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Flughafenausbau : Fraport einigt sich mit Ticona

  • Aktualisiert am

Aufatmen beim Frankfurter Flughafenbetreiber Bild: ddp

Der amerikanische Chemiekonzern Celanese hat seinen Widerstand gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens aufgegeben. Gegen eine Entschädigung von 650 Millionen Euro wird das in der Nähe des Flughafens gelegene Chemiewerk Ticona geschlossen.

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          Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt ist seiner umstrittenen vierten Landebahn einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Der amerikanische Chemiekonzern Celanese gibt seinen Widerstand gegen den Ausbau gegen eine Entschädigung von 650 Millionen Euro auf und schließt das in der Nähe des Flughafens gelegene Chemiewerk Ticona in Kelsterbach südlich von Frankfurt. Mit der am Mittwoch veröffentlichten Vereinbarung verteuert sich das Ausbauprojekt für Flughafenbetreiber Fraport um 20 Prozent auf vier Milliarden Euro.

          Die Fraport-Aktie büßte gut vier Prozent auf 55 Euro ein. Analysten und Händler werteten die Einigung positiv, finden die Kosten aber zu hoch.

          Betriebsbeginn verschoben

          „Wir wollen Sicherheit im Zeitplan“, sagte Fraport-Chef Wilhelm Bender. Mit dem Verzicht von Ticona auf eine Klage gegen die Ende 2007 erwartete Ausbaugenehmigung für den Flughafen werde „ein wesentliches Risiko für die zeitgerechte Inbetriebnahme der Landebahn beseitigt“. Zugleich hat Fraport aber den voraussichtlichen Betriebsbeginn erneut nach hinten verschoben. In der Vereinbarung mit Celanese ist von Mitte 2011 die Rede, ein Jahr später als zuletzt vom Vorstand avisiert.

          Wie Fraport und Celanese nach monatelangen vertraulichen Gesprächen mitteilten, soll das Werk spätestens im Juni 2011stillgelegt werden. Fraport übernimmt die Grundstücke und zahlt die Entschädigung in mehreren Raten. Parallel will die Celanese-Tochter Ticona in Deutschland ein neues Kunststoffwerk aufbauen. Als Standorte sind der Industriepark auf dem nahen Gelände der ehemaligen Chemiefirma Hoechst im Westen Frankfurts, aber auch Ostdeutschland im Gespräch.

          Beschäftigungsgesellschaft für Ticona-Mitarbeiter

          Fraport sicherte zu, Ticona-Beschäftigte in eine Beschäftigungsgesellschaft zu übernehmen, falls sie durch die Verlagerung ihren Arbeitsplatz verlieren sollten. Im Ticona-Werk fertigen rund 900 Beschäftigte technische Kunststoffe.

          Die Verantwortlichen von Celanese, die dem Finanzinvestor Blackstone gehört, begründeten die Einigung ebenfalls mit Planungssicherheit. Die hessische Landesregierung hatte wiederholt mit einer Enteignung von Ticona gedroht und dies auch als Möglichkeit in der Landesplanung verankert.

          Nun werden die Details ausgehandelt. Der Vertrag muß auch von der Hauptversammlung der Fraport AG im Mai gebilligt werden. Eine knappe Mehrheit der Aktien ist im Besitz des Landes Hessen (31 Prozent) und der Stadt Frankfurt (20 Prozent).

          Lufthansa warnt vor höheren Gebühren

          Die Deutsche Lufthansa, Hauptnutzer des Flughafens und mit knapp zehn Prozent auch Fraport-Aktionär, begrüßte die Einigung als wichtigen Schritt zum Bau der dringend benötigten Landebahn. Das Wachstum der Luftfahrt gehe wegen der Kapazitätsengpässe schon jetzt weitgehend an Frankfurt vorbei. Gleichzeitig warnte die größte deutsche Fluggesellschaft aber vor höheren Gebühren wegen der Mehrkosten. Frankfurt müsse als internationaler Umsteigeflughafen wettbewerbsfähig bleiben.

          Jahrelang hatte Fraport argumentiert, das Chemiewerk sei kein Hindernis für die neue Bahn. Ticona hatte frühzeitig eine Alternativ-Planung gefordert und mit Klagen bis zum Europäischen Gerichtshof gedroht, die weitere Verzögerungen bedeutet hätten.

          Ausbaugegner kritisierten Fraport und Hessens Regierungschef Roland Koch (CDU). Auch die hessische SPD-Opposition, die einen anderen Standort für die Bahn fordert, warf dem CDU-Politiker vor, mit auf der Nordwest-Variante nahe Ticona beharrt zu haben.

          „Subventionierte Werksschließung“

          Die Stilllegung des Werkes sei teuer und gefährde hunderte von Arbeitsplätzen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sprach von einer subventionierten Werksschließung. Umweltschützer und zahlreiche umliegende Städte und Gemeinden haben ebenfalls
          Klagen gegen die Landebahn angekündigt. Der Widerstand von Ticona galt als besonders Erfolg versprechend.

          Ursprünglich sollte das Projekt bereits in diesem Jahr fertig gestellt sein. Der Bauantrag verzögerte sich jedoch auf Grund von Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission unter anderem um das Ticona-Werk, weil Fraport die EU-Richtlinie für Chemiewerke
          (“Seveso-II-Richtlinie“) anfangs nicht ausreichend berücksichtigt hatte.

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