https://www.faz.net/-gzg-abbau

Folgen der trockenen Sommer : In Sorge ums Trinkwasser

  • -Aktualisiert am

Quellfrisch: Um die Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, will sich Taunusstein ein besonderes Konzept geben Bild: dpa

Um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, arbeitet die Stadt Taunusstein an einem Konzept. Unterstützt wird sie dabei vom Land Hessen.

          3 Min.

          Hitzewellen und anhaltende Trockenheit haben die Wasserversorgung im gesamten Rhein-Main-Gebiet in den vergangenen Jahren vor große Herausforderungen gestellt: Die Grundwasserpegel waren stark gesunken und haben sich offenbar noch immer nicht ganz erholt. Die Stadt Taunusstein will nun ein Konzept erarbeiten, wie die Kommune die Wasserversorgung ihrer Bürger dauerhaft sicherstellen kann. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) übergab Taunussteins Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) am Montag einen Förderbescheid über 36.000 Euro als Landeszuschuss für das Konzept.

          Die Bürger in der größten Stadt des Rheingau-Taunus-Kreis werden sich auf höhere Wasserpreise einstellen müssen. Zwölf Millionen Euro investiert Taunusstein in den nächsten fünf Jahren in den Ausbau der Wasserhochbehälter, damit an besonders heißen Tagen der Spitzenverbrauch abgefedert werden kann. Derzeit können in 14 Hochbehältern 6000 Kubikmeter Trinkwasser und 3000 Kubikmeter Löschwasser gespeichert werden. Insgesamt soll das Fassungsvermögen schrittweise um weitere 6000 Kubikmeter ausgebaut werden. Ersten Schätzungen zufolge wird der Wasserpreis um 36 Cent pro Kubikmeter steigen. Derzeit beträgt der Preis 3,21 Euro je Kubikmeter. Die Steigerung läge damit bei mehr als zehn Prozent.

          Es geht aber um mehr, denn aufgrund der heißen Sommer ist die Trinkwasserförderung der Taunussteiner Brunnen in den vergangenen Jahren laut Zehner massiv zurückgegangen, während zugleich der Verbrauch in der wachsenden Stadt stieg. „Das bedeutet, dass wir mittlerweile sehr stark auf den Fremdwasserbezug angewiesen sind“, sagte der Bürgermeister. Rund 730.000 Kubikmeter Wasser fördert Taunusstein im Jahr selbst; etwa 960.000 Kubikmeter Wasser kauft die Stadt ein. Der kommunale Versorger Hessenwasser liefert aus anderen Regionen Trinkwasser nach Taunusstein. Daher soll das Konzept die Trinkwasserversorgung dauerhaft sicherstellen, denn das gesamte Rhein-Main-Gebiet hat Durst.

          Neues Konzept bis Ende des Jahres

          Das Konzept wird von den Stadtwerken gemeinsam mit einem Ingenieurbüro erstellt. Seine Fertigstellung ist bis Ende des Jahres geplant. Es umfasst unter anderem Analysen zur Wassernutzung und den -ressourcen, sowie zum absehbaren Wasserbedarf. Hinzu kommen neue technische Möglichkeiten zur Wassereinsparung und zum Einsatz von Brauchwasser. Die Prognosen sollen für Zeiträume bis 2030 und bis 2050 erstellt werden. Am Ende des Prozesses wird ein Aufgabenkatalog erarbeitet.

          „Die Klimakrise ist in vollem Gange“, warnte Hinz und erinnerte daran, dass sich aufgrund der heißen Sommer in den vergangenen drei Jahren weniger Grundwasser gebildet habe. „Wir müssen uns darum sorgen, dass wir langfristig die Versorgung mit Trinkwasser sicherstellen“, sagte die Ministerin.

