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Flughafenausbau : Stiller Ticona-Abschied aus Kelsterbach

Der neuen Landebahn im Weg: das alte Ticona-Werk in Kelsterbach Bild: AP

Der Kunststoffhersteller Ticona hat in seinem alten Werk in Kelsterbach die Produktion heruntergefahren - ohne viel Aufhebens darum zu machen. Das Werk weicht der neuen Landebahn und wird abgebaut, die neue Fabrik soll im Juli unter Volllast laufen.

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          Die Zeit der sogenannten Flughindernisse auf dem Gelände des Chemiewerks Ticona in Kelsterbach läuft ab. Im Juli und August sollen vor allem die Schornsteine einzelner Produktionsstätten weichen, jedenfalls rechtzeitig vor der Inbetriebnahme der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens. So sieht es der Plan des Tochterunternehmens des Chemiekonzerns Celanese mit Sitz in den Vereinigten Staaten vor. Wie ein Sprecher weiter sagte, hat Ticona die chemische Produktion in Kelsterbach eingestellt - ohne viel Aufhebens darum zu machen. Am Pfingstmontag stellte Ticona dort letztmals einen Kunststoff namens Hostaform her, der vor allem von Automobilbauern verarbeitet wird. Zudem findet sich dieses Produkt in der Medizintechnik und in Konsumgütern wieder.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rund 110.000 Tonnen Hostaform konnte die Ticona jährlich in Kelsterbach herstellen - im neuen Werk im Industriepark Höchst sollen es bis zu 140.000 Tonnen sein. Nach Angaben des Celanese-Sprechers fährt derzeit ein Großteil der bisher in Kelsterbach tätigen Mitarbeiter die neue Anlage auf dem Stammgelände der früheren Hoechst AG im Westen Frankfurts hoch. Bis Ende Juli, spätestens aber im August soll der Produktionsbetrieb stabil laufen und die Ticona die notwendigen Mengen an Hostaform herstellen können.

          „Kostenneutrale Verlagerung“

          Das neue Werk für rund 320 Mitarbeiter zählt zu den größten Bauvorhaben der Chemieindustrie in Europa seit dem Jahr 2000 und wurde wegen des Ausbaus des Frankfurter Flughafens nötig: Die Kelsterbacher Anlage befindet sich in der Einflugschneise der neuen Landebahn. Deshalb kam Celanese mit dem Flughafenbetreiber Fraport Ende 2006 nach längeren Verhandlungen überein, die Fabrik umzusiedeln. Fraport zahlte dafür 670 Millionen Euro; dieser Betrag dient der „kostenneutralen Verlagerung“, wie es bei Celanese heißt. Wie viel er in die neue Fabrik tatsächlich investiert hat, sagt der Konzern nicht. Ticona hat mit Fraport 2006 auch vereinbart, die Produktion in Kelsterbach bis 30. Juni 2011 zu beenden; zu Jahresbeginn teilte das Unternehmen dem Flughafenbetreiber dann mit, dies bis spätestens 31. Juli zu schaffen.

          Höchst bekam den Zuschlag nach einem Auswahlverfahren, in dem Celanese eine Vielzahl von Standorten in Deutschland prüfte. 2008 begannen die Arbeiten für den Neubau. Im Juni 2010 fuhr die Ticona in Höchst dann einen Teil der Produktion schon probeweise hoch.

          Rohrleitungen werden durchgespült

          Derweil ruht die alte Fabrik keineswegs. „Es ist nicht so, dass jemand am 30. Juni ins Werk kommt, eine Fanfare ertönt und ein roter Knopf gedrückt wird, um die Produktion zu beenden“, hob der Sprecher hervor. Vielmehr spülen rund 50 Mitarbeiter noch die Rohrverbindungen aus und entfernen die restlichen Chemikalien aus der Hostaform-Anlage, wie der Sprecher erläuterte. Erst wenn dies geschehen ist, kann das Werk vollständig demontiert werden.

          Der Abbau wird viele Monate dauern. Bis Ende 2013 soll die Demontage gemäß der Übereinkunft mit Fraport abgeschlossen sein und nichts mehr an das Werk erinnern, in dem derzeit noch eine Anlage zur Kunststoffveredlung läuft. Auch dort sollen laut Celanese bis Mitte Juli die Arbeiten eingestellt werden. Im Gegensatz zum Hostaform-Betrieb zieht die Kunststoffveredlung nicht nach Höchst um. Dieser Teil der Produktion wird vielmehr vollständig nach Kaiserslautern verlagert; ein Teil ist schon in der Pfalz angesiedelt.

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