und gibt, die den sexuellen Missbrauch begünstigen können“, sagte er.

          Gründe dafür seien beispielsweise der Missbrauch klerikaler Macht, die Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit (Zölibat) sowie ein innerkirchlich „problematischer Umgang“ mit dem Thema Sexualität, vor allem mit der Homosexualität.

          Dreßing sagte, wenn die Kirche die Missbrauchsthematik in Zukunft wirklich überwinden wolle, müsse sie sich mit diesen Themen „ernsthaft und mit dem Mut zur Veränderung“ befassen.

          Die Studie ergab unter anderem, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben sollen. Dreßing gehört einem unabhängigen Forschungskonsortium an, das von der Deutschen Bischofskonferenz vor viereinhalb Jahren mit dem Studienprojekt beauftragt worden war.

          Offiziell 85 Missbrauchsopfer im Bistum Limburg

          Das Bistum Limburg hat sich im Umgang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche selbstkritisch gezeigt. „Im Bistum Limburg sind wir in der Vergangenheit falsche Wege gegangen, uns diesem Thema wirklich zu stellen“, sagte Generalvikar Wolfgang Rösch anlässlich der Vorstellung einer Studie, die den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche in den vergangenen Jahrzehnten bundesweit dokumentiert. Bei dieser Aufarbeitung seien 85 Opfer von Übergriffen im Bistum bekannt geworden, teilte die Diözese mit. Es gebe 92 Beschuldigte, sowohl Priester als auch Diakone und kirchliche Mitarbeiter, ein Teil davon gilt als überführt.

          Rösch bat die Opfer um Entschuldigung. „Die Studie zeigt uns, dass wir aus Sorge um das Ansehen der Kirche die Folgen des Missbrauchs und das Leid der Opfer nicht genug wahrgenommen haben“, sagte er. Das dürfe sich nicht wiederholen. „Der Schutz der Opfer muss oberste Priorität haben“, sagte der Generalvikar. Nichts dürfe mehr vertuscht oder verschleiert werden. Das Bistum Fulda wollte ebenfalls noch am Dienstagnachmittag zur Studie Stellung nehmen.

          Die Untersuchung ergab unter anderem, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben sollen. Kritikern geht die Analyse nicht weit genug. (lhe)

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