          Dabei soll das sogenannte Wasserressourcen-Management helfen. Einer der Bausteine dieses Plans seien die Wasserkonzepte der Städte, so die Ministerin. Außer Taunusstein werden derzeit fünf Städte vom Land gefördert, weitere 25 Anträge seien in Vorbereitung. Hinz geht davon aus, dass in Hessen noch in diesem Frühjahr die erste Wasserwarnmeldung ausgegeben werden müsse, denn trotz des nassen Winters sei die Grundwasserbildung unterdurchschnittlich. „Wir werden auf Dauer mit niedrigeren Grundwasserpegeln leben müssen“, meinte die Ministerin.

          Brauchwasser für die Industrie und Kühlung in Rechenzentren

          Sowohl Zehner als auch Hinz wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Einsatz von Brauchwasser, etwa in der Industrie oder zur Kühlung großer Serversysteme in Rechenzentren, eine der Lösungen für künftiges Wassersparen sein könnte. Für Brauchwasser würde jedoch eine zweite Wasserleitung benötigt. Solche Konzepte könnten im Aufgabenkatalog der Stadt aufgelistet werden. „Es besteht die Möglichkeit, innovative Pilotprojekte, die aus dem Wasserkonzept resultieren, mit einer Quote von 70 bis 90 Prozent zu fördern“, stellte Hinz in Aussicht.

          Um schon diesen Sommer auf eine eventuelle Wasserknappheit vorbereitet zu sein, hat die Stadt eine virtuelle Wasserampel geschaltet. Auf der Homepage der Stadtwerke wird tagesaktuell unter www.stadtwerke-taunusstein.de veröffentlicht, wie groß die Wasservorräte und der Verbrauch sind. Steht die Ampel auf Grün, gibt es keine Einschränkungen. Nach mehreren Tagen überdurchschnittlichen Wasserverbrauchs springt sie auf Gelb und Autowaschen, Pools befüllen sowie die Gebäudereinigung sind nicht mehr erlaubt. Von der Stufe Rot an ist auch das Bewässern von Gärten und Rasen verboten. Ein spezielles Warnsymbol zeigt an, wann und ob der Wassernotstand eingetreten ist.

          Dann darf Wasser nur noch für Körperpflege, Trinken, Kochen und die Toilettenspülung genutzt werden. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Eine entsprechende Verordnung hatte der Magistrat 2020 beschlossen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neue Nummer drei: Elise Stefanik im Januar 2020 nach Trumps Freispruch im Weißen Haus.

          Machtkampf der Republikaner : Aufstieg einer glühenden Trumpistin

          Die vergangenen Tage haben eindrücklich gezeigt: Auch nach der Wahlniederlage hat Donald Trump die Fraktion der Republikaner unter Kontrolle. Sein neuester Coup ist die Beförderung von Elise Stefanik.

          Nahost-Konflikt : Hamas feuern Raketen auf Jerusalem

          Gegen 18 Uhr Ortszeit wurden aus Gaza-Stadt Dutzende Raketen in Richtung Jerusalem abgefeuert – ein Zivilist wurde verletzt. Auf dem Tempelberg ist ein weithin sichtbares Feuer ausgebrochen.
          Cybergangster kommen nicht durchs Tor: Tankanlagen an einer Abzweigung im Pipeline-System von Colonial im Bundesstaat Alabama

          Hackerangriff auf Pipeline : Lösegeld für das schwarze Gold

          Eine Cyberattacke in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt den Transport von Öl. Sollten die Folgen anhalten, könnten auch hierzulande Öl und Benzin nochmal teurer werden.
          Hat gut lachen: Hamburgs Interimstrainer Horst Hrubesch (rechts) klatscht mit HSV-Spieler Moritz Heyer ab.

          5:2 gegen Nürnberg : Mit Hrubesch läuft es beim HSV

          Mit Interimstrainer Horst Hrubesch siegt Hamburg gegen Nürnberg deutlich. Damit wahrt der HSV eine kleine Chance auf den Aufstieg. Doch auch Konkurrent Kiel holt gegen Hannover drei Punkte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.