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Folgen der Trockenheit : Wald-Sperrung als letztes Mittel

Feuer nahe des Frankfurter Flughafens: Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu Waldbränden. Bild: dpa

Wegen seiner vielen Laubbäume ist Hessen kein typisches Waldbrandland. Doch auch hier züngelt es immer öfter. Die Schuld trägt fast immer der Mensch, obwohl er unter den Folgen am meisten leidet.

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          Meist genügt ein kleiner Funke, und nicht immer trägt der Mensch die Schuld. Wenn Wälder brennen, können auch Blitzeinschläge oder Vulkanausbrüche die Ursache sein. Durch den Klimawandel und die globale Erwärmung kommt es laut wissenschaftlichen Studien zu deutlich mehr Blitzen und in der Folge auch zu mehr Waldbränden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Ursache von Feuer im Forst zu ermitteln gelingt in vielen Fällen aber nicht. Blitzschlag spielt nach einer Studie des Umweltbundesamtes allenfalls bei fünf Prozent der Waldbrände eine Rolle, in Hessen sind es laut Umweltministerium in der Rückschau auf zehn Jahre sogar nur zwei Prozent. Meist sind es Brandstiftung und das unvorsichtige Verhalten von Waldbesuchern sowie Fahrlässigkeit bei forst- und landwirtschaftlichen Arbeiten, die Flammen den Weg bereiten.

          Der Eindruck, dass es immer öfter brennt im Wald, trügt nicht. 2018 gab es mit 1708 Waldbränden deutschlandweit die höchste Zahl seit 15 Jahren. 2019 waren es mit 1523 unwesentlich weniger. Im heißen und trockenen Jahr 2003 waren es 2524. Dass Waldbrände in Deutschland und Hessen nichts Außergewöhnliches sind, belegt die Statistik: Im Mittel der Jahre zwischen 1993 und 2017 wurden 978 Waldbrände registriert.

          Seit 1977 gibt es eine Waldbrandstatistik. Demnach brannte es 2018 auf einer Fläche von 2350 Hektar und 2019 sogar auf 2711 Hektar, während das langjährige Mittel nur bei rund 500 Hektar liegt. Der Schaden wurde 2018 auf 2,67 Millionen Euro geschätzt und 2019 auf 2,2 Millionen. Das ist jeweils deutlich mehr als der Mittelwert von 1,28 Millionen. In Hessen waren die Schäden mit 91.000 Euro im Jahr 2018 und 115.000 Euro im Jahr 2019 aber sehr gering, weil kleinere Bodenfeuer auf geringer Fläche die Regel sind.

          Appelle an die Waldbesucher

          Der dritte trockene und heiße Sommer in Folge hat die Waldbrandgefahr abermals steigen lassen. Am meisten betroffen sind allerdings fast immer die Bundesländer Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Vor allem in Brandenburg mit seinen sandigen Böden und Kiefernwäldern brennt es häufig. Im Jahr 2019 immerhin 417 Mal, in Hessen wurden hingegen nur 84 Brände (2018: 139 Brände) notiert. Dabei blieb in 51 Fällen die Ursache ungeklärt, aber 26 Brände waren vorsätzlich gelegt worden. Fünf Feuer waren der Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit einiger Camper geschuldet. Das zeigt auch, dass es schwierig ist, das Gros der Waldbrände allein durch Appelle an die in der Regel umsichtigen Waldbesucher und Camper zu vermeiden. Bis Ende Juli dieses Jahres registrierte das Umweltministerium schon 70 Waldbrände. Das Niveau bleibt somit erwartungsgemäß hoch.

          Der Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Christian Raupach, hält die Waldbrandgefahr in Hessen aktuell sogar „für so hoch wie noch nie“. Seine Erklärung ist einfach: Wegen der langen Trockenheit beginnen jetzt einige Laubbäume, trockene Blätter abzuwerfen, die am Boden leicht entzündlich sind. Und wegen der Borkenkäferplage und der Beseitigung abgestorbener Fichten liegt viel Reisig auf den verbliebenen Kahlflächen, das leicht entzündlich ist.

          Dass die Gefahr der Waldbrände hoch ist, zeigen nicht nur die jüngsten Feuer am Feldberg, am Flughafen und bei Liederbach. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht täglich einen Waldbrandgefahren-Index, der Hessen aktuell der zweithöchsten Stufe zuordnet. Raupach erwartet absehbar eine Steigerung in die höchste Kategorie. Spätestens dann stellt sich für ihn die Frage, ob die Wälder für Besucher gesperrt werden. Nicht nur um Fahrlässigkeit auszuschließen, sondern auch um Gefahren zu minimieren, die eigentlich als waldtypisch gelten.

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