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Flughafengegner im Porträt : Der Unermüdliche

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Der 2. November 1981, als das Hüttendorf geräumt wurde, war für Treber ein tiefer persönlicher Einschnitt. Er erkannte die eigene Ohnmacht gegen, wie er es noch immer sieht, übermächtige Fremdbestimmung und Missachtung der Interessen jener, in deren Lebensraum eingegriffen werde. Es folgten Szenen, die manche Beobachter als „bürgerkriegsähnlich“ beschrieben, die Blockade der Autobahn, Zehntausende strömten zwei Wochen in Wiesbaden zusammen, um dem Volksbegehren gegen den Bau der Startbahn West Nachdruck zu verleihen. In Frankfurt kam es mehrere Tage lang zu Straßenschlachten mit der Polizei.

Acht Prozent für die Grünen im Jahr 1982

Viele der ehemaligen Aktivisten gaben nach und nach auf. Die Schüsse an der Startbahn, als auf den Tag sechs Jahre nach der Räumung des Hüttendorfs zwei Polizisten starben, hatten mit der einstigen Bewegung nichts mehr zu tun. Aber sie war damit, sagt Treber, desavouiert.

Noch heute, beim Kräutertee an seinem Wohnzimmertisch, spricht der Mörfelder von einem „Kahlschlag aus Staatsräson“, von einem nicht wieder gutzumachenden Eingriff in die Natur. In der Rückschau sorgte der damals ausgelöste Impuls für die ökologische Protestbewegung jedoch auch dafür, dass der damals Einunddreißigjährige rund ein Jahr später dort einzog, wo die Exekutive sich rechtfertigen muss. Er gehörte zu den neun Abgeordneten, die die Grünen nach ihren sensationellen acht Prozent bei der Landtagswahl 1982 stellten.

Auf den Fotos aus jener Zeit blickt ein junger Mann mit sorgfältig gestutztem Backenbart etwas ernst, aber entschlossen in die Kamera. Doch es gibt auch ein Bild von Dirk Treber im Hintergrund einer improvisierten Pressekonferenz, auf dem er die Hände vor das Gesicht schlägt. Es sei eine sehr bewegte, aber sehr interessante Zeit gewesen, erinnert er sich heute. Dazu gehörten turbulente Redeschlachten im Landtag, ein unbedingtes imperatives Mandat, soll heißen, politische Orders aus teils chaotischen Mitgliederversammlungen oder die Blutspritzattacke des Grünen-Abgeordneten Frank Schwalba-Hoth auf einen amerikanischen General.

Für Treber dauerte das Warmlaufprogramm der jungen Protestpartei im politischen Betrieb zweieinhalb Jahre, dann wurde der stellvertretende Fraktionsvorsitzende rausrotiert, kurz bevor die Realos unter Führung von Joschka Fischer die Tolerierung der SPD-Regierung durchsetzten. Der Sozialwissenschaftler blieb allerdings im Parlament als Mitarbeiter der „Landtagsgruppe“, wie man sich in Abgrenzung zu den etablierten Parteien nannte. Aus dieser Zeit ist er noch freundschaftlich mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann verbunden, den Fischer 1986 als Grundsatzreferenten ins hessische Umweltministerium geholt hatte.

Treber wechselte in die Kommunalpolitik, zunächst als Fraktionsvorsitzender im Landkreis Groß-Gerau, von 1989 an als hauptamtlicher Stadtrat in Mörfelden-Walldorf, unter anderem zuständig für Wasser, Energie und Abfall. Später arbeitete er frei, auch journalistisch, inzwischen ist er im Vorruhestand.

Er will sich nicht total verweigern

Sein Mentor Kurt Oeser hatte sich vor fast eineinhalb Jahrzehnten bereit erklärt, an der Mediation mitzuwirken. Dass es Ziel dieses vom damaligen Ministerpräsidenten Hans Eichel (SPD) angestrebten Dialogs mit der Region war, die Startbahn bauen zu können, daran zweifelte Oeser nicht. Aber er hielt seinen vielen Kritikern unter den Ausbaugegnern stets entgegen, wenn er sich verweigere, werde es am Ende weniger Schutz für sie geben.

Dirk Treber ist heute sehr skeptisch, ob seiner Partei in der Koalition mit der CDU in Hessen die „Quadratur des Kreises“ gelingen und sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens und zugleich die Lebensqualität der Menschen sichern könne. Dennoch ist er in gewisser Weise Oesers Erbe angetreten. Er sieht sein Engagement in der Fluglärmkommission, deren Vorstand er seit 2006 angehört, ähnlich pragmatisch, obwohl er diese Vokabel eigentlich nicht so mag.

Treber, nun selbst ergrauter Kämpfer, ist sich des Spagats bewusst, den Ausbau weiterhin nicht als legitim anzuerkennen und dennoch darüber zu beraten, wie die Folgen abgemildert werden könnten. Aber das sei, sagt er, immer noch sinnvoller, als sich total zu verweigern.

Zur Person

Dirk Treber wurde 1951 in Mörfelden geboren und lebt dort noch heute. Er studierte in Frankfurt Sozial- und Politikwissenschaften und Volkswirtschaft. Nach dem Studium blieb er zunächst an der Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später betrieb er Feld- und Marktforschung. 1982 zog er als einer der ersten Politiker der Grünen in den Hessischen Landtag ein, wurde einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Zweieinhalb Jahre später musste er nach dem sogenannten Rotationsprinzip den Platz im Parlament räumen, blieb aber zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion im Landtag.

1989 wurde Treber hauptamtlicher Stadtrat in Mörfelden-Walldorf. Schon elf Jahre zuvor hatte er in seiner Heimatstadt die Bürgerinitiative gegen die Erweiterung des Flughafens mitgegründet. Er wirkt seit damals zudem bei der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms mit, dem ersten Verein dieser Art in Deutschland. Er ist „kritischer Aktionär“ des Flughafenbetreibers Fraport AG und gehört seit vielen Jahren der Kommission an, die das hessische Verkehrsministerium berät, wie Fluglärm zu vermeiden oder zu verringern sei.

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