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Flugplatz Egelsbach : Zum Jubiläum eine Kooperation mit Calden

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Ein rauschendes Fest wird nicht gefeiert; zum Jubiläum übt sich die Hessische Flugplatz GmbH (HFG) in Bescheidenheit: Am 1. Oktober 1955 - vor genau 50 Jahren - hat der Flugplatz Egelsbach den Betrieb aufgenommen.

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          In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Start- und Landebahn um 410 Meter auf 1400 Meter verlängert. Wegen des rund zehn Millionen Euro teuren Ausbaus schreibt die Betreibergesellschaft derzeit rote Zahlen. Geschäftsführer Peter Lehmann hofft jedoch, schon bald wieder ein "schwarzes" Ergebnis ausweisen zu können. 2004 wurde ein Umsatz von 1,4 Millionen Euro erwirtschaftet; für das laufende Jahr peilt die HFG eine deutliche Steigerung an.

          Seit 40 Jahren ist Egelsbach der am meisten angeflogene Platz der Allgemeinen Luftfahrt in Deutschland; in diesem Jahr werden sich die Flugbewegungen auf eine Zahl zwischen 80 000 und 85 000 summieren. Täglich von 7 bis 21 Uhr starten und landen in Egelsbach Maschinen mit einem Gesamtgewicht bis zu 20 Tonnen. Am Frankfurter Flughafen bleiben dadurch Kapazitäten für größere Flugzeuge frei. Seit 1987 gibt es einen Interessengemeinschaftsvertrag mit der heutigen Fraport AG; der Betreiber des Rhein-Main-Airports beteiligt sich seither mit einem Investitionskostenzuschuß von jährlich bis zu etwa 250 000 Euro an Projekten in Egelsbach, die dazu geeignet sind, den Frankfurter Flughafen vom Klein- und Geschäftsreiseverkehr zu entlasten.

          An der HFG sind der Kreis Offenbach über die KVBG Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft mbH mit 39,22 Prozent, die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH mit 33,44 Prozent, die Gemeinde Egelsbach mit 11,01 Prozent, die Stadt Langen mit 9,44 Prozent und die Stadtwerke Langen mit 6,89 Prozent beteiligt; das Stammkapital beträgt rund 3,2 Millionen Euro.

          Eine strategische Zusammenarbeit ist die HFG mit dem Flugplatz Welzow an der Grenze zu Polen und einem weiteren Platz in der Nähe von Prag eingegangen. Gestern kam ein weiterer Partner hinzu: Lehmann und der Geschäftsführer der Flughafen GmbH Kassel, Jörg Ries, unterzeichneten einen Vertrag, der eine intensive Zusammenarbeit des Flugplatzes Egelsbach mit dem Flughafen Kassel-Calden regelt. Die Kooperation erstreckt sich auf den Einkauf von technischem Gerät, sicherheitstechnische Fragen und auf das "Auftreten" bei Verbänden und Behörden. Angesichts eines zunehmenden Kostendrucks sei "jeder gezwungen, Synergien, wo immer möglich, für sich in Anspruch zu nehmen", sagte Lehmann. Die Kooperation solle auch dazu dienen, mit dem Land eine Verkehrskonzeption "unterhalb des Flughafens Frankfurt" zu erarbeiten, hob Ries hervor.

          Kassel-Calden, derzeit mit einer 1500 Meter langen Bahn ausgestattet, die aus technischen Gründen nicht verlängert werden kann, soll eine neue, 2500 Meter lange Piste bekommen. Die Kosten für den - durchaus umstrittenen - Ausbau des nordhessischen Flughafens, auf dem jährlich 35 000 Flugbewegungen abgewickelt werden, werden mit 150 Millionen Euro beziffert. Dahinter stehe die Idee, Kassel-Calden zum "vollgültigen Verkehrsflughafen" zu entwickeln, sagte Ries.

          Das Know-how, das die HFG beim Ausbau in Egelsbach erworben habe, könne sie dem Flughafen Kassel-Calden zur Verfügung stellen, sagte Landrat Peter Walter (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der HFG ist. Die Kooperation zeige, "daß wir in Hessen verstanden haben, worum es im Luftverkehr geht".

          Am Egelsbacher Flugplatz haben sich inzwischen 28 Unternehmen angesiedelt; 648 Menschen sind dort beschäftigt, davon 40 bei der HFG. Der Standort werde für Gewerbetreibende interessanter. Lehmann appellierte an die Gemeinde Egelsbach und das Umland, "die Chancen, die sich daraus ergeben, auch zu nutzen". Innerhalb des Flugplatzzauns sei man "nicht annäherungsweise" in der Lage, Investoren die benötigten Flächen zur Verfügung zu stellen. Lehmann hofft, daß sich in absehbarer Zeit "flugaffines Gewerbe" - also Firmen, die die Nähe zum Flugplatz benötigen - an der nördlichen oder nordöstlichen Peripherie ansiedeln kann.

          Ein Büroneubau mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern sei beschlossen; auch ein Hotel oder Niederlassungen von Luftfrachtunternehmen kann sich Lehmann vorstellen.

          Im März 2006 soll zudem mit dem Bau einer Flugzeughalle für etwas größere Jets, die aber immer noch unter der 20-Tonnen-Grenze liegen, begonnen werden; diese Maschinen seien wirtschaftlicher zu betreiben, könnten größere Distanzen fliegen und lösten daher zunehmend die bisher üblichen Turbo-Prop-Flugzeuge ab. Die Kosten der Halle werden auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Angebote von Investoren liegen vor; die HFG prüft jedoch, ob sie das Gebäude nicht selbst errichtet.

